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Teltow-Fläming Im alten Heinrich-Stift entstehen neue Wohnungen
Lokales Teltow-Fläming Im alten Heinrich-Stift entstehen neue Wohnungen
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14:25 26.07.2016
Die Gewölbe und Bögen sind typisch für das denkmalgeschützte Gebäude. Quelle: Elinor Wenke
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Luckenwalde

117 Jahre hat das ehemalige Gebrüder-Heinrich-Stift in Luckenwalde auf dem Buckel. Zehn Jahre lang stand das imposante neugotische Backstein-Gebäude in der Lindenstraße nach der Wende leer und der Zahn der Zeit hinterließ sichtbare Spuren: lädierte Fenster, kaputte Fugen, Feuchtigkeit. Mehrere Versuche der Stadt als Eigentümer, das Haus neu zu vermarkten, etwa als Skater- und Touristenunterkunft, schlugen fehl.

Doch nun zieht neues Leben in das altehrwürdige Gebäude mit seinen insgesamt 43 Türmchen. Der schwäbische Privatinvestor Werner Weng hat das denkmalgeschützte Haus vor vier Jahren gekauft und baut es aufwendig zu 34 Mietwohnungen um. Ganz schön mutig und risikobehaftet nennen es die einen, idealistisch nennt es Werner Weng. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt der 65-Jährige. Als „Geschenk des Himmels“ bezeichnete damals Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) den neuen Investor. „Wir sind froh, jemanden gefunden zu haben, der sich mit Denkmalschutz auskennt und weiß, was auf ihn zukommt“, sagte sie.

Das sanierte Heinrich-Stift aus der Vogelperspektive. Das Dach wurde komplett erneuert, die Fassade aufwendig restauriert. Quelle: Hanns-Christoph Zebe

Doch Wengs Ideen stießen zunächst nicht überall auf Zustimmung. Ursprünglich wollte er Energie fürs Haus mit einer Hybridanlage aus Sonnenmodulen und Windrad erzeugen, um die Betriebskosten niedrig zu halten. Doch die Vorstellung von einem Windrad mitten in einem Wohngebiet bekam in der Bevölkerung heftigen Gegenwind. Die ablehnenden Reaktionen veranlassten Weng, auf das Windrad zu verzichten. „Ich will ja nicht gegen die Luckenwalder Bürger agieren und mich unbeliebt machen“, erklärte er damals. Das Solarfeld bleibt immer noch sein erklärtes Ziel.

Bauherr Werner Weng. Quelle: Margrit Hahn

Der Bauherr schafft Wohnungen mit 40 bis 150 Quadratmetern Fläche. Verschiedene Wohnungstypen sollen den Ansprüchen von Singles, Paaren und Familien genügen. Nahezu alle Wohnungen sind behindertenfreundlich und barrierefrei über einen Aufzug zu erreichen.

Zahlen und Fakten

Das Gebrüder-Heinrich-Hospital in Luckenwalde ist im Jahr 1899 eröffnet worden. Gestiftet wurde es von den Brüdern und Fabrikbesitzern Wilhelm und Ferdinand Heinrich.

Bis zum Jahr 2001 wurde das Haus vom katholischen Marien-Verein als Seniorenheim genutzt. Seitdem stand es nahezu leer.

Im Jahr 2012 hat Werner Weng das denkmalgeschützte Gebäude von der Stadt gekauft. Es hat eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern. Das Grundstück an der Nuthe ist 1,1 Hektar groß.

Geschaffen werden dort nun Ein- bis Sechsraum-Wohnungen. Noch sind einige zu vermieten. Der Mietpreis liegt laut Eigentümer im üblichen Luckenwalder Niveau bei 6,30 bis 6,60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Außerdem können Gemeinschaftsräume genutzt werden.

Auf positive Resonanz ist Weng mit seinem Konzept „50life“ gestoßen. Es steht für eine gemeinschaftliche Lebensform – vor allem für Menschen ab 50, die noch mitten im Lebens stehen und trotzdem nach einem neuen sozialen Umfeld suchen. „Kein betreutes Wohnen und auch keine bewachte Wohlfühloase für betuchte Ältere“, versichert Weng.

Gemeinschaftraum statt Speisesaal

#Die Mieter sollen maximale Individualität genießen, aber auch das Zusammenleben in der Gemeinschaft nutzen können. Deshalb wird zum Beispiel der ehemalige Speiseraum des Altenheimes in den gemeinschaftlich nutzbaren Linden-Saal umgebaut, außerdem werden Gemeinschaftsräume mit Küchen-, Wellness- und Fitnessbereichen geschaffen. Die ersten zwölf Wohnungen sind bereits belegt, weitere acht werden in den nächsten Tagen bezugsfertig. Die restlichen sollen bis zum Frühjahr 2017 hergerichtet sein.

Baukosten: 5 Millionen Euro

Die ursprünglich geschätzten Baukosten von drei bis dreieinhalb Millionen Euro bewegen sich inzwischen auf die fünf Millionen Euro zu. Einige Originalfenster blieben erhalten, andere wurden durch originalgetreue Holzfenster ersetzt. Mehrere tausend Formsteine mussten erneuert und einige per Hand geformt werden. „Neun Monate haben die Handwerker gebraucht, um die Fassade neu zu verfugen“, sagt Weng, „das ist alles Handarbeit.“

Diese Wohnung mit moderner Küche ist nahezu bezugsfertig. Quelle: Elinor Wenke

Die Dachziegel wurden komplett abgetragen und erneuert. Für das auffällige leuchtend rotbraune Dach wurde die Schaldach & Schröter Dachbau GmbH aus Trebbin im Fachblatt für Dachdeckerbetriebe als Musterbeispiel erwähnt. Heizung und Elektrik wurden erneuert und ein Innen-Lift eingebaut, den es vorher nicht gab.

Gerüst ums Stift. Quelle: Hartmut F. Reck

Im Innern gibt es trotzdem noch viel zu tun. Werner Weng hat immer noch Spaß am Umbau, obwohl der ihm zwischenzeitlich fast vergangen wäre. Zwei Sturmschäden, zweimal Wasserrückstau im Keller und mehrere Einbrüche waren die negativen Vorboten des Richtfestes. „Leider hatten wir nach dem Starkregen Ende Mai auch noch eine schlimme Überschwemmung im Keller“, berichtet Weng. Eine Verkettung mehrerer Mängel, die nicht in seiner Verantwortung lägen, hätten zu dem Unglück geführt. „Die Rückschläge im Baualltag zermürben manchmal“, gibt Weng zu, „aber ich lass mich nicht unterkriegen.“ Außerdem charakterisiert er das Haus als „gut beschützt – von Denkmalschützern, Brandschützern, Arbeits- und Naturschützern“. Alle würden ihm vorschreiben, was er zu tun habe.

Eventuell eine Kinder-Tagespflege im Heinrich-Stift

Sorgen bereitet Weng ein kommunales Problem. „Zwei Familien, die ihren Wohnsitz von Berlin hierher verlegen wollten, haben inzwischen abgesagt, weil ihnen in Luckenwalde kein Kitaplatz zugesichert werden konnte. Das ist ein untragbarer Zustand für Teltow-Flämings Kreisstadt“, sagt Weng. Er trägt sich jetzt sogar mit dem Gedanken, im Heinrich-Stift eine Kinder-Tagespflege einzurichten.

Tafel in Gedenken an die Stifter. Quelle: Elinor Wenke

Inzwischen erfährt der Mittsechziger für seine Bautätigkeit viel Wertschätzung von Fachleuten, Einwohnern und Besuchern, auch von ungebetenen. „Die Luckenwalder sind äußerst neugierig, weil viele das Gebäude noch als Seniorenheim kennen“, berichtet Weng. Allerdings würden einige einfach im Haus herumspazieren oder sogar mit dem Auto aufs Gelände fahren. „Das ist immer noch ein Privatgrundstück“, gibt der Bauherr zu bedenken, macht aber ein faires Angebot: „Am 11. September, zum Tag des Denkmals, werden wir unsere Türen für alle Interessierten öffnen.“ Dann wird es halbstündlich Führungen, musikalische Unterhaltung sowie einen Imbiss geben.


Kontakt: per Mail: werner@weng.ag

Von Elinor Wenke

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