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In der Kirche von Höfgen klingt es exotisch

Höfgen In der Kirche von Höfgen klingt es exotisch

In der Kirche des winzigen Dorfes Höfgen gibt es ein exotisches Instrument, eine Druckwindharmonium. Nie gehört? So geht es den meisten. Kreiskantor Peter-Michael Seifried gab am Freitag eine musikalische Hörprobe. Zwei Experten aus Eberswalde hatten das Instrument gerade in mühevoller Arbeit restauriert.

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Goldene Hände für Holz, Metall, Leder und Filz: Andreas Mähnert (l.) und Andreas Müller aus der Orgelbauwerkstatt in Eberswalde

Quelle: Angela Raendel

Höfgen. Ein schriftloses Holzschild im Nachbardorf zeigt nach Nirgendwo. Dort ungefähr liegt Höfgen, ein Versteck aus Backstein und üppiger Vegetation. Etwas Lauteres als Frösche hören die 21 Einwohner selten. So gleicht es fast einem Kulturschock, was das Dorf-Däumelinchen am vergangenen Freitag ereilt. Besucherscharen füllen die Kirche, um einer Wiedererweckung gewahr zu werden. Aus dem Dornröschenschlaf fiel etwas mit dem knautschigen Namen Druckwindharmonium, Marke Trayser, Baujahr 1870.

Bis vor geraumer Zeit kannte selbst Kantor Peter-Michael Seifried das historische Dingsda nicht so genau. Er fragt seine Gäste, was sie damit assoziieren. Hmm. Harmonie? Beerdigungen? „Völlig korrekt!“, ruft der Retter der Kirchen, „das Harmonium diente als Tröster den Hinterbliebenen.“ Zur Trauerfeier trat der Pfarrer salbungsvoll in die Pedale, um eine weihevolle Aura zu erzeugen. Es erklangen Choräle, in denen alle Noten unendlich langsam waren. „Man hat die Lieder früher gekaut.“

Welch schräge Performance läuft hier?

Wie Kaugummi zieht sich bei Seifried nichts. „Wir wollen uns so richtig ins Unglück stürzen!“, frohlockt der Maestro. Und stürzt selbst die Empore hoch und herab wie ein Athlet im Training. Sein Wunschkonzert garniert er mit dem Grimmigsten der Gebrüder Grimm. Märchen von Menschen in höchster Not, und am Ende sind alle tot.

Entgleiste Gesichter. Welch schräge Performance läuft hier? Doch nach kurzer Zeit ist das Publikum auf schwarzen Humor getrimmt und bekommt musikalisch mehr als nur Zuckerguss für Verzweifelte. „Jedes Instrument ist ein neues Baby“, wissen die Orgelbauer Andreas Mähnert und Andreas Müller, die den sperrigen Apparat in Eberswalde mühevoll restauriert haben. Ihr Beruf ist selten geworden: „Wir arbeiten mit schweren und winzigen Teilen. Da braucht man Kraft, Feinmotorik und Engelsgeduld. Das Orgelspiel müssen wir nicht beherrschen, für den Klang sorgt ein Intonateur. Unsere Kenntnisse umfassen Tischlerei, Elektronik, Kunstgeschichte und Architektur.“ Den Besuchern präsentieren sie die Corpora Delicti, die das Harmonium verstummen ließen: zerbrochene Metallstäbe und mottenzerfressener Filz.

Lieselotte Niendorf hatte jahrzehntelang auf den Trayser gewartet

Als das gesunde „Baby“ nach Höfgen zurückkehrte, es wiegt eine Vierteltonne, wurde es in Millimeterarbeit über die Empore bugsiert. „Der Moment war erhebend, als das Instrument schwebend in der Kirche hing“, erinnert sich Pfarrerin Susanne Hennrich.

Nach dem Konzert geleitete sie eine 95-jährige Dame aus Höfgen ins Freie. Lieselotte Niendorf hatte jahrzehntelang auf den Tag des Traysers gewartet.

Von Angela Rändel

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