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Teltow-Fläming Wild auf Konfrontationskurs
Lokales Teltow-Fläming Wild auf Konfrontationskurs
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18:16 08.03.2018
Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung kreuzt Wild häufig Straßen, Unfälle passieren in diesen Stunden am häufigsten. Quelle: fotolia
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Der 52-jährige Jörg Gruhl aus Blankenfelde-Mahlow ist seit 2006 Jäger. Er gehört zum Hegering Jühnsdorfer Heide.

MAZ: Herr Gruhl, wir befinden uns in der dunklen Jahreszeit. Wie kann verhindert werden, dass Wildtiere mit Autos kollidieren?Jörg Gruhl: Es wird schon viel versucht, das Wild davon abzuhalten, überhaupt auf die Straßen zu rennen. Blaue Reflektoren an den Straßenbegrenzungsbaken sind zurzeit groß in Mode. Sie sollen das Wild abschrecken. Wie gut das ist, muss man erst noch sehen. Was auf jeden Fall nicht funktioniert sind CDs, die an Bäumen hängen. Daran gewöhnen sich die Tiere. So wie sie sich auch ansScheinwerferlicht der Autos gewöhnen.

Was kann man als Autofahrer tun, um sicher ans Ziel zu kommen?
Gruhl: Was man wirklich machen kann, ist, sich in seinem eigenen Verhalten als Mensch auf die Situation einzustellen. Wenn ich ein Schild mit dem Zeichen für Wildwechsel sehe, dann fahre ich eben wie vorgeschrieben Tempo 60 oder 80. Und wenn ich Tiere sehe, dann wechsle ich von Fern- auf Abblendlicht. Die Theorie ist, dass sie in Schockstarre fallen, wenn sie geblendet werden. Ein Unfall wäre dann unvermeidlich.

Jörg Gruhl mit seinem Deutschen Wachtelhund. Quelle: Aileen Hohnstein

Ist die Unfallgefahr in der jetzigen Jahreszeit besonders hoch?
Gruhl: Jetzt aktuell ist die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit. Wildtiere gehen nicht nach der Uhrzeit, sondern nach dem Sonnenstand. Deshalb werden sie nach der Umstellung vom früher einsetzenden Berufsverkehr überrascht. Die Hochzeiten für Wildunfälle sind im Jahresverlauf April und Mai sowie Oktober und November. Verstärkt wird dieses Phänomen durch die Zeitumstellung.

Gibt es eine Tageszeit, in der es für Autofahrer besonders brenzlig wird?
Gruhl: Im Allgemeinen ist in den Tagesrandzeiten schon die Hauptunfallzeit. Die unfallträchtigen Zeiten liegen zwischen sechs und neun Uhr sowie abends zwischen 17 und 20 Uhr – genau dann, wenn sich die Wege von Berufspendlern und Tieren auf Nahrungssuche kreuzen.

Ist es gefährlicher, mit einem Wildschwein zu kollidieren oder mit einem Reh?
Gruhl: Eine Wildsau kann schon zwischen 50 und 100 Kilogramm schwer sein. Wenn man da mit Tempo 70 rauffährt, entstehen riesige Kräfte. Auf das Auto wirken dann mehrere Tonnen, das ist wie ein Elefant. Ein Reh wiegt dagegen 20 bis 30 Kilogramm. Es hat einen höheren Körperschwerpunkt wegen seiner langen Läufe. Fährt man das Tier mit dem Auto an, fliegt es über die Motorhaube oder in den Fahrgastraum. Was gefährlicher ist, vermag ich nicht zu sagen. Entsetzlich ist für den Autofahrer beides.

Ist es in der Jagdsaison für den Autofahrer noch gefährlicher?
Gruhl: Gejagt werden kann das gesamte Jahr über. Für jedes Wild gibt es aber bestimmte Jagdzeiten. Aber so, wie der Herbst die Haupterntezeit ist, gilt das auch für Jäger: Die meisten Arten wie Rehwild, Schwarzwild, Fuchs, Waschbär oder Marderhund haben nun keine Schonzeit. Diese Jahreszeit wird deshalb oft mit der Jagdsaison gleichgesetzt.

Und beeinflusst die Jagdsaison nun den Straßenverkehr?
Gruhl: Im Herbst finden Bewegungsjagden statt. Die Treiberwehr, also mehrere Jäger oder deren Helfer, versuchen das Wild zu beunruhigen, so dass die Tiere aus ihren Verstecken kommen. Wir brauchen die Bewegungsjagd, um die Abschussquoten zu erfüllen. Allein über die Einzeljagd kann das nicht geschafft werden. Wenn ich ein Schild an der Landstraße sehe, auf dem „Achtung Jagd“ steht, dann muss ich auch mit besonderer Vorsicht fahren. Beunruhigtes Wild könnte die Straße queren. Einige Förstereien bringen Flatterbänder an der Straße an, damit dies verhindert wird. Aber bei der Jagd gibt es eher andere Probleme. Die werden durch Spaziergänger verursacht.

Inwiefern?
Gruhl: Oft missachten sie Schilder. Deshalb ist meine Bitte: Wer ein Schild oder eine Absperrung sieht, möge den Anweisungen der Jäger folgen. Das dient der Sicherheit, denn es wird scharf geschossen. Genauso ist es zur Maisernte. Viele Wildschweine haben sich auf den Feldern eingerichtet. Wenn sie nun entmietet werden, sind sie sehr aggressiv. Sie geraten in Panik und rennen über die Waldwege, ohne zu gucken. Ebenso ist es bei den Bewegungsjagden, wenn sich Tiere bedrängt fühlen. Durch ihr Gewicht kann das unangenehme Folgen für Spaziergänger haben. Wildschweine sind die gefährlichsten Tiere im Wald, nicht der Wolf.

Sollten Spaziergänger zu bestimmten Zeiten nicht mehr in den Wald gehen, damit sie nicht irrtümlich für Wild gehalten werden?
Gruhl: Die Einzeljagd wird generell zu Tageszeiten ausgeführt, wo die Menschen nicht in den Wald gehen. Da geht keine Gefahr davon aus. Dennoch finde ich, dass die Menschen mehr Ehrfurcht vor der Landschaft und dem Wild haben sollten. Wenn sie von morgens bis abends im Wald sind, setzten sie das Wild unter Druck. Man muss nicht unbedingt in der Dämmerung in den Wald. Das Wild will auch Ruhe haben, Nahrung aufnehmen und sich frei bewegen. Und irgendwann kommt auch der Jäger mit seiner Büchse raus.

Sollten sich Waldbesucher auffällig kleiden, um jeglicher Verwechslung vorzubeugen?
Gruhl: Ich sage es mal so: Nachts sind alle Katzen grau. Aus Sicherheitsgründen muss sich niemand grell kleiden. Sicher ist es aber auf jeden Fall, immer auf den Wegen zu bleiben. Und auch nicht in der Dämmerung unterwegs zu sein. Es gibt eine Jägerregel die sagt: „Was du nicht kennst, das schieß´ nicht tot“.

Wie ist es mit dem Wolf? Hat der einen Einfluss auf den Bestand der Wildtiere?
Gruhl: Um Zossen herum wurden schon welche gefährtet. Dort, wo er sich eingenistet hat, wird die Jagd schwieriger. Das Wild ist schreckhafter, noch nachtaktiver, wie die Erfahrungen der Jäger zeigen. Die Jagdstrecke geht zurück, es gibt also weniger Wild.

Braucht das Ökosystem dann noch die Regulierung durch Jäger?
Gruhl: Gejagt wird, um das Gleichgewicht in der Landschaft aufrecht zu erhalten. Es ist gesetzlicher Auftrag der Jäger, dafür Sorge zu tragen, dass die Wildbestände nicht zu groß werden, weil dadurch der Wald zu Schaden kommen könnte. Zu klein dürfen die Wildbestände aber auch nicht sein. Der Wolf frisst, was ihm gerade vor die Schnauze kommt. Das müssen nicht nur kranke oder alte Tiere sein. Der Wolf reduziert die Bestände in der Masse. In der Lausitz wurden die Mufflons durch ihn fast ausgerottet. Der Jäger ist für die Güte zuständig, damit die gesunde Alterspyramide aufrechterhalten bleiben kann.

Wie steht es um die hiesigen Wildbestände?
Gruhl: In unserer Region geht es dem Wild ganz gut. Die Leute müssen sich aber verabschieden vom Bild der heilen Bambi-Welt. Wir befinden uns in einer Kulturlandschaft. Die Wälder hier sind Wirtschaftswälder, die Landschaften werden durch Siedlungen und Straßen zerstückelt. So bleibt für Wildtiere immer weniger Platz. Sie können nicht mehr umherziehen, die Gefahr von Inzucht besteht. Die Jäger sind in die Planung und Umsetzung der Wiedervernetzung von Lebensräumen für Wildtiere eng eingebunden. Daher sagen wir Jäger auch: „Grünbrücken, immer her damit!“

Wenn Wild auf Konfrontationskurs geht

  • In diesem Jahr kam es im Landkreis Dahme-Spreewald von Januar bis August zu 2704 Unfällen, von denen 594 auf Kollisionen mit Wild zurückzuführen sind. Dabei wurden sechs Personen verletzt. Im Vorjahr wurden im Vergleichszeitraum 622 Wildunfälle gemeldet, bei denen ebenfalls sechs Personen verletzt wurden.
  • In Teltow-Fläming gibt es für dieses Jahr noch keine Erhebung der Unfallstatistik. 2013 wurden im Landkreis 906 Unfälle mit acht Verletzten gemeldet. Im Vorjahr waren es dagegen 1012 Wildunfälle mit neun Verletzten.
  • Wenn es zum Unfall kommt, sollte sofort die nächstliegende Polizeistation informiert werden. Falls das angefahrene Wild noch nicht verendet ist, beziehungsweise vom Unfallort geflüchtet ist, können die Beamten den zuständigen Jagdpächter informieren oder das Tier im Notfall selbst erlösen.
  • Wichtig ist der Anruf bei der Polizei auch, weil nur durch ein unterzeichnetes Unfallprotokoll die Versicherungsleistung (Teilkasko) greift. Für einen Ersatzanspruch muss zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass der Unfall tatsächlich durch Wild verursacht wurde.
  • Stirbt das Wild nach dem Zusammenstoß, darf es nicht einfach mitgenommen werden. Falls dies dennoch geschieht, macht man sich der Wilderei schuldig, was strafrechtlich verfolgt wird. Vom Gesetz her gilt Wild als herrenlos, solange es lebt. Wenn es tot ist, kann sich derjenige, der im Revier das Jagdrecht hat, das Tier aneignen.
  • Wechselt Wild die Straße, sollten Autofahrer sofort langsamer fahren. Oft folgen noch andere Tiere.

Interview: Aileen Hohnstein

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