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Teltow-Fläming Jäger mahnen zur Vorsicht auf Straßen
Lokales Teltow-Fläming Jäger mahnen zur Vorsicht auf Straßen
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15:50 05.08.2016
Die heißen Sommertage Ende Juli/Anfang August ist die Zeit der Rehwildbrunft. Die Aktivitäten der geschlechtsreifen Rehe konzentrieren sich dann auf Paarung und Fortpflanzung. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

Autofahrer müssen derzeit ganz besonders vorsichtig sein: Seit Mitte/Ende Juli hat die Paarungszeit des Rehwilds, die sogenannte Blattzeit, begonnen. Sie geht noch bis Mitte/Ende August. In dieser Phase sind die Tiere so liebestoll und hormongesteuert, dass sie weniger denn je auf vorbeifahrende Autos auf den Straßen achten – auch nicht am helllichten Tage. So kommt es in der aktuellen Jahreszeit traditionell zu mehr Wildunfällen mit Rehen als im Rest des Jahres. Im September geht es dann mit der Paarungszeit des Rot- und im Oktober mit der des Damwilds weiter. Die Unteren Jagdbehörden der Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald mahnen deshalb zu besonderer Vorsicht auf den Straßen.

Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg und Jäger aus Baruth, erklärt, dass Rehböcke und Ricken sich während des Paarungsrituals in Kreisen bewegen oder unwillige Ricken vor Böcken flüchten. Ob auf der Strecke nun eine Straße liegt oder nicht, ist den Tieren völlig egal. Deshalb überqueren sie mehrmals am Tag die Fahrbahnen. „Sie sind blind vor Liebe und dabei wie von Sinnen“, sagt Wellershoff. „Das gefährliche daran ist, dass sie urplötzlich auf der Straße stehen.“

2031 Wildunfälle im vergangenen Jahr

Autofahrern rät er deshalb aktuell zu besonderer Vorsicht und Aufmerksamkeit, besonders an heißen Tagen sind die Tiere extrem paarungswillig. „Da hilft nur langsameres Fahren und auf den Fahrbahnrand achten.“ Wenn während der Blattzeit ein Reh auf die Straße springt, sei das nächste nicht weit weg. Außerdem sollten Fahrer auch auf Mähdrescher in Getreidefeldern achten: „In nicht geernteten Feldern leben Wildschweinrotten“, sagt er. Wird das Getreide geerntet, flüchten sie auf benachbarte Flächen und rennen dabei ebenfalls blind auf die Fahrbahn.

Läuft ein Tier vor das Auto, sollten die Fahrer abblenden und kontrolliert bremsen, Ausweichmanöver können zu gefährlichen Schleuderunfällen führen. Kommt es doch zu einem Wildunfall, müssen Betroffene den Unfall melden – entweder bei der Polizei oder beim örtlich zuständigen Jäger. Im vergangenen Jahr wurden in der Region insgesamt 2031 Wildunfälle registriert, das sind 123 mehr als im Vorjahr. 1051 Wildunfälle ereigneten sich im Landkreis Dahme-Spreewald.

Duftstoff hält Tiere von der Fahrbahn ab

Um die allgemeine Gefahr von Wildunfällen zu verringern, hat die Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH auf Initiative des Mittenwalder Jägers Detlef Roggan eine Wildtierampel entwickelt. Sie wird an Leitpfosten geschraubt und reagiert auf vorbeifahrende Autos. Dann leuchtet die Wildtierampel nachts in Blau – eine Farbe, die Wild als besonders hell wahrnimmt. Wie Matthias König, Vertriebs- und Projektmanager des Motzener Unternehmens erklärt, stutzen die Tiere dann und bleiben somit stehen. In der Region sind Wildtierampeln unter anderem auf den Strecken Mittenwalde-Schenkendorf, Motzen-Gallun und Motzen-Bestensee installiert.

Doch während der Paarungszeit des Rehwilds bringen die in Blau leuchtenden Ampeln nichts – denn sie sind vor allem während der Dämmerung und bei Nacht hilfreich. Stattdessen gibt es laut Matthias König speziell zur Paarungszeit noch eine andere Methode, um das Wild vom Liebestanz auf der Straßen abzuhalten: auf an der Wildtierampel angebrachten Schwämmen verteilter Duftstoff Kornitol rot. Der rieche für die Tiere wie menschlicher Schweiß und halte sie davon ab, sich zu nähern. „Besonders in der Paarungszeit ist der Geruchssinn extrem geschärft“, erklärt König. Deshalb empfiehlt er, in genau dieser Zeit so einen Duftzaun zu errichten. Auf keinen Fall sollte der Duftstoff langfristig eingesetzt werden. „Dann gewöhnen die Tiere sich daran und die Maßnahme verliert ihre Wirkung.“

Jäger Detlef Roggan verwendet diesen Duftzaun zur Blattzeit seit sechs Jahren auf der Strecke Mittenwalde-Gallun. Seitdem komme es statt zu durchschnittlich sechs Wildunfällen während der Paarungszeit zu keinem bis zwei. Insgesamt hätten die Wildtierampeln die Unfälle um etwa 80 Prozent reduziert. „Das ist schon einmal ein großer Fortschritt“, sagt Roggan. „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es bei Wildtieren allerdings nie geben.“ Aus diesem Grund rät auch er allen Autofahrern zu erhöhter Aufmerksamkeit.

Von Anja Meyer

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