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Im Irrgarten von Umleitungen

Zossen Im Irrgarten von Umleitungen

Reihenweise Baustellen-Vollsperrungen in der Region um Ludwigsfelde und Zossen nerven Autofahrer: Die B 96 in Dabendorf, die B 246 in Stangenhagen, die L79 mitten in Ludwigsfelde und in Groß Schulzendorf sind dicht. Bodo Wosch von der Kantine „Essbar“ in Nächst Neuendorf weiß nicht mehr, wie er alle 300 bis 500 Portionen Mittagessen pünktlich liefern soll.

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Bodo Wosch an der Kreuzung B 96/Goethestraße in Dabendorf, dort geht’s beim Essen-Ausfahren Richtung Dahlewitz nicht weiter.

Quelle: Abromeit

Ludwigsfelde. Autofahrer, ob Urlauber oder einheimisch, sind genervt von Umleitungen und Sperrungen in der Region. Anwohnerstraßen werden zu hochfrequentierten Ausweichpisten, so dass die Polizei dort kontrolliert, wie im Dachsweg von Ludwigsfelde. In Dabendorf an der Kreuzung B 96/Goethestraße verschieben genervte Brummifahrer Absperrungen, Pkws quetschen sich an Zäunen und Bäumen entlang, Anwohner beobachten hinter Gardinen angstvoll, ob ihr Vorgarten unversehrt bleibt.

Kilometerlange Umwege

MAZ-Leser Christian Krebs schreibt zu seiner Baustellen-Liste, mit der Vollsperrung der B246 bei Stangenhagen sei die A9 nur noch über Thyrow erreichbar. „Aber auch dort Baustellenampel und Chaos auf der einzigen Verbindung, Rückstau fast bis Abfahrt Ludwigsfelde (B101).“ Von Zossen aus erreiche man Ludwigsfelde nur noch über Telz, das wären 31,2 statt der sonstigen 19,9 Kilometer. Oder man stecke nachmittags im sehr langen Stau über Thyrow, das wären dann 25 Kilometer, so Krebs.

Die Verschiebe-Spuren der Absperrung sind deutlich zu sehen

Die Verschiebe-Spuren der Absperrung sind deutlich zu sehen.

Quelle: Abromeit

Bodo Wosch von der Nächst Neuendorfer Kantine „Essbar“ weiß nicht mehr, wie er angesichts aller Umleitungen Kunden pünktlich beliefern soll: „Im Raum Dahlewitz springen die Ersten schon ab.“ Seine Fahrzeuge hätten bis 20 Kilometer mehr zu fahren pro Tour, zurück noch mal so viel. „Und manchmal fahren wir ja mehrmals dorthin“, sagt der 59-Jährige. Er und seine Frau Birgit betreiben die Kantine seit zehn Jahren, täglich liefern sie zwischen 300 und 500 Portionen aus, teils bis Ludwigsfelde. „Alle Kunden wollen mittags um 12 Uhr essen. Und alle Mitarbeiter wollen jeden Monat pünktlich ihr Geld“, erklärt Wosch. An den drei Kantinen-Standorten Nächst Neuendorf, Dabendorf und Wünsdorf arbeiten neun Festangestellte und je nach Auftragslage weitere Helfer. Bodo Wosch meint: „Straßen zu reparieren ist ja in Ordnung, aber müssen es gleich alle auf einmal sein? Da sind studierte Leute am Werk, die so was überblicken müssten.“ Die Krönung für ihn sei gewesen, als am Montag auch der Bahnübergang Oertelufer in Zossen dicht war. Vorige Woche habe er beim Landesbetrieb Straßenwesen in Wünsdorf angerufen: „Man sagt mir, ich könnte langsam durch die Baustelle fahren... Wozu dann die Vollsperrung?“

Landesbetrieb: Baustellen in den Ferien belasten Verkehr weniger

Landesbetrieb-Sprecherin Cornelia Mitschka erklärt: „Der Landesbetrieb ist für den verkehrssicheren Zustand der Bundes- und Landesstraßen zuständig. Das erfordert regelmäßige Erhaltung- und Instandsetzung.“ Leider bedeute das für Verkehrsteilnehmer halbseitige oder Vollsperrungen. Letztere seien arbeitssicherheitstechnisch nötig, wenn die Straße schmaler als acht Meter ist oder bei Deckenerneuerung, so Mitschka. Der Landesbetrieb versuche regelmäßig, Umleitungen auf „eigenen“ Straßen auszuweisen, um Belastungen fürs nachgeordnete Netz möglichst gering zu halten, so die Sprecherin, doch Ortskundige wählten ohnehin den eigenen Weg. Viele Erhaltungsmaßnahmen würden in die Ferien gelegt, so seien Schulbusse nicht beeinträchtigt und es sind „deutlich weniger Pendler“ unterwegs, so Mitschka. Der Kreis hatte beim Land den schlechten Zustand einiger Bundes- und Landesstraßen oft kritisiert, „daher ist es in erster Linie erfreulich“, wenn auch mit einem 100-Millionen-Euro-Programm reagiert werde, so Hubert Grosenick, Leiter des Straßenverkehrsamtes Teltow-Fläming. Das Straßennetz funktioniere nur in seiner Gesamtheit. Seit Jahren seien dabei auch die Bundesstraßen 96, 246, 115 und 101 ein Thema. Der Kreis leiste den erforderlichen Beitrag zu Sicherheit und Lärmbegrenzung bei Kreisstraßen, so Grosenick. Das Straßenverkehrsamt beachte bei seinen Entscheidungen zu Umleitungen die Interessen des Verkehrs, aber auch die von Eigentümern und Baulastträgern. Mit letzteren habe man im Januar alle geplanten Maßnahmen zeitlich abgestimmt. Das sei wegen nötiger Ausweichstrecken und Umleitungen sowie des Schwerpunkts Sommerferien oft nicht einfach. Wie Mitschka verweist er auf weniger Verkehr und fehlende Schülerbusse in dieser Zeit. Und er sagt: „Je schneller gebaut werden kann, umso eher stehen die Straßen wieder zur Verfügung. Dies funktioniert am ehesten unter einer Vollsperrung.“

Aktuelle Baustellen

B96 durch Dabendorf gesperrt


Sperrung vom Knotenpunkt Telz bis Kegelbahn Dabendorf

L79-Ortsdurchfahrten Ludwigsfelde und Groß Schulzendorf gesperrt

Verbindung von Wietstock nach Märkisch Wilmersdorf gesperrt


Vollsperrung B246 bei Stangenhagen

Auf der Internetseite des Landesbetriebs für Straßenwesen gibt es einen Überblick über alle Baustellen im Land: www.ls.brandenburg.de, Stichwort Straßenbausaison 2016

Im Übrigen seien ausgewiesene Umleitungen kein „Muss“, sondern markieren Strecken, die von allen Verkehrsteilnehmern passiert werden könnten. „Mit etwas Ortskenntnis oder geschickter Navigation kann man in vielen Fällen schnellere und kürzere Wege wählen. Allerdings sollte man auch bei der Wahl eines ,Schleichweges’ bedenken, dass dort ebenfalls Menschen leben“, meint Grosenick.

Von Jutta Abromeit

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