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Teltow-Fläming Immer mehr Abstandsverstöße
Lokales Teltow-Fläming Immer mehr Abstandsverstöße
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18:10 26.07.2018
Erster Verstoß: zu geringer Abstand. Oberkommissar Alexander Kroll lässt sich den Führerschein und die Fahrzeugpapiere geben. Quelle: Fotos: oliver Fischer (7)
Dahmeland-Fläming

Der nächste, der rausgewinkt wird, ist ein weißer 40-Tonner. Er ist deutlich zu dicht aufgefahren. Fünf bis zehn Meter Abstand, mehr nicht, meldet der Hubschrauber. Mit diesem Abstand kann man seinen Lkw vielleicht parken. Auf keinen Fall aber darf man ihn so über die Autobahn steuern. Das ist ein Fall für Alexander Kroll.

Kroll, Oberkommissar und Lkw-Experte der Verkehrspolizei, tritt ans Fahrerhaus und spult sein Programm ab: Tür öffnen, Motor aus, Sprache klären. „English, russki, po polsku?“, fragt Kroll. „Po polsku“, knurrt der Lkw-Fahrer. Gut, dann auf polnisch den Führerschein und die Fahrzeugpapiere.

Es ist Donnerstag, 14 Uhr, ein Rastplatz an der Autobahn 13 auf Höhe des Tropical Islands. Schon seit acht Uhr morgens läuft dort eine Sonderaktion der Polizei: Es geht um zu geringe Abstände bei Lkw.

50 Meter Abstand sind Pflicht

Das Thema sei hochaktuell, sagt Polizeisprecher Maik Kettlitz. Täglich zwängen sich die Lkw-Kolonnen über die Brandenburger Autobahnen, der Schwerlastverkehr nimmt immer weiter zu, und die Lkw fahren dicht an dicht. 50 Meter Abstand müssten sie eigentlich halten, das macht aber kaum einer. Dabei ist zu geringer Abstand eine der Hauptunfallursachen, sagt Kettlitz. „Wenn ein Lkw-Fahrer dem anderen zehn Meter auffährt und der Vordermann bremst, dann hat der Hintermann keine Chance“, sagt er. Und da Lkw keine Knautschzone haben, wir die Fahrerkabine für den Fahrer oft zur Todesfalle.

Schon neun Tote beiLkw-Unfällen

Seit Anfang des Jahres registriert die Polizei steigende Unfallzahlen mit Lkw auf den Autobahnen in Brandenburg. 193 Menschen wurden dabei schon verletzt, neun Menschen sind getötet worden. Deshalb hat die Polizei heute große Geschütze aufgefahren, sowohl personell wie technisch.

Das fängt schon mit dem Polizeihubschrauber an. Der schwebt irgendwo über der Autobahn, filmt Lkw, misst die Abstände und funkt alles nach unten. Dort warten schon Motorradstaffeln, die die Verkehrssünder abfangen und auf den Parkplatz leiten, wo sechs Expertenteams der Sonderüberwachungseinheit zur Tat schreiten.

Fahrer müssen das Bußgeld selbst bezahlen

Seit acht Uhr morgens geht das nun schon so, und Alexander Kroll hatte schon einige Fälle. Der letzte war ein serbischer Fahrer, dem Kroll die Abstandsregeln auf russisch erklären musste. Wie ein Häufchen Elend saß der Mann im Wagen, während Kroll die Papiere ausfüllte und die Zahlungsanweisung schrieb. 108 Euro und 50 Cent, zahlbar mit EC-Karte, in bar oder per Überweisungsbeleg. Die Fahrer müssen zumeist selbst dafür aufkommen. „Für einen serbischen Fahrer kann das ein ganzer Wochenlohn sein“, sagt Kroll.

Wo der Mann schon mal da war, wurde auch gleich der Lkw kontrolliert. Er war in Ordnung, auch das ist an diesem Tag nicht immer der Fall. Kroll und seine Kollegen fischen immer wieder Fahrzeuge aus dem Verkehr, die nach deutschen Standards kaum als verkehrssicher eingestuft werden können. Dem einen fehlt ein Stoßdämpfer, der andere ist zu schwer, beim Dritten fliegt die Ladung ungesichert durcheinander. „Gerade bei Fahrern aus Osteuropa kommt das oft vor. Die hören von uns mitunter zum ersten Mal, wie sie ihre Ladung zu sichern haben“, so Kroll.

Spediteure üben hohen Druck aus

Hinzu kommen Verstöße gegen Ruhezeiten. „Auf die Fahrer wird von der Branche ein riesiger Druck ausgeübt“, sagt Alexander Kroll. Das sieht man auch den Fahrern an, die auf dem Rastplatz stehen und auf die Auswertung des Videomaterials warten. „Ich kann mir das nicht leisten, mir rennt die Zeit weg“, sagt einer. Er muss nach Spremberg zu einer Kiesgrube. Die Zeitvorgabe ist schon nicht mehr einzuhalten.

An 32 Lkw werden im Laufe des Tages Verstöße festgestellt, bei vier Fahrzeugen wird die Weiterfahrt untersagt. Das Problem für die Polizei: Solche Kontrollen sind extrem aufwendig. Beamte aus vier verschiedenen Einheiten nehmen an diesem Tag daran teil, einer von nur zwei Polizeihubschraubern muss abgestellt werden. Deshalb gibt es solche Kontrollen aus der Luft, so effizient sie sein mögen, landesweit nur ein paar Mal im Jahr.

Bald Überwachung per Drohne

Einige Kilometer weiter, an der nächsten Autobahnabfahrt, sitzt an diesem Tag aber ein Mann, der das bald ändern könnte: Hauptkommissar Frank Seidlitz. Seidlitz gehört einer Spezialgruppe der Bundespolizei an und testet, ob sich Abstände von Lkw mit einer Drohne nicht ebenso gut messen lassen wie mit einem Hubschrauber.

Dafür lässt er seine Drohne auf 70 Meter Höhe über der Autobahn schweben. Die eingebaute Kamera sendet Bilder auf einen Laptop. Im Grunde ist das Technik für die Hosentasche. Relativ preiswert, relativ einfach zu bedienen. „Aber es funktioniert“, konstatiert Seidlitz. An diesem Tag haben die Bilder, die er aufnimmt, für die Fahrer noch keine Konsequenzen. Das Verfahren muss ohnehin noch richterlich abgesegnet werden. Aber in absehbarer Zeit könnte seine Drohne die Verkehrsüberwachung für die Polizei deutlich vereinfachen, dessen ist sich Frank Seidlitz sicher.

Gummiknüppel unterm Sitz

Am Boden braucht es dann aber immer noch Beamte wie Alexander Kroll. Der kontrolliert seit inzwischen 18 Jahren Lkw, Busse und Landmaschinen auf den Straßen von Dahme-Spreewald, er kennt die Sonderbestimmungen, weiß, welche Nachweise ein Fahrer mit sich führen muss und hat auch einen Blick für den Zustand, die Beladung und die Ausrüstung der Lkw.

Bei dem Polen in seinem weißem 40-Tonner fällt ihm deshalb sofort ein weißes Teil ins Auge, das unter dem Fahrersitz hervorlugt. Kroll angelt es hervor. Es ist ein Gummiknüppel der polnischen Polizei. Der Fahrer hatte ihn griffbereit, das ist ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Auf die 108,50 Euro, die der Mann wegen des zu geringen Abstands zahlen muss, kommen damit noch einmal etwa 500 Euro drauf.

Von Oliver Fischer

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