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12:05 09.11.2016
Anna Maria Bönisch ist mit 88 Jahren noch Flüchtlingshelferin.. Quelle: Margrit Hahn
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Luckenwalde

Anna Maria Bönisch ist voller Tatendrang. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann muss es auch werden. „Wenn ich ja sage, meine ich ja und nicht vielleicht“, sagt die 88-Jährige. Sie ist im Verein Oneway-Migrationshilfe Luckenwalde, der im Mai dieses Jahres gegründet wurde, das älteste Mitglied und hat die Funktion des Kassenwarts übernommen. In ihrem Ruhestand setzt sie sich für die Geflüchteten ein.

Anna Maria Bönisch wurde in Trier geboren und wuchs im Rheinland auf. Ihr erster Mann starb, als sie 28 Jahre alt war. Sie musste Sozialhilfe beantragen und zusehen, wie die Familie über die Runden kam. „Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich gelernt habe, mit Ämtern umzugehen“, sagt die gelernte Schneiderin . Wenn es um ihre Kinder ging, hat sie gekämpft wie eine Löwin.

Im Übergangswohnheim in der Grabenstraße in Luckenwalde ist Anna Maria Bönisch gern gesehen. Sie hilft, wenn Not am Mann ist und spielt mit den Kindern. Quelle: Hartmut F. Reck

Einige Jahre später, da war sie 31 Jahre, lernte sie ihren zweiten Mann kennen, mit dem sie, wie sie sagt, eine wahre Bilderbuchehe führte. Doch er starb an Krebs. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie nicht damit gerechnet, dass es noch einmal einen Mann geben würde, mit dem sie ihr Leben teilt.

Neuanfang in Spanien

Und doch passierte es. Sie hatte gerade ihren Afrikaurlaub geplant, als sie ihren Freund kennenlernte, der sich entschied, sie zu begleiten. Ihre Reise führte sie zuerst nach Spanien und weil es ihnen dort so gut gefiel, blieben sie einfach und machten eine Gaststätte auf. 1987 wurde der Vertrag unterzeichnet. Anna Maria Bönisch hat gekocht, ihr Freund sorgte für den Service. „Es hat eingeschlagen, wie eine Bombe“, berichtet sie. Später gaben sie die Gaststätte auf und eröffneten ein Gartenlokal. Dort wurde auch die Wiedervereinigung gefeiert. „Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen, die sich weinend in den Armen lagen“, so Anna Maria Bönisch.

2008 starb ihr Lebenspartner, mit dem sie 24 Jahre zusammen gelebt hatte. Sie blieb noch einige Zeit in Spanien, doch dann drängten ihre Kinder, sie solle wieder zurück nach Deutschland kommen. „Für mich stand fest: Egal wo ich hinziehe, es muss eine Kirche und eine Beschäftigung für mich geben“, sagt die Katholikin. Eine ihrer Töchter war inzwischen nach Luckenwalde gezogen und bat die Mutter, zu ihr zu kommen. Es war kein Problem für sie, hier Anschluss zu finden. Gleich nach dem ersten Gottesdienst fragte sie Ordensschwestern, wie sie sich in der Gemeinde mit einbringen könne. Seitdem kam eins zum anderen.

Hilfe für andere Senioren und für Flüchtlinge

Die rheinische Frohnatur ist immer unterwegs. Sie geht ins Altenheim, kümmert sich um alte Menschen und hilft mit, Feste vorzubereiten. Und sie tanzt für ihr Leben gern. Als sie beim Seniorentanz erfuhr, dass dringend Ehrenamtliche für die Migrationshilfe gesucht werden, überlegte sie nicht lange. Seitdem ist sie regelmäßig in der Einrichtung in der Grabenstraße. Sie ist beliebt und wird liebevoll sie von allen „Oma Anne“ genannt. Ihren 88. Geburtstag feierte sie gemeinsam mit ihrer Familie und den Flüchtlingen in der Grabenstraße. „Wir haben zusammen gegessen, getanzt und gelacht“, sagt die Mutter von sechs Kindern, Oma von 18 Enkeln und Uroma von 18 Enkeln.

Dreimal im Jahr besucht sie ihre Kinder im Rheinland. Sie setzt sich ins Auto und steigt erst aus, wenn sie dort angekommen ist. Sie ist stolz, dass sie seit 55 Jahren unfallfrei fährt. Ihr Wunsch ist es 100 Jahre alt zu werden. „Ich nehme nur eine Tablette am Tag und kann ohne Brille lesen. Ich lebe im jetzt und hier und bin im Organisieren ziemlich groß. Es macht mir Spaß, anderen Menschen zu helfen, vor allem, wenn ich weiß, dass es genau dorthin kommt, wo es gebraucht wird“, sagt Anna Maria Bönisch.

Von Margrit Hahn

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