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MAZ-Serie: „In der neuen Heimat“ Innere Sicherheit

Im Flüchtlingsheim am Birkengrund, wo die Yassins seit mehr als vier Monaten leben, gibt es einen Polizeieinsatz. Nach einer Messerstecherei im Gensehagener Flüchtlingsheim wurde der Täter gesucht. „Ich hatte große Angst“, sagt Rabiha. Zu Sicherheitsbehörden hat sie ein spezielles Verhältnis.

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Mohammed Yassin und seine Frau Rabiha.

Quelle: Oliver Fischer

Ludwigsfelde. Am Sonnabend kreisten Hubschrauber über dem Heim am Birkengrund. Streifenwagen rollten aufs Gelände. Die Polizisten stiegen aus, sprachen mit Bewohnern. Es bildeten sich Grüppchen.

Streit unter wütenden Tschetschenen beobachtet

Schon eine Woche zuvor war die Polizei dagewesen. Der Sicherheitsdienst hatte sie gerufen, weil mehrere Tschetschenen aneinander geraten waren. Aus dem Fenster hatte Rabiha Yassin wütende Männer beobachtet, die auch den Polizisten gegenüber laut wurden. Worum es ging, wusste sie nicht, sie versteht kein Russisch. Aber die Situation beruhigte sich bald, alle gingen auf ihre Zimmer, die Polizisten verschwanden.

Diesmal aber fühlte es sich anders an. Rabiha saß mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf einer Bank vor ihrem Haus und beobachtete das Treiben. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis sie erfuhr, was die Polizisten wollten. Sie suchten einen Tschetschenen. Der war im Heim in Genshagen ausgerastet und hatte mit einem Messer sechs Leute verletzt. Die Geschichte ging herum wie ein Lauffeuer. Man erzählte, dass der Mann seine Frau verprügelt hatte. Als einige Syrer die Frau beschützen wollten, sei er auf die Syrer losgegangen. Danach sei er verschwunden, samt Messer. Vielleicht war er hier? Im Birkengrund? Rabiha bekam Angst. Es dauerte einige Stunden, bis der Mann gefasst wurde.

Spannung liegt in der Luft

Normalerweise fühlt sie sich im Heim sicher, sagt Rabiha. Vorn, beim Haupteingang, sitzt ja immer Security. Es gibt eine Heimleitung und eine Sozialarbeiterin. Man habe bei Problemen immer einen Ansprechpartner, sagt Rabiha. Aber andererseits liegt auch immer Spannung in der Luft.

Im Birkengrund leben viele Syrer, sie sind wie eine große Familie. Es leben aber auch viele Tschetschenen und Afghanen dort. Die sind wohl auch wie eine große Familie, Rabiha weiß es nicht, sie hat wenig mit ihnen zu tun. Das Verhältnis zu den tschetschenischen Nachbarn ist kühl, das zu den Afghanen noch kühler. Auf ihrer Flucht habe sie viele Afghanen erlebt, erzählt Rabiha. Alle hätten für die Schleusermafia gearbeitet. Syrer und Afghanen – das passt nicht.

Gutes Verhältnis der Flüchtlinge zur Polizei

Da ist das Verhältnis zur Polizei besser – und das will etwas heißen. Denn dort, wo die Yassins herkommen, steht niemand gut mit der Polizei. Die Polizei in Syrien, das sei eine eigene Klasse gewesen. „Sie konnten dich anhalten, dich mitnehmen, dich beschimpfen, dich schlagen, es gab nichts, was man dagegen hätte machen können.“

Kurz vor ihrer Flucht haben die Polizisten auch ihren Mann Mohammed verhaftet. Er ist Sunnit, er wurde in jenem Viertel geboren, in dem die Anti-Assad-Demonstrationen begannen. Das reichte als Begründung. Die Polizisten brachten Mohammed auf die Wache, sie beschimpften ihn, er kam nur frei, weil die Familie Beziehungen hatte. „Das war der schrecklichste Tag in meinem Leben“, sagt Rabiha.

Beamte sind korrekt – sie schlagen nicht

Deshalb hatte sie anfangs auch etwas Angst vor der deutschen Polizei. Aber heute findet sie, die Beamten seien sehr korrekt. Sie reden. Sie schlichten. Sie hören zu. Sie beschimpfen nicht. Sie schlagen auch nicht.

Gewöhnungsbedürftig sei das nur, wenn sie an den messerstechenden Tschetschenen denkt. „Ich hoffe, der bekommt seine Strafe“, sagt Rabiha. „Manchmal habe ich das Gefühl, hier wird überhaupt niemand verhaftet.“

Info: Die Yassins sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und leben jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen: www.maz-online.de/Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Oliver Fischer

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