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Im Gedenken an die Ludomers

Rangsdorf Im Gedenken an die Ludomers

Vier Stolpersteine werden am Freitag für die jüdische Familie Ludomer, die einst in Rangsdorf lebten, in Berlin-Schöneberg verlegt. Die Stolpersteine wurden von der Gemeinde Rangsdorf und der Geschichtswerkstatt gespendet.

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Der Rangsdorfer Historiker Norbert Kampe hat das Leben der Familie Ludomer erforscht.

Quelle: Christian Zielke

Rangsdorf. Wie ein Denkmal sah das Haus Unter den Eichen 11 in Rangsdorf lange Zeit nicht aus. Mehr als 25 Jahre stand die Villa leer. Zwei Berliner haben das Haus Anfang des Jahres gekauft und hauchen den alten Wänden neues Leben ein.

Andreas Cichy und sein Lebensgefährte Alexander Tarvenkorn haben schon eine Menge Arbeit investiert. Derzeit werden die alten Fenster abgeschliffen. Sie müssen erhalten bleiben, genauso wie vieles andere in dem Haus. „Immerhin durften wir die Heizung erneuern“, sagt Andreas Cichy. Das habe ihnen die Denkmalschutzbehörde zugestanden. Wände, Treppen und Fassade sollen möglichst im Original erhalten bleiben oder aussehen wie in den 1930er Jahren, als das Haus gebaut wurde.

Besondere Geschichte

Trotz aller Auflagen haben sich beide für das Haus entschieden, denn es hat eine besondere Geschichte. Dort lebte die jüdische Familie Ludomer von 1931 bis 1938. Arnold Ludomer, seine Frau Henriette und deren Tochter Minna Stümpel wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Tochter Hilma Ludomer konnte untertauchen und wanderte nach dem Krieg in die USA aus, wo sie 1993 starb.

Für den in Rangsdorf lebenden Historiker Norbert Kampe ist der Verkauf des Hauses ein Glücksfall. Nicht nur, dass der Verfall gestoppt ist, sondern auch, weil die neuen Besitzer sich mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzen. Auf seine Initiative werden am Freitag, dem 2. Juni, vier Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal der Familie Ludomer erinnern und die von der Gemeinde Rangsdorf und der Geschichtswerkstatt gespendet wurden – allerdings nicht vor dem Haus in Rangsdorf, sondern im Willmanndamm 5 in Berlin-Schöneberg.

Dort hat die Familie gewohnt, nachdem SA-Schergen in der Nacht zum 11. November 1938 ins Haus eingedrungen sind, das Wohnzimmer verwüsteten und die Familie bedrohten. Sie verkauften das Haus in Rangsdorf unter Wert. Über das Geld, das auf einem Sperrkonto lag, durften sie nicht verfügen. Arnold Ludomer, der gelernter Buchhalter war, musste Zwangsarbeit bei Siemens leisten, seine Tochter Hilma bei den Deutschen Telefonwerken in Berlin. Im Oktober 1942 standen plötzlich Gestapo-Männer in der Schöneberger Wohnung. Sie waren gekommen, um die Familie zu deportieren. Mit einem Trick gelang es Henriette Ludomer, ihre Tochter im Treppenhaus abzufangen, als diese von der Arbeit kam.

„Lauf fort! Die Gestapo ist da“, sagte sie. Es waren die letzten Worte, die Hilma von ihrer Mutter je hörte. Nach ihrer Ankunft in Riga wurden die Eltern erschossen. Die Tante Minna Stümpel starb im März 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Erinnerungen der Familie als Buch veröffentlichen

Im nächsten Jahr möchte Norbert Kampe die Erinnerungen von Hilma Ludomer als Buch veröffentlichen. Dass der ehemalige Gedenkstättendirektor des Hauses der Wannseekonferenz auf die Familie Ludomer aufmerksam wurde, war ein Zufall. Vor einigen Jahren durchwühlte er die Fachliteratur nach dem Begriff Rangsdorf, seinem Wohnort, und fand dort ein Interview mit Hilma Ludomer. Darin erinnerte sie sich, wie sie nach der Machtübernahme der Nazis plötzlich von Nachbarn gemieden wurde. Kampe fragte Nachbarn, die Hinweise auf eine „traurige jüdische Geschichte“ des Hauses gaben. Bei seinen Recherchen stieß Norbert Kampe auf die Kinder von Hilma Ludomer, Audrey und Bruce. Sie überließen ihm Akten der Mutter und ihre Tagebücher. „Der größte Dank war, als der Sohn zu mir gesagt hat ,Sie haben meine Mutter für mich entdeckt’“, sagt Kampe. Wenn die Stolpersteine verlegt werden, wollen die Kinder dabei sein.

Die Stolpersteine werden am Freitag, dem 2. Juni, um 11 Uhr im Willmanndamm 5 in Berlin verlegt.

Von Christian Zielke

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