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Inspieriert vom Wackel-Darth-Vader

Ludwigsfelde Inspieriert vom Wackel-Darth-Vader

„Wesen, Wesenheiten, Fetische“: Das war das Thema in dieser Woche beim Treff des Kunstvereins Ludwigsfelde. Jeder darf gerne etwas mitbringen – und seien es Gedanken. Dabei prallen oft Welten aufeinander, zum Beispiel die Relativitätstheorie und eine Star-Wars-Figur von der dunklen Seite der Macht, die immerzu mit dem Kopf wackelt. Dahinter verbirgt sich ein logisches Konstrukt.

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Künstler bei der Arbeit: Bei den monatlichen Treffen des Kunstvereins Ludwigsfelde sind Gäste immer herzlich willkommen.

Quelle: Michaela Grimm

Ludwigsfelde. Es müssen nicht immer Farben sein, Holzklötze oder Klumpen aus Stein. Denn künstlerisch arbeiten lässt sich auch und zuallererst mit Gedanken. So wie in dieser Woche beim Kunsttreff des Kunstvereins Ludwigsfelde. Um „Wesen, Wesenheiten und Fetische“ drehte sich diesmal der kreative Austausch, zu dem zehn Künstler ins Waldhaus gekommen waren. Mit im Gepäck: Bildbände, Notizen, Fragen, Ideen – und skurrile Figuren.

Inspierendes Mitbringsel

Inspierendes Mitbringsel

Quelle: Michaela Grimm

„Ich habe das Wort Wesenheiten nachgeschlagen“, sagt der niederländische Bildhauer Wouter Spruit zur Eröffnung der Diskussionsrunde. Dass Wesenheiten etwas zeigen, was nicht sichtbar ist, kommt ihm gut bekannt vor und führt ihn zu der Frage: „Warum mache ich Kunst? Ich will etwas machen, das mehr ist als stofflich.“ Über den Begriff der Wesenheiten ist auch Aquarellist Jochen Petzold gestolpert. „Als ehemaliger Techniker habe ich das Bedürfnis nach exakten Definitionen“, sagt der Maler und verliest eine Begriffsbezeichnung, die er im Internet gefunden hat. Negative Wesenheiten, heißt es da, sind feinstoffliche Körper oder Geister, die nach dem Tod weiterexistieren. Ähnlich wird der Aufbau des Universums erklärt, sagt Maler Petzold mit ironischem Unterton.

Diskussion über Fetische

Und so kreisen die Gedanken weiter in der Runde: Sind nicht Fetische Dinge, die mehr beinhalten als man sieht? Denen man mehr Wert, mehr Macht oder Kraft beimisst – genau wie Totems, Talismanen, Relikten und Fabelwesen. Verkörpern sie alle nicht Wünsche, Sehnsüchte und Ängste, die eigentlich im Verborgenen liegen? Und macht nicht genau das auch die Kunst? Reihum erzählen die Bildhauer und Maler, was sie zum vorgegebenen Thema herausgefunden haben und was ihnen dazu einfällt. Zum Beispiel Schauermärchen von Monstern, die im Mohnfeld wohnen oder im Mais.

Sam C. Ahrens: Thematische Gliederung eröffnet neue Dimensionen

Die regelmäßigen Treffen des Kunstvereins thematisch zu gliedern, eröffnet neue Dimensionen, sagt der Vorsitzende Sam C. Ahrens. So stoße man auf Musik, Kunstwerke, Theorien und Geschichten, denen man sonst sicher nicht begegnet wäre im Leben. „Eine lustmachende Struktur ist besser als ein ängstliches Wabern im Raum“, sagt Ahrens sichtlich begeistert. Als die Zusammenkünfte noch keine konkreten Themen hatten, ging es oft um Farbnuancen oder Details in eigenen Werken. Doch heute kommen Künstler-Dialoge wie dieser zweier männlicher Kollegen zustande:

Zu jedem Themenabend entstehen Schaubilder mit Gedanken

Zu jedem Themenabend entstehen Schaubilder mit Gedanken.

Quelle: Michaela Grimm

„Meinen Geschmack, also was ich schön finde, habe ich zeitlebens beibehalten.“

„Der ist also heute noch so wie früher?“

„Im Wesentlichen ja. Es gibt ja Streubreiten.“

„Isst du Schokolade?“

„Ja.“

„Welche Sorte?“

„Bitter.“

„Und vor 20 Jahren?“

„Hatten wir keine Schokolade.“ Das ist einer von vielen Momenten, wo herzlich gelacht wird. Und nachgelegt: Womöglich hätte eine faszinierende Dada-Künstlerin nämlich den Geschmack des Mannes ändern können – und dann wäre der Senior heute nur noch auf Schreikonzerten unterwegs, sinnieren die einfallsreichen Sitznachbarn.

Künstler sind die letzten Narren

Mit ihren Fundstücken und den sich ergebenden Gedankenspielen geht die Truppe sehr humorvoll um. Bestenfalls, sagt Sam C. Ahrens, werden ihre Werke davon inspiriert. Sich mit solchen Themenkomplexen und den philosophischen Dimensionen auseinanderzusetzen, hält er für die Pflicht seiner Zunft. „Wir Künstler sind da die letzten Narren“, sagt er.

Der Abend im Waldhaus war die dritte Veranstaltung unter dem diesjährigen Jahresmotto „Unterwelt und Verborgenes“. Beim vorherigen Mal diskutierten die Vereinsmitgliedern mit Gästen über Verborgenes, Tabus und dunkle Wesen in Religion und Mythen. Beim nächsten Treff am 9. Mai stehen Orte, Räume, Zeichen und Naturstätten im Mittelpunkt. Interessierte sind wie auch neue Künstler, etwa aus der Fotografie, eingeladen. Nächster Höhepunkt sind die Ausstellung zum Jahresthema und das 19-jährige Bestehen des Kunstvereins, das am ersten Juni-Wochenende gefeiert wird.

Von Michaela Grimm

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