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Infrarot und Fußbodenheizung für Erdmännchen

Winter in den regionalen Tierparks Infrarot und Fußbodenheizung für Erdmännchen

Die Polarwölfe im Wildpark Johannismühle sind von Natur aus winterfest, anderen Tieren macht die kalte Jahreszeit zu schaffen. Wie stellen sich Mensch und Tier auf die Temperaturen ein? Die MAZ hat in einigen Tierparks in Brandenburg nachgefragt.

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Winter-Blues: Braunbärin Katja ist wegen der bevorstehenden Winterruhe träge und antriebslos.

Dahmeland-Fläming. Träge hängt Braunbärin Katja halb liegend, halb sitzend auf einem umgekippten Traktorreifen. Sie starrt benommen durch die Gegend, blinzelt und legt dann ihren großen Kopf auf die Tatzen. Sägespäne an Kopf und Schnauze verraten, dass das Tier schon einmal probehalber in seiner Winterhöhle gelegen hat. „Normalerweise ist Katja eine sehr unruhige Bärin“, berichtet Julian Dorsch, Geschäftsführer des Wildparks Johannismühle in Baruth. „Zu einer anderen Jahreszeit würde sie herumspringen.“ Katja, ein Relikt aus dem ehemaligen Staatszirkus der DDR, ist eine Bärin, die im Wildpark ein neues Zuhause fand. Nun wirkt sie, als ob sie den Winter-Blues hätte.

Wenn der Winter vor der Tür steht, verändert sich der Lebensrhythmus der Tiere – in freier Wildbahn sowie in Tierparks und Zoos. Auch in Dahmeland-Fläming werden diese Orte für die kalte Jahreszeit vorbereitet, damit die Tiere Frost, Kälte und Dunkelheit gut überstehen. Im Wildpark Johannismühle gehören zwar fast alle der etwa 400 Tiere zu heimischen Arten. Trotzdem muss auch für sie einiges unternommen werden, damit sie gut durch den Winter kommen.

Polarwölfe im Wildpark Johannismühle am 1Dezember 2017

Polarwölfe im Wildpark Johannismühle am 1.Dezember 2017

Quelle: Christina Koormann

„Im Winter wächst kein Gras, deshalb füttern wir dem Wild mehr Heu zu als sonst“, sagt Julian Dorsch. „Ihr natürliches Nahrungsgebiet ist im Winter abgegrast und wächst erst im Frühjahr wieder nach.“ Wenn es richtig kalt werde, müssten die Futterstellen zwei- statt einmal am Tag gefüllt werden. „Mit jeder kalten Nacht ist der Futterumsatz der Tiere höher“, erläutert Dorsch. Die Fische im Teich werden jetzt gar nicht mehr gefüttert, weil sie nun auch nicht mehr so viel aufnehmen können wie sonst. „Würden wir normal weiterfüttern, bekämen sie Verdauungsprobleme“, sagt Dorsch.

Der Winter ist eine gute Beobachtungszeit

Aber nicht nur die Tiere müssen versorgt, sondern auch die Anlagen im Winter instand gehalten werden. Der Wildpark versorgt sich nahezu komplett selbst. „Nach dem Gebrauch müssen wir die Wasserleitungen abstellen, manchmal auch ganz abschalten“, erläutert der Geschäftsführer. Das Wasser werde im Winter immer wieder mit Transportfahrzeugen gebracht, um Frostschäden an den Leitungen zu vermeiden. Auch die Wanderwege sollen eis- und rutschfrei bleiben. „Heute sind vier Tonnen Streugut angeliefert worden“, sagt Dorsch. Im Wildpark wird dafür Kies statt Streusalz verwendet – das ist als Auftaumittel hier nicht gewünscht. Für den Traktor gibt es außerdem ein neues Schiebeschild zum Freiräumen der Wege.

„Wir haben immer viel zu tun, aber im Winter werden die Bedingungen aufwendiger“, sagt Dorsch. Das liege vor allem an den eisigen Temperaturen. „Wenn es im Hochsommer 35 Grad warm ist, kann das die Arbeit aber ebenso erschweren.“ Aktuell müssen Laub und Äste an den Hauptwegen und zusätzlich noch immer bestehende Sturmschäden nach „Xavier“ beseitigt werden.

Julian Dorsch, Geschäftsführer des Wildparks Johannismühle in Baruth

Julian Dorsch, Geschäftsführer des Wildparks Johannismühle in Baruth

Quelle: Christina Koormann

Trotz alledem ist der Wildpark zwischen November und Februar täglich von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet. „Besuchertechnisch ist der Winter für uns eine schwierigere Zeit“, sagt Julian Dorsch. „Wir sind eine privat geführte Einrichtung, und die steht und fällt mit den Eintrittsgeldern.“ Dabei könne man gerade im Winter einige Tiere viel besser beobachten als etwa im Frühjahr, wenn sich viele Arten mit ihren Jungtieren zurückziehen.

Kuschelige Höhlen für die Winterruhe

Anders als die Braunbären: Die vier Artgenossen wurden schon seit dem Spätherbst mit fettreicher Nahrung versorgt, damit sie sich rechtzeitig Winterspeck anfressen konnten. „Würde man ihnen jetzt zehn Kilo Fleisch hinwerfen, würden sie maximal ein halbes Kilo schaffen“, sagt Dorsch. Bei den Bären merke man besonders deutlich, wie sie im Winter immer träger würden. „Sie fahren ihren Stoffwechsel komplett runter, werden lethargisch und geistern koordinationslos durch die Gegend.“ Für ihre Winterruhe bauen sich die Tiere wie in der Natur eine Höhle. „Die Höhlen sehen so gemütlich aus, da möchte man sich am liebsten selbst reinlegen“, sagt Dorsch. Aus Ästen, Laub, Gräsern und Moos entsteht der kuschelige Ruheplatz – und in diesem Jahr hat sich Katja zum ersten Mal selbst eine gebaut. Jetzt muss sich die Bärendame nur wieder hineinlegen.

Weitaus munterer sind die Polarwölfe. „Die haben an der Kälte den größten Spaß“, sagt Dorsch. Die Raubtiere laufen aufgeweckt auf ihrem Gelände herum. „Im Winter sind Wölfe viel aktiver als im Hochsommer – da macht ihnen die Hitze zu schaffen“, erzählt Dorsch. Dass gerade den Polarwölfen die Kälte nichts anhaben kann, ist nicht verwunderlich – kommen sie doch ursprünglich aus der Arktis.

Freuen sich über kalte Temperaturen

Freuen sich über kalte Temperaturen: Die Polarwölfe im Wildpark Johannismühle.

Quelle: Christina Koormann

Auch der Tierpark Luckenwalde bleibt im Winter täglich von sieben bis 16 Uhr geöffnet. Dort leben ebenfalls viele Tiere, die von Natur aus winterfest sind. Sogar die Japan-Makaken können mit Kälte und Schnee etwas anfangen – die Primaten kommen aus dem nördlichsten Primaten-Verbreitungsgebiet der Erde. „Bei den Papageien steht ein Ofen und sie haben eine Heizung“, sagt Chef Michael Geißler. Nachts werden die exotischen Vögel in ihrer Voliere eingeschlossen. Für die Erdmännchen gibt es eine Fußbodenheizung und Infrarotlicht, damit sie nicht frieren.

Erdmännchen in Luckenwalde haben Fußbodenheizung und Wärmelampe

Erdmännchen in Luckenwalde haben Fußbodenheizung und Wärmelampe

Quelle: Margrit Hahn

Im Winterquartier des Tier-Erlebnisparks Waltersdorf, in dem die Tiere des „Circus Berolina“ überwintern, halten sich die Vierbeiner in den gleichen Stallungen auf wie im Sommer. „Der sibirische Tiger kommt gut mit der Kälte zurecht“, sagt Tierpflegerin Adela Spindler. Anders als die Elefanten, die Giraffen und das Nashorn. „Die bekommen alle Extra-Wärme“, sagt Spindler. Trotzdem können die Tiere an die frische Luft gehen, wenn es nicht friert und die Sonne scheint. „Da können sie selbst entscheiden, ob sie raus wollen oder nicht.“

Von Christina Koormann

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