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Immer mehr Elche kommen und gehen

Region Dahmeland-Fläming Immer mehr Elche kommen und gehen

Nicht zum ersten Mal endete ein Unfall in Brandenburg mit einem Riesenhirsch für das Tier tödlich. Immer wieder werden auch in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald einzelne Elche gesichtet. Bedeuten die gelegentlichen Besuche der beeindruckenden Vierbeiner eine dauerhafte Rückkehr in die Region? Experten zweifeln.

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Bitte recht freundlich! Diese beiden Elche spazierten 2014 in Dolgenbrodt durch den Wald und blieben auch angesichts des Fotografen gelassen.

Quelle: privat

Königs Wusterhausen. Der am vergangenen Dienstag auf der A12 bei Fürstenwalde gefundene tote Elch hat in der Region für viel Aufsehen gesorgt. Das Tier, das offenbar angefahren worden war, soll nach der Bergung durch die Autobahnmeisterei jetzt für das Naturkundemuseum in Potsdam präpariert werden. Dort wird es als Exponat des „ersten Brandenburger Elchs“ eine Ausnahme sein – noch. Denn dieser Elch ist bei Weitem nicht der erste seiner Art, der in Brandenburg gesichtet wurde. Immer wieder wandern die riesigen Hirsche über die tschechische und polnische Grenze nach Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ein.

Die Landesforstanstalt Eberswalde (LFE) hat in den vergangenen vier Jahren rund 20 Meldungen von Elchbeobachtungen bekommen, die in den östlichen Landkreisen Brandenburgs eingegangen sind. Dabei konnten sowohl männliche als auch weibliche Tiere dokumentiert werden. Auch in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming sind über die Jahre immer wieder Elche gesichtet worden: Schon 2007 etwa hielt sich ein Elch mit einem Jungtier in Baruth auf, ein Jahr später wurde dort ein Muttertier mit zwei Kälbern gesichtet. 2014 besuchte ein weiterer Elch die Lieberoser Heide.

Sieben Elchsichtungen allein in diesem und vergangenem Jahr

Im Jahr 2016 gab es im Landkreis Dahme-Spreewald insgesamt vier Sichtungen – bei allen handelte es sich nach Informationen der LFE um eines oder mehrere weibliche Tiere nahe Lübben. 2017 wurden bereits drei Tiere gesichtet. „Mitte März wurde ein weibliches Tier in Lieberose tot gefunden, am 2. Mai ein männliches Tier beim Tropical Islands und am 5. Mai ein weiteres männliches Tier bei Groß Köris dokumentiert“, sagt Kornelia Dobias, Leiterin der Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft im Landesbetrieb Forst Brandenburg. „Mehrfachsichtungen des selben Tieres sind dabei nie ausgeschlossen“, betont sie.

Aufgrund solcher Beobachtungen liegt die Vermutung nahe, dass der Elch, der ursprünglich auch in Deutschland heimisch war, sich hier wieder dauerhaft ansiedelt. Doch Experten halten es für unwahrscheinlich, dass Waldspaziergänger dem Riesenhirsch zukünftig wieder regelmäßiger begegnen. „Bis jetzt sind die Elche nur auf der Wanderung“, sagt Tim Ness, Leiter der Oberförsterei Hammer in Groß Köris. Er geht davon aus, dass es auch bei diesen Wanderungen bleibt. „Andererseits hatten wir auch vom Wolf nicht gedacht, dass er dauerhaft zurückkommen würde“, fügt Ness hinzu.

Tiere benutzen jahrhundertealte Routen

Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Eberswalde glaubt ebenfalls nicht an eine absehbare, konstante Niederlassung der Elche in Brandenburg. „Dafür ist die Population in Polen, von wo aus die Tiere größtenteils nach Deutschland kommen, gar nicht groß genug, und Brandenburg ist für eine Ausbreitung des Elches zu dicht besiedelt“, sagt er.

Elche sind scheu und brauchen viel Ruhe und Platz. Meist sind es junge Tiere, die sich im Zuge des Erwachsenwerdens auf den Weg machen und die Welt erkunden wollen. „Dafür nutzen die Elche uralte Wege, über die auch Wölfe und Rotwild wandern“, erklärt Jan Engel. „Diese sogenannten Fernwechsel sind jahrhundertealte Routen, auf denen die Tiere unterwegs sind – und daran ändert sich auch nichts, wenn diese Wege mittlerweile von Straßen gekreuzt werden, die früher nicht dort verliefen.“ Auch durch Gewässer wie die Oder zu schwimmen, sei für einen Elch kein Problem. Trotzdem, so Engel, werde es wohl bei Einzelsichtungen bleiben. „In Zukunft wird es aber möglicherweise öfter Unfälle mit Elchen geben“, sagt der Experte.

Elche sind große Gefahr für den Straßenverkehr

Der zunehmende Verkehr stelle sowohl für die Elche als auch für die Autofahrer eine konkrete Gefahr dar, sagt Engel. Brandenburg sei generell ein sehr wildreiches Bundesland, in dem es häufig zu Unfällen durch Wildwechsel komme. „Als Autofahrer auf einer deutschen Autobahn rechnet man allerdings einfach nicht damit, dort auf einen Elch zu treffen“, so Engel.

Wer auf Waldstraßen in Schweden bereits Bekanntschaft mit einem Elch gemacht habe, der wisse, dass das Tier dazu tendiere, auf der Straße stehen zu bleiben und dort zu verharren, sagt der Experte. Ein 500 Kilo schweres Exemplar könne dementsprechend große Schäden verursachen, die schlimmstenfalls tödlich enden. „Schützen kann man sich nur, indem man in einer angepassten Geschwindigkeit fährt und den Blick auch immer wieder von der Fahrbahn nach links und rechts richtet“, sagt Engel. Verkehrsunfälle mit Elchen hatte es unter anderem 2012 auf der A10 bei Lieberose gegeben, wobei ein Tier starb. Auch Ende 2016 kam es zu einem Unfall am östlichen Berliner Ring bei Erkner; dort wurde eine Elchkuh angefahren.

Vor einer Woche hat das LFE auf seiner Homepage unter „forst.brandenburg.de“ ein Online-Formular installiert, über das Elchsichtungen gemeldet werden können. So bekommt man ein Bild davon, wo sich die Tiere aufhalten. „Wir sind immer dankbar für neue Informationen“, sagt Jan Engel. Er selbst hat schon mehrmals Elche gesehen. „Es sind faszinierende Lebewesen“, sagt er. Auch Tim Ness findet die imposanten Vierbeiner interessant. Er warnt aber auch vor ihnen: „Sollte sich der Elch wider Erwarten doch hier ansiedeln, bedeutet er im Straßenverkehr ein Riesenproblem – so hohe Zäune kann man gar nicht bauen, als dass ein Elch sie nicht überwinden könnte.“

Von Christina Koormann

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