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In Echtzeit bei Schülern in Afrika

Politisches Abendessen In Echtzeit bei Schülern in Afrika

Erbin Dikongue leitet bei der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie das Projekt „Chat der Welten“. Es will Schüler für die Lebenssituationen von Flüchtlingen sensibilisieren, indem sie mit Altersgenossen aus Ländern im Süden der Welt in Kontakt treten. Über das Projekt sprach er mit der Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock.

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Erbin Dikongue und Annalena Baerbock beim politischen Abendessen im E-Werk.
















Quelle: Stephan Laude

Zossen. Annalena Baerbock erklärte sicherheitshalber erst mal, was das ist: Chatten. Denn Chatten, die Echtzeit-Kommunikation im Internet, ist zwar bei jungen Leuten ein verbreitetes Hobby, aber die bildeten eine sehr kleine Minderheit beim politischen Abendessen der grünen Bundestagsabgeordneten am Dienstagabend im E-Werk Zossen.

Thema des Abends war das Flüchtlingsproblem. An der Seite Baerbocks saß Erbin Dikongue von der brandenburgischen Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA). Der Deutschlehrer war 2011 aus politisch-beruflichen Gründen aus Kamerun nach Deutschland geflüchtet. Wobei, wie er betonte, sein Fluchtweg nicht vergleichbar war mit lebensgefährlichen Wegen, die heute etwa die Flüchtlinge aus Syrien nehmen. Er musste sich nur in ein Flugzeug setzen. Nach einem Jahr eröffnete sich eine Bleibeperspektive in Deutschland, nicht zuletzt wegen seiner Sprachkenntnisse.

Projekt lief schon an mehr als 25 Schulen

Erbin Dikongue leitet bei der RAA Brandenburg das Projekt „Chat der Welten“. Es will Schüler für die Lebenssituationen von Flüchtlingen sensibilisieren, indem sie online mit Altersgenossen aus Ländern im Süden der Welt in Kontakt treten. Dabei muss es nicht nur um Flüchtlinge gehen, auch andere Themen sind möglich, zudem Chats mit Politikern.

An mehr als 25 Schulen in Brandenburg hat Erbe Dikongue das Projekt schon betreut, dabei hat er etwa 600 Schüler erreicht. Wenn eine Schule Interesse zeigt, sucht Dikongue Chatpartner im Ausland. Drei Schulklassen hat er schon gefunden, in Kamerun und in Uganda. Die Suche ist nicht leicht. In armen Ländern mangelt es oft an den technischen Voraussetzungen wie Computern und einem zuverlässigen Stromnetz. Zudem müssen die Zeitunterschiede berücksichtigt werden. Gechattet werden könne auf Englisch, Deutsch, Französisch oder Spanisch, ein Chat dauere 30 Minuten. Die Schüler seien mit Interesse und Spaß dabei, aber viele Schulen würden das kostenfreie Programm noch nicht kennen, so Dikongue. Annalena Baerbock sagte, Flucht sei für viele junge Leute etwas Abstraktes, wenn sie von Gleichaltrigen davon erfahren, könnten sie sich die Situation besser vorstellen.

Positiver Eindruck von Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf

Gründe, die Heimat zu verlassen, sind nicht nur Kriege oder die schwierige wirtschaftliche Lage. Immer mehr treibt das Klima mit Dürre und Überschwemmungen Menschen in die Flucht. Bis 2040 könnten einer Studie zufolge 200 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen werden.

Annalena Baerbock hatte vor der Veranstaltung die Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf besucht. Sie habe einen sehr positiven Eindruck gewonnen, sagte sie. Ausdrücklich lobte die Grünen-Politikerin das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger. Co-Organisator des politischen Abends war das Netzwerk für Demokratie und Menschlichkeit. Dessen nächste Veranstaltung ist für den 18. Mai in Waldstadt geplant, und zwar mit Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke). Das Thema heißt: „Was kosten und was bringen uns die Flüchtlinge?“

Info: Schulen, die am „Chat der Welten“ interessiert sind, wenden sich an e.dikongue@raa-brandenburg.de

Von Stephan Laude

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