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„Ich will Kühe!“ – Bauern setzen auf Touristen

Landurlaub in TF und LDS „Ich will Kühe!“ – Bauern setzen auf Touristen

Ferien auf dem Bauernhof ist ein Angebot, das vor allem Familienbetriebe anbieten – von denen gibt es in der Region mit ihren großen Agrargenossenschaften nicht viele. Doch dank mancher Zuzügler aus der großen Stadt ändert sich das langsam. Neuen Schub erhoffen sich die Anbieter von der Brandenburger Landpartie am 11. und 12. Juni.

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„Mama, Mama, ein Esel!“ Besonders bei Familien aus der Großstadt ist der Bauernhof ein Sehnsuchtsort.

Quelle: DPA

Dahmeland-Fläming. Die Bienen summen, der Hahn kräht und die Pferde scharren schon mit den Hufen: Für viele Familien sind Ferien auf dem Bauernhof noch immer das einzig Wahre. Auch in der Region gibt es einige Angebote für den unbeschwerten Landurlaub, auch wenn das Modell Familienbetrieb plus Pension hierzulande nicht so weit verbreitet ist wie in Westdeutschland – historisch bedingt. Neuen Auftrieb erhoffen sich die Ferien- und Reiterhöfe der Region von der 22. Brandenburger Landpartie, die am 11. und 12. Juni stattfindet.

Daran beteiligt sich auch die Familie von Andrea Kronberg mit ihrem „Bauernhof am Storchennest“ in der Gemeinde Am Mellensee. 2005 haben die Kronbergs den Hof übernommen, ursprünglich, um vom Aussterben bedrohte Tierarten wie das Rauhwollige Pommersche Landschaf zu züchten.„Die Idee mit dem Tourismus hat sich dann nach und nach entwickelt“, erzählt Andrea Kronberg. „Die Schafe produzieren ja viel Wolle und die Produkte daraus haben wir 2006 zum ersten Mal auf dem Weihnachtsmarkt verkauft. Viele Leute fanden das toll und wollten dann unbedingt mal den Hof sehen“, sagt die 49-Jährige, die immer noch hauptberuflich als Chemielehrerin arbeitet.

Koppelwanderung mit den Konsolkes in Felgentreu

Koppelwanderung mit den Konsolkes in Felgentreu.

Quelle: privat

Bei der Landpartie wird den Besuchern Verschiedenes geboten, Führungen zu den Schafweiden, Stallrundgänge, geführtes Reiten sowie ein Einblick in die Heutechnik. Aber Hühner, Kaninchen und andere Hoftiere gibt es natürlich auch. Und dabei soll es nicht bleiben: „Wir haben noch einen 50 Quadratmeter großen Rohbau, den wir zur Ferienwohnung umbauen wollen“, sagt Andrea Kronberg. Wenn es alles gut läuft, soll es 2017 losgehen mit dem Übernachtungsbetrieb. Dann dürfte dem Urlaub auf dem Bauernhof mit der ganzen Familie nichts mehr im Weg stehen. „Bislang sind es doch vor allem Frauen und Kinder, die uns besuchen kommen“, sagt Andrea Kronberg.

Für Dennis Kummer sind die aus Berlin zugezogenen Kronbergs wohl das klassische Beispiel dafür, wie sich der Sektor Landurlaub in Brandenburg in den vergangenen 26 Jahren entwickelt hat. „Historisch bedingt gibt es in der Brandenburger Landwirtschaft mehr Agrargenossenschaften und weniger Familienbetriebe als in Westdeutschland“ sagt der Fachbereichsleiter Land- und Naturtourismus bei „pro agro“, einem Lobbyverband für den ländlichen Raum. „Darum spielt das Thema Landurlaub hier eine weniger große Rolle, aber grundsätzlich haben wir seit den 90er-Jahren eine positive Entwicklung in dem Bereich.“ Und die sei vor allem Zuzüglern aus Berlin oder Westdeutschland zu danken, die Bauernhöfe kaufen, restaurieren und Übernachtungsmöglichkeiten schaffen.

Hintergrund

Im Landkreis Teltow-Fläming empfiehlt die Touristinformation folgende Betriebe: Konsolkes Wirtshaus & Pension am Naturpark in Felgentreu ( www.konsolkes-pension.de), Bauernhof Emma in Langenlipsdorf ( www.bauernhof-emma.de), Landhof Rohrbeck ( www.landhof-rohrbeck.de), Zimmervermietung „Waldesruh“ bei Luckenwalde (Tel.  03371/ 4 04 75 84) sowie den Auenhof Rehagen ( www.auenhof-rehagen.de)

Im Landkreis Dahme-Spreewald bieten sich folgende Adressen an: Ferien- und Reiterhof Richter Dürrenhofe (www.ferienhof-richter.de), Scheunenherberge Neu Lübbenau ( www.scheunenherberge.de), Gut Birkholz Münchehofe ( www.gut-birkholz.de) sowie Eichenhof Löpten ( www.eichenhof-loepten.de).

Die Brandenburger Landpartie wird in diesem Jahr am 11. und 12. Juni stattfinden. Aus der Region beteiligen sich insgesamt 21 Betriebe. Weitere Informationen zur Landpartie auf www.brandenburger-landpartie.de.

So ähnlich lief es auch bei Jutta und Heinz Konsolke, die nach der Wende einen Betrieb für Landmaschinen in Felgentreu übernahmen und dort ein Wirtshaus mit Pension eingerichtet haben. „Das ist ja ein riesengroßes Gelände, für das wir uns irgendwas überlegen mussten“, sagt Jutta Konsolke. „Eine gemütliche kleine Pension“ sei es geworden, „keen schnieker Hof“. Zwischen 300 und 500 Gäste habe sie im Jahr, meistens Eltern oder Großeltern mit Kindern, die auf dem angrenzenden Fläming-Walk unterwegs sind.

Auch die Konsolkes nehmen an der Landpartie in zwei Wochen teil. „Wir wollen den Besuchern zeigen, dass die Natur trotz der Ruhe auch spannend ist“, sagt Jutta Konsolke. Geboten wird den Besuchern eine Koppelwanderung zu den Pferden und eine Wolfswanderung. Im angrenzenden Naturpark Kahlberg ist nämlich schon ein Rudel Wölfe heimisch geworden: „Der Wolfsbotschafter des Nabu wird an dem Tag auch mit einem Stand da sein“, sagt Jutta Konsolke.

Ein ganz urwüchsiger Familienbetrieb ist der Ferien- und Reiterhof Richter im Spreewald. „Ich bin hier vor 68 Jahren geboren worden und hier werde ich auch sterben“, sagt Helmut Richter. Seit 1993 betreibt der frühere Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Unterspreewald die Pension mit sieben Zimmern – inzwischen als Hauptbeschäftigung. Der Hof lebt vor allem von Familienfeiern wie Geburtstagen oder Hochzeitsjubiläen. „Die Jungen sind oft weggezogen, doch die Eltern leben noch“, erzählt Helmut Richter. „Für die Familienfeiern kommen die Jungen dann wieder zurück in die alte Heimat.“ Darum reisen die Gäste auch schon mal aus München oder Düsseldorf an.

Könnte das Modell „Ferien auf dem Bauernhof“ eine Lösung sein für Betriebe, die unter der Milchpreiskrise leiden? Silvia Fuchs glaubt nicht so recht daran. „Bei uns im Verband spielt das Thema keine große Rolle“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Teltow-Fläming. Es gebe zwar Kooperationen zwischen Pensionen und Höfen, „aber Familienbetriebe gibt es bei uns wenige, und dann konzentriert man sich entweder auf die Pension oder auf die Landwirtschaft.“

Von Martin Küper

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