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„In Syrien ist es einfacher, ein Moslem zu sein“

Religion in der Region: Islam „In Syrien ist es einfacher, ein Moslem zu sein“

Der 23-jährige Sadam Alhasan kam etwa vor eineinhalb Jahren aus Syrien nach Deutschland. Heute lebt er in Ludwigsfelde. In der MAZ berichtet er von seinem Leben als Muslim in Deutschland. Das ist manchmal gar nicht so leicht.

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Imam Kamal Mohamad Abdallah beim Beten.

Quelle: Melanie Höhn

Ludwigsfelde. Seit Sadam Alhasan Ende 2014 aus Syrien nach Deutschland floh, hatte der gläubige Muslim keine Chance mehr, eine Moschee zu besuchen. In seiner Heimatstadt Manbidsch, das antike Hierapolis Bambyke in der Nähe von Aleppo, praktizierte er seinen Glauben regelmäßig in der Öffentlichkeit. Trotzdem lässt er das Beten in Deutschland keinen Tag aus – seitdem er 13 Jahre alt ist, faltet er seine Hände fünf Mal am Tag und spricht zu Allah. Auch auf seiner Flucht von Syrien nach Deutschland, als er auf einem mit 400 Personen beladenen Schiff Richtung Türkei saß, betete er morgens, mittags, nachmittags, abends und nachts. Nur in den letzten vier Tagen, erzählt er, ging ihm die Kraft aus.

Der junge Syrer kann sich fließend auf Deutsch verständigen, obwohl er erst vor acht Monaten mit dem Erlernen der Sprache begann. Er ist eifrig und ehrgeizig, und er hat viele Ziele. „Es ist wichtig, dass man Deutsch sprechen kann für die Integration“, sagt er. Jeden Tag fährt er mit dem Zug von Ludwigsfelde zum Potsdamer Platz in Berlin und besucht am Institut für Sprachvermittlung einen Deutschkurs für das Level B2. Bald will er dafür seine Prüfung ablegen. „Wenn ich zum Freitagsgebet in eine der Moscheen in Berlin gehen würde, könnte ich meine Kurse nicht mehr besuchen und würde von der Schule fliegen. Dann würde me

Sadam Alhasan möchte Politikwissenschaften studieren

Sadam Alhasan wird inzwischen von der Otto-Benecke-Stiftung gefördert, er bekommt Geld für seine Wohnung, den Deutschkurs und Hilfe bei der Universitätsbewerbung, die er einreichen will, sobald sein Deutsch gut genug für die akademischen Seminare ist. „Am liebsten möchte ich Politikwissenschaft studieren“, sagt er. „Ich hatte Glück mit meinen Papieren, die Mutter eines jungen Mannes, dem ich hier in Deutschland half, schickte mir die Dokumente aus Syrien.“

Hintergrund


Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Weltreligion. Er ist monotheistisch. Der Islam wurde im frühen siebten Jahrhundert in Arabien durch den Propheten Mohammed gestiftet. Weltweit gibt es 1,6 Milliarden Anhänger.

Innerhalb des Islam gibt es verschiedene Gruppierungen. Die größte (sie soll rund 85 Prozent der Gläubigen ausmachen) stellen die Sunniten. Eine weitere wichtige Strömung sind die Schiiten.

Nach einer Studie des Bundesamts für Migration leben in Deutschland zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime. Sie machen etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Sadam Alhasan kommt aus einer traditionell sunnitischen Familie und zählt damit zur Mehrheit der Muslime in Syrien. Auch weltweit gehören etwa 90 Prozent der Muslime dieser Glaubensrichtung an. Doch die Schiiten haben sehr viel Macht in Syrien, erzählt er: „Teilweise bekommen die Schiiten, die weniger Berufserfahrung als Sunniten haben, trotzdem den Job.“ Der 23-Jährige ist der jüngste in seiner Familie und ergriff zusammen mit einem Neffen die Flucht. An der Universität in Aleppo war er schon ein halbes Jahr für Jura eingeschrieben, als der Krieg ausbrach. „Es gibt kein Lernen, kein Studium mit dem Krieg“, sagt er.

Der Kontakt zur Familie in Syrien ist spärlich

Sadam Alhasan floh zunächst in den Libanon, wo auch schon sein Bruder wohnte. Dort verdiente er sein Geld mit Teppichreparaturen und lebte von 500 Dollar im Monat. Doch er wollte weg von dort und ging wieder zurück nach Syrien, wo alles inzwischen unerträglich für ihn war. „Ich konnte mich an das Leben in Aleppo nicht mehr gewöhnen“, erzählt er. Am 7. Dezember 2014 trat er dann die Flucht an und kam 18 Tage später in München an. Er verbrachte drei Tage in der Türkei, war zehn Tage lang auf einem Schiff, das in Sizilien anlegte. Von dort ging es über Rom, Mailand und Verona in die bayerische Landeshauptstadt, kurz darauf fuhr er nach Eisenhüttenstadt.

Seine elf Geschwister, Eltern, Onkel und Tanten leben noch immer in Syrien, der Kontakt ist spärlich. Der letzte Telefonanruf war vor dr

Seit drei Monaten hat Alhasan eine eigene Wohnung

Anfangs wohnte Sadam Alhasan im Flüchtlingsheim in Ludwigsfelde, vor drei Monaten bekam er dann seine eigene Wohnung. Hier betet er auf einem grünen Ikea-Teppich, der vor seinem Schreibtisch ausgerollt ist. Auch der Koran, in dem er oft liest, steht auf dem Regal. „Ich halte die Regeln des Islam ein: Ich trinke keinen Alkohol, rauche nicht und das Beten ist mir heilig“, erklärt Sadam Alhasan. Sein Glaube ist fest in seinem Herzen verankert, wie er sagt. „Wenn ich kein Muslim bin, kann ich nicht lieben. Ich sage nicht nur, dass ich ein Moslem bin, ich fühle das auch. Der Islam hat mein Leben positiv beeinflusst.“

Familie ist Sadam Alhasan heilig, in zwei oder drei Jahren möchte er selbst eine gründen. Er bezeichnet sich selbst als relativ offen, kann sich auch vorstellen, eine Nicht-Muslimin zu heiraten. „Ich möchte nur, dass sie mir treu ist“, sagt er. „Familie ist die Basis der Gesellschaft, ohne Familie entwickelt sich nichts.“ Zusammenleben würde er mit einer Frau erst nach der Heirat, wie es in der islamischen Ehe üblich ist. Kritisch findet er, dass manche Muslime ihren Glauben ablegen, wenn sie nach Deutschland kommen: „Sie fangen an, Alkohol zu trinken oder zu rauchen. Das finde ich schade.“

Alhasan: „Manche akzeptieren unseren Glauben nicht“

Sadam Alhasan versucht, so gut es geht nach den Regeln des Islam zu leben. Auch den Fastenmonat Ramadan verbrachte er im vergangenen Jahr im Ludwigsfelder Flüchtlingsheim. „Natürlich war der Ramadan mit meiner eigenen Familie einfacher“, sagt er. In dies

Gerne redet er nicht über Religion, seitdem er in Deutschland ist: „Manche akzeptieren unseren Glauben nicht. In Syrien ist es einfacher, ein Moslem zu sein“, sagt er. Er erinnert sich an eine Situation in einem Park, als er Zeitung las und eine Frau ihn fragte, warum Frauen und Männer eigentlich nicht gleich behandelt werden im Islam.

Islam grenzt sich von der Terrormiliz IS ab

„Ich musste ihr sagen, dass wir in Syrien Frauen akzeptieren, sie hat Freiheiten, kann lernen, studieren und darf den heiraten, den sie möchte. Sie wird respektvoll behandelt.“ Für andere Länder wie Saudi-Arabien kann er nicht sprechen, sagt er. Wichtig findet er in jedem Fall, dass sich der Islam ganz klar von der Terrormiliz IS abgrenzt: „Frauen haben in deren Weltbild keine Rechte und müssen sich komplett vermummen. Das lehnt der Islam ab.“

Von Melanie Höhn

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