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Im Speckgürtel gibt es weniger Ärzte als im Landesdurchschnitt

Medizinische Versorgung in Dahmeland-Fläming Im Speckgürtel gibt es weniger Ärzte als im Landesdurchschnitt

In der Region Dahmeland-Fläming sind proportional zu den Einwohnern weniger Mediziner niedergelassen, als in anderen Brandenburger Landkreisen. Das Paradoxon: Gerade im Speckgürtel ist das der Fall. Die Planung obliegt der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). Doch die sieht keinen Grund zur Sorge.

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Blutdruckmessen beim Hausarzt: Manchmal ist der Weg zum nächsten Mediziner weit.

Quelle: foto: dpa

Dahmeland-Fläming. Erst vor wenigen Wochen beklagten die Schönefelder in einer MAZ-Umfrage zur Zufriedenheit mit ihrem Umfeld einen Ärztemangel in ihrer Gemeinde. Dabei monierten Umfrageteilnehmer, dass es in Schönefeld zu wenige Fachärzte gebe und sie deshalb auf Angebote in der näheren Umgebung zurückgreifen müssen – also zu Ärzten nach Königs Wusterhausen und Berlin fahren.

Regelmäßig Beschwerden über fehlende Ärzte

Gerade in der nun endenden Ferien- und Urlaubszeit sind weite Fahrten zu Ärzten oder lange Wartezeiten auf Termine ein Problem, das viele Menschen in der Region Dahmeland-Fläming kennen. Bei den Gesundheitsämtern in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming gibt es regelmäßig Beschwerden über fehlende Ärzte. Dabei haben die mit der Planung gar nichts zu tun.

Bedarfsplanung der KVBB

Die Planung des Ärztebedarfs basiert auf statistischen Größen. So wird festgelegt, wie viele Ärzte eines bestimmten Fachgebiets für wie viele Einwohner zur Verfügung stehen müssen.

Dabei gilt: Je spezialisierter eine Facharzt, desto seltener brauchen Patienten ihn in unmittelbarer Wohnortnähe. Deshalb ist der geografische Planungsbereich deutlich größer, als beispielsweise bei Allgemeinmedizinern.

Generell gilt ein Gebiet mit einem Versorgungsgrad von 100 Prozent als ausreichend versorgt. Bei weniger als 75 Prozent gilt es als unterversorgt und bei 110 Prozent als überversorgt.

Bei einer Überversorgung dürfen Ärzte in dem festgelegten Gebiet nicht mehr tätig werden.

Offiziell unterversorgt sind in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming derzeit keine Gebiete. Allerdings ist Lübben in Bezug auf Augen und Frauenärzte „drohend unterversorgt“. In den nächsten fünf Jahren gehen dort Fachärzte in Rente.

Wie viele Haus- und Fachärzte in den einzelnen Kommunen eingesetzt werden, regelt die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) nach Mittelbereichen. Sie sieht vor, so viele Ärzte eines bestimmten Fachgebiets einzusetzen, dass alle dort ansässigen Bürger ausreichend Zugang zu Ärzten haben. Dementsprechend zeigt die KVBB an, in welchen Mittelbereichen es einen Ärztemangel gibt und in welchen ausreichend Mediziner niedergelassen sind. Gibt es zu viele Ärzte, sperrt die KVBB eine Region für neue Zulassungen. Sind es zu wenige, fördert sie unter Umständen Neuzulassungen auch finanziell.

Zu wenig Hausärzte in Bereichen Schönefeld-Wildau und Ludwigsfelde

Tatsächlich beträgt der Versorgungsgrad für Allgemeinärzte im Mittelbereich Schönefeld-Wildau nur 85,2 Prozent. Das ist im Bezug auf Hausärzte der geringste Wert in der Bedarfsplanung der KVBB für die Region Dahmeland-Fläming. Laut Kreissprecherin Heidrun Schaaf fehlten dort im vergangenen Jahr acht Hausärzte.

Auch im Landkreis Teltow-Fläming ist ausgerechnet eine Kommune im Berliner Speckgürtel rein rechnerisch von Ärztemangel betroffen: Die Stadt Ludwigsfelde und umliegende Gemeinden. Auf dem Papier steht in der Region Königs Wusterhausen mit einem Versorgungsgrad von 101,5 Prozent am besten da, darauf folgt der Mittelbereich Zossen mit 101,2 Prozent.

Region im Vergleich schlecht aufgestellt

Im landesweiten Vergleich ist die Region zahlenmäßig weniger gut aufgestellt als andere Regionen Brandenburgs. Während im Land Brandenburg ein Vertragsarzt durchschnittlich 741 Einwohner betreut, sind es in Dahme-Spreewald schon 855 Einwohner und in Teltow-Fläming 875.

Das merken auch die Krankenhäuser in der Region. Wie Enrico Ukrow, Verwaltungsleiter des DRK-Krankenhauses in Luckenwalde mitteilt, würden viele ambulante Patienten ins Krankenhaus fahren, weil eine wohnortnahe, ambulante Versorgung nicht möglich sei. Das betreffe vor allem die Versorgung von Krebspatienten, die keine niedergelassenen onkologischen Fachärzte finden.

Hohe Patientenzahlen in der Notfallambulanz

Ragnhild Münch, Sprecherin des Klinikums Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen, berichtet von hohen Patientenzahlen in der Notfallambulanz. Im vergangenen Jahr wurden dort um die 42 000 Patienten behandelt. Schon bei der Anmeldung werden ihre Beschwerden mit dem Ivena-System in fünf Dringlichkeitsstufen gegliedert. Bei knapp 40 Prozent der Notfallambulanzpatienten lag keine dringende Behandlung vor. Ob es sich dabei um Patienten handelt, die keinen niedergelassenen Facharzt in ihrer Umgebung fanden, kann Ragnhild Münch nicht sagen. Es könnte aber ein Grund sein.

Dennoch gibt KVBB-Sprecher Christian Wehry Entwarnung für die Region: „Beide Landkreise sind gut vertragsärztlich versorgt.“ Das führt er sowohl auf das Alter der Ärzte, als auch auf das der Anwohner zurück.

Niedrigstes Durchschnittsalter der Ärzte

„Mit weitem Abstand weist der Landkreis Teltow-Fläming von allen Brandenburger Landkreisen das niedrigste Durchschnittsalter der Ärzte auf“, sagt Wehry. Während landesweit rund ein Viertel der Ärzteschaft (24,2 Prozent) das 60. Lebensjahr bereits erreicht habe, sei in Teltow-Fläming nur jeder sechste Vertragsarzt 60 Jahre oder älter. „Das ist eine gute Basis für die aktuelle, aber auch für die zukünftige Versorgung“, sagt Wehry. In Dahme-Spreewald sieht das anders aus: Dort sind 28,1 Prozent der Ärzte älter als 60 Jahre. Das sind mehr als im Landesdurchschnitt.

Dennoch sieht Wehry zumindest im Norden des Landkreises keine drohende Notlage, obwohl dort der zahlenmäßig am schlechtesten versorgte Planungsbereich Schönefeld liegt. „Gerade im Speckgürtel sind die Menschen jünger und kontaktieren den Hausarzt deswegen noch nicht so oft“, sagt er. Zudem hätten sie leichter die Möglichkeit, auf Ärzte in Berlin auszuweichen – die womöglich in der Nähe ihrer Arbeitsstätte praktizieren oder am früheren Berliner Wohnort.

Zuzug macht Probleme

Entgegen der gängigen Annahme, kommen gerade in den berlinnahen Regionen mehr Einwohner auf einen Arzt. KVBB-Sprecher Wehry erklärt, warum das so ist: „Diese Regionen sind schnell gewachsen und die Mediziner kamen nicht hinterher. Zur selben Zeit wurden nicht genügend Ärzte gefunden, die sich dort neu niederlassen. Eine Neuzulassung ist teuer, in gewachsenen Strukturen funktioniert die Selbstständigkeit durch Übernahme besser.“

Von Anja Meyer

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