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Jägerdasein als Lebensgefühl

Dahmeland-Fläming Jägerdasein als Lebensgefühl

In den letzten Jahren wurde das Jagen deutschlandweit immer beliebter. In der Region interessieren sich vor allem mehr Frauen und junge Menschen dafür. Doch welche Motivation haben sie, sich der langwierigen und kostenaufwendigen Ausbildung anzunehmen?

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Der Jagdsport wird in der Region immer beliebter.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Dahmeland-Fäming. Wie im Bund, so steigt auch in der Region Dahmeland-Fläming das Interesse an der Jagd. Dabei ist die erforderliche Ausbildung zum Jäger nicht nur langwierig, sondern auch teuer.

Deutlicher Anstieg aktiver Jäger in Teltow-Fläming

In Teltow-Fläming hatten laut der Unteren Jagdbehörde des Kreises im Jagdjahr 2013/2014 insgesamt 778 Jäger einen Jagdschein beantragt. Sie gelten damit als aktive Jäger; unter ihnen befanden sich 48 Frauen und 22 Jungjäger, die erstmals nach bestandener Prüfung einen Jagdschein beantragten. 2014/ 2015 gab es bereits 790 aktive Jäger, darunter 56 Frauen und 23 Jungjäger. Im Jagdjahr 2015/2016 erhöhte sich die Anzahl aktiver Jäger erneut auf 821, unter ihnen 59 Frauen und 32 Jungjäger. Diese Zahlen zeigen einen klaren Aufwärtstrend.

Jagen bedeutet viel Zeit und Geld zu investieren

Ein Jagdjahr wird immer vom 1. April des aktuellen Jahres bis zum 31. März des Folgejahres berechnet. Vorbereitungskurse für die Jägerprüfung beginnen beispielsweise beim Kreisjagdverband Teltow-Fläming jährlich im September und dauern bis zum März des Folgejahres. Während dieser sechs Monate finden immer sonnabends Theorie- und Praxis-Unterrichtsstunden statt. Billig ist der Jagdschein nicht: Etwa 700 Euro kostet der Vorbereitungskurs. Hinzu kommen die Gebühren für die Jagdprüfung und den Jagdschein. Dieser kann für ein, zwei oder drei Jahre oder auch nur einige Tage beantragt werden. Insgesamt ist mit einem finanziellem Aufwand von rund 1000 Euro zu rechnen. Für den Kurs ab September liegen Ortwin Seier, dem Vorstandsvorsitzenden des Kreisjagdverbands, 20 Anmeldungen vor. „Mehr Leute nehmen wir auch nicht auf im Vorbereitungskurs. Das wird sonst zu unübersichtlich“, berichtet Ortwin Seier.

Doch die Investition lohnt sich

Gründe für den Jagd-Boom gibt es laut Ortwin Seier einige. Einer davon sei vor allem die Entspannung vom Alltag: „Durch die Arbeit und das Großstadtleben in Berlin sind viele gestresst und brauchen einen Ausgleich, um Abschalten zu können. Da ist Jagen genau das Richtige. Man ist viel in der Natur, bewegt sich und ist fernab von Straßenlärm und anderen Stressverursachern.“ Das entspreche dem in den vergangenen Jahren gestiegenen Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung. Neben entspannenden Hobbys wie Yoga, Pilates oder Meditation, werden auch Aktiv-und Entspannungsurlaube in der Region immer beliebter (die MAZ berichtete). Hinzu kommt der Wunsch nach einer ausgewogenen Ernährung. Beim Jagen würden sich all diese Faktoren vereinigen.

Wichtigster Faktor: Bio - Fleisch

Laut Uwe Scharnagel, Sachbearbeiter der Unteren Jagdbehörde von Teltow-Fläming, könne dieser Wandel des Jägerbildes in der Gesellschaft auch ein Grund dafür sein, dass sich mehr Frauen dafür interessieren. Ebenso seien die Neuzugänge deutlich jünger, etwa 25 bis 40 Jahre alt. Dass deutlich mehr junge Menschen sich für die Jagd interessieren, fiel auch einem Sachbearbeiter der Unteren Jagdbehörde des Kreises Dahme-Spreewald auf, der anonym bleiben möchte. Er ist selbst passionierter Jäger und versteht, warum das Jagen gerade bei jungen Leuten und Frauen beliebter wird: „Ich merke es in meinem Freundeskreis, die Jungjäger sind häufig so Anfang Mitte 30 wie ich auch. Sie jagen hauptsächlich, um von der Massentierhaltung wegzukommen. Sie wollen Fleisch aus eigener Jagd essen. Nach dem Motto ,Was ich schieße, das esse ich auch’“, sagt er. Wer selbst ein Tier erlege, wisse, wo es herkomme und könne sicher sein, dass es nicht mit Antibiotika oder anderen Dingen gefüttert wurde. „Deshalb gibt es jetzt auch in den vielen Jagdzeitschriften immer mehr Kochtipps für die Wildbretzubereitung“, sagt der Sachbearbeiter.

Zurückgehende Jägerzahl in Dahme-Spreewald

Im Kreis Dahme-Spreewald gab es im Jagdjahr 2013/2014 567 aktive Jäger, darunter 70 Frauen und 24 Jungjäger. 2014/2015 sank die Zahl auf 377 aktive Jäger, darunter jedoch mehr Frauen (74) und 22 Jungjäger. 2015/2016 sank die Zahl noch weiter auf 349 ausgestellte Jagdscheine, davon 76 an Frauen und 23 an Jungjäger. Damit bleibt die Anzahl der Ersterteilungen von Jagdscheinen ähnlich hoch wie in Teltow-Fläming, jedoch nimmt die Gesamtzahl der aktiven Jäger stetig ab. Dies kann laut Herrn Schulze unterschiedliche Gründe haben. Zum Beispiel, dass viele zu alt zum Jagen geworden oder bereits verstorben seien.

Motivation Naturschutz und Wildschadenverhütung

Neben Vorteilen für die eigene Gesundheit geht es vielen Jägern auch um den aktiven Naturschutz und die Wildschadensverhütung in der Landwirtschaft. Fraglich ist jedoch, ob dies bei sinkender Jägerzahl in Dahme-Spreewald gelingt – zumal laut der Unteren Jagdbehörde der Wildbestand steigt. Die Untere Jagdbehörde des Kreises Dahme-Spreewald bejaht das. Beim Jagen ginge es laut de anonymen Sachbearbeiter grundsätzlich darum, wie viel Wild ein Revier vertragen kann, ohne Schaden zu nehmen. Der Wildbestand steige zwar aufgrund des guten Äsungsangebotes an Eicheln und Bucheckern und der vielen Raps- und Maisschläge, die dem Wildbestand als Nahrungsgrundlage dienten. Die Abschusspläne könnten im Großen und Ganzen jedoch eingehalten werden. Wobei es beim Jagen immer darauf ankäme, wie intensiv gejagt würde, „immerhin ist das Jagen ein Glücksspiel, das von vielen unterschiedlichen Komponenten abhängt“, sagt er.

Von Josefine Kühnel

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