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Im Tal der Ahnungslosen und Vernachlässigten

Gottow Im Tal der Ahnungslosen und Vernachlässigten

Kein Handyempfang, kein großer Veranstaltungsraum, kein ordentlicher Spielplatz und kein Geld. In Gottow (Teltow-Fläming) fühlt man sich etwas wie im Tal der Ahnungslosen und der Vernachlässigten. Hauptsache, die Dorfgemeinschaft funktioniert wieder. Das war nicht immer so.

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Kein schöner Anblick. Doch die vor vielen Jahren abgebrannte Gaststätte soll abgerissen werden. Die Gottower hoffen, dass dort ein neuer Veranstaltungsraum entsteht.

Quelle: Hartmut F. Reck

Gottow. „Wir kommen uns hier vor wie im Tal der Ahnungslosen“, sagt Margot Uschkoreit verbittert: In Gottow gebe es nur schlechten oder meistens gar keinen Handyempfang. „Das ist gar kein Witz“, pflichtet ihr Wilfried Pöschla bei: „Wenn man auf dem Luckenwalder Marktturm steht, sieht man alle möglichen Orte, nur nicht Gottow, weil es von Hügeln umgeben ist und wirklich in einem Tal liegt.“ Doch auf einen Sendemast mit Mobilfunkverstärkern hofft man in Gottow vergebens, wie auch auf so manches andere.

„Was uns richtig auf der Seele brennt“, sagt Bruno Uschkoreit, „das ist der viel zu kleine Vereinsraum hier im Dorfgemeinschaftshaus.“ Selbst bei der Kaffeetafel für die Senioren findet bei 24 Gästen nicht jeder Helfer einen Platz. Und wer schlecht zu Fuß ist, kommt kaum die enge Treppe hoch. „Außerdem gibt es nur eine Toilette für Männer und Frauen“, beschwert sich Margot Uschkoreit.

Im Obergeschoss gibt es zwar noch ein Raum, der aber nur unwesentlich größer ist und dessen Zugang erst recht nicht alters- und behindertengerecht ist. Die andere Hälfte des gemeindeeigenen Gebäudes ist vermietet, was wiederum die Nutzbarkeit der Gemeinschaftsräume einschränkt.

Gaststätte dümpelt vor sich hin

Einen anderen Treffpunkt gibt es nicht im 350-Seelen-Dorf. Die frühere Gaststätte war Mitte der 1990er Jahre abgebrannt und dümpelt als Ruine vor sich hin. Die Gaststätte Unterhammer ist nicht groß genug und liegt zu weit außerhalb. Nun ruht alle Hoffnung auf zwei Investoren aus dem Dorf, die das Grundstück der Gaststättenruine gekauft und schon eingezäunt haben. Dort finden bereits Abrissmaßnahmen statt.

„Ich freue mich schon darauf“, sagt Wilfried Pöschla, „dass ich, wenn ich nach Gottow hineinfahre, diese olle Ruine nicht mehr sehen muss und auf den See blicken kann.“ Was genau die Investoren mit dem Grundstück vorhaben, weiß keiner. „Wir hoffen, dass da etwas für uns mitentsteht, also ein Saal, dass wir wieder Fastnachten feiern können“, wünscht sich Bruno Uschkoreit. „Genau!“, pflichtet ihm Pöschla bei: „Wir haben Fastnachten und Zempern über die DDR-Zeit hinweggerettet, doch das ist jetzt alles eingeschlafen, weil uns einfach der passende Raum dazu fehlt.“ Auch Jugendfastnachten sei in den vergangenen fünf Jahren deswegen im Sande verlaufen, bedauert Michael Lamprecht.

Ordentlicher Spielplatz muss her

Schön sei es, dass es in Gottow einige junge Familien gebe, denen man aber etwas bieten müsse. Zum Beispiel einen ordentlichen Spielplatz für die Kinder. Denn: „Da haben wir noch nicht mal einen Sandkasten“, ärgert sich Marco Schumann. Und die Spielgeräte müssten vom Tüv geprüft sein, was sich keiner leisten könne.

Wenigstens habe man Geld für eine ordentliche Rutsche gesammelt. Aber die steht in der prallen Sonne und heizt sich total auf. Fünf Bäume müsste man pflanzen, um den Spielplatz zu beschatten. Aber wer soll das bezahlen? „Man bekommt dauernd gesagt, die Gemeinde Nuthe-Urstromtal ist pleite“, berichtet Ortsvorsteher und Gemeindevertreter Ulf Neugebauer (SPD), „aber es fällt schon auf, das viel nach Woltersdorf geht.“ Deshalb fühle man sich hier etwas vernachlässigt, aber: „Bei 23 Ortsteilen“, wirft Pöschla ein, „gibt es keine Gerechtigkeit.“

Immerhin ist das Dorf wieder enger zusammengewachsen, bestätigen die sechs Gottower der MAZ. Aus dem aufgelösten Ortsverband der Volkssolidarität habe sich der Bürgertreff herausgebildet, der eng mit Sportverein, Feuerwehr und den Schlepperkameraden zusammenarbeitet.

Von Hartmut F. Reck

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