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Teltow-Fläming Im Dienst der Kinder
Lokales Teltow-Fläming Im Dienst der Kinder
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07:00 15.12.2015
Auch Büroarbeit gehört für Silvia Stollin zum Arbeitsalltag. Quelle: Margrit Hahn
Luckenwalde

Die Tage sind gezählt. Am 28. Dezember wird Silvia Stollin zum letzten Mal ihren Kittel tragen. Dann ist nach 45 Arbeitsjahren Schluss auf der Entbindungsstation im Luckenwalder DRK-Krankenhaus.

Einmal wird die gelernte Kinderkrankenschwester noch an einem Heiligabend ihren Dienst verrichten. Künftig muss sie sich an den Feiertagen nicht mehr nach Dienstplänen richten. Auch wenn sie all die Jahre im Drei-Schichtsystem tätig war, hat sie es nie bereut, dass sie sich einst für diesen Beruf entschied. „Ich wollte immer etwas mit Kindern machen, aber nicht im Kindergarten. So habe ich mich entschieden, Kinderkrankenschwester zu werden. Denn Hilfe für andere Menschen stand für mich immer im Vordergrund“, sagt Silvia Stollin. Zwei Wochen nachdem sie mit ihrer Ausbildung begonnen hatte, wollte sie am liebsten alles hinschmeißen. „Das zeitige Aufstehen war das Schlimmste. Ich habe gedacht, das schaffe ich nie“, fügt sie hinzu.

Doch aus 14 Tagen sind 45 Jahre geworden und sie mussten später im Berufsleben oft noch viel zeitiger aufstehen. Sie erlebte im Laufe der Jahrzehnte Familien über mehrere Generationen hinweg auf der Station. „Von manchem Neugeborenen hatte ich Mutter und Oma auch schon betreut“, berichtet sie.

Allerdings habe sich die Arbeitsweise sehr verändert. So wie sich die Medizin weiterentwickelt hat, ist es auch mit der Pflege. Früher waren die Neugeborenen nicht in einem Raum mit den Müttern, sondern extra im Kinderzimmer untergebracht. Die Mütter bekamen ihre Babys nur zum Stillen. Und wenn die Väter ihre Sprösslinge sehen wollten, konnten sie das nur hinter der Scheibe. Heute gibt es sogenannte Familienzimmer, in denen Mutter, Vater und Baby die ersten Lebenstage gemeinsam verbringen können. Anfangs herrschte eine gewisse Skepsis aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es gut funktioniert. So haben auch die Väter vom ersten Tag an Kontakt zum Kind.

Eine schwierige Sache ist ihr in den 45 Jahren nicht geglückt: Sie wollte traurige Erlebnisse nicht zu dicht an sich heranlassen und hatte immer gehofft, dass sie mit der Zeit abhärten würde. Aber das hat nicht funktioniert. Jedes Mal, wenn ein kleiner oder großer Patient auf ihrer Station verstorben ist, hat sie mitgelitten.

Wie viele Kinderpopos sie in all den Jahren geputzt hat, weiß Silvia Stollin nicht. Auch die gelaufenen Kilometer auf der Station hat sie nicht gezählt. Wenn Silvia Stollin zurückdenkt, dann bedauert sie kaum etwas – nur, dass sie wegen Schichtarbeit zu wenig Zeit für ihre Kinder hatte. Die Kinder kamen aus der Schule und sie war schon unterwegs zum Dienst. Und abends haben die beiden Söhne schon geschlafen. Weihnachten hat die Familie mit der Bescherung gewartet, bis Mama Feierabend hatte. „Zum Glück haben sich ja mein Mann sowie die Großeltern in Stülpe immer um die beiden gekümmert“, berichtet sie.

Dass es künftig langweilig wird, glaubt sie nicht. Mit Haus und Garten hat sie zu tun und die drei Enkel freuen sich schon, dass Oma Zeit für sie hat. „Endlich kann ich mich verabreden, ohne zu sagen, ich muss erst mal sehen, wie ich arbeiten muss“, sagt Silvia Stollin.

Von Margrit Hahn

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