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Teltow-Fläming Wilfried Flach geriet selbst in die Fänge der Stasi
Lokales Teltow-Fläming Wilfried Flach geriet selbst in die Fänge der Stasi
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15:11 10.02.2019
Wilfried Flach interessiert sich neben der Aufarbeitung der DDR-Geschichte auch für andere historische Themen. Quelle: foto: Margrit Hahn
Jänickendorf

Als der ehemalige Jänickendorfer Pfarrer Wilfried Flach 1979 mit seiner Tätigkeit in der Parochie Jänickendorf–Stülpe begann, baute er innerhalb kurzer Zeit eine blühende Kinder- und Jugendarbeit auf. In besten Zeiten fanden sich mehr als 100 Kinder pro Woche zur Christenlehre, zum Konfirmandenunterricht und zur Jungen Gemeinde ein.

Misstrauen erregt

Das erregte das Misstrauen der staatlichen Stellen und verursachte vielerlei Gegenreaktionen und Behinderungen. Daraufhin legten der damalige Superintendent Martin Behrendt und Wilfried Flach des öfteren Beschwerde beim stellvertretenden Vorsitzenden des Rates des Kreises ein. Trotz der vorgetragenen Beschwerden wegen antichristlicher und antikirchlicher Agitation von Schülern durch Lehrer an der Stülper Schule änderte sich die Situation nicht.

Frieden mit der Waffe verteidigen

Im Oktober 1986 fand eine Elternversammlung statt. Die damalige Lynower Bürgermeisterin fragte als Mutter ihres Kindes die übrigen Eltern und den anwesenden Direktor, ob es richtig sei, die Kinder zum Pfarrer zu schicken. Der Schulleiter antwortete, dass man keine Kirchgänger brauche. Die Schüler sollten vielmehr im Wehrkundeunterricht lernen, den Frieden mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Daraufhin protestierte Flach abermals beim Rat des Kreises. „Ich wollte erreichen, dass auf einem der nächsten Elternabende das Verdikt gegen die kirchliche Betätigung von Schülern vom Direktor zurückgenommen wird, damit die Eltern nicht aus Angst vor Nachteilen ihre Kinder vom kirchlichen Unterricht abmeldeten“, so Wilfried Flach. Sein Protestbrief wurde in nicht zufriedenstellender Weise beantwortet. Stattdessen meldete sich der Oberleutnant Peter Hube von der Kreisdienststelle des Mfs Luckenwalde telefonisch bei Flach und wollte am 6. November 1986 ein Gespräch mit ihm führen.

In der Umweltarbeit engagiert

Flach glaubte zuerst, dass der Stasibesuch mit seinem westdeutschen Freund zusammenhing, dem er unter anderem politische Gedichte über den Supergau in Tschernobyl zur Veröffentlichung in der BRD mitgegeben hatte. Ihm war bewusst, dass er sich in den Augen der Stasi der „ungesetzlichen Kontaktaufnahme“ schuldig gemacht hatte, die theoretisch mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft werden konnte. Zudem hatten acht Ausreiseantragsteller zu ihm Kontakt aufgenommen, darunter zwei Wehrdienstverweigerer, dazu ein Jugendlicher, der in die SED gepresst werden sollte. Sie alle beriet er in der Seelsorge und rechtlich. Hinzu kamen ökumenische Gäste aus Westdeutschland, aber auch aus England, Indien und Südafrika, die durch Vermittlung der Kirche die Parochie besuchten und denen er reinen Wein über die Verhältnisse in der DDR einschenkte. Auch in der Umweltarbeit engagierte sich Flach tatkräftig – zum Missfallen der staatlichen Behörden. Flach war froh, dass Oberleutnant Hube bei seinem Besuch keine dieser Aktivitäten thematisierte. Vielmehr bot er an, zwischen Schule und Kirche in der Weise zu vermitteln, dass der Direktor in absehbarer Zeit in einer Elternversammlung seine antikirchlichen Aussagen zurücknehmen soll, um stattdessen die offizielle moderatere Staatskirchenpolitik, wie sie Erich Honecker im März 1978 vor den ostdeutschen Bischöfen entwickelt hatte, auch an der Stülper Schule durchzusetzen.

Informationen über den Kirchenkreis

Flach informierte nach diesem Gespräch den Superintendenten. Sie kamen überein, dass Flach die Vermittlertätigkeit von Oberleutnant Hube unter der Bedingung annehmen solle, dass dieser einwilligt, dass er über jedes Gespräch mit ihm dem Superintendenten berichtet. So kam es in Folge zu Gesprächen, die tatsächlich einige Verbesserungen, aber keinen durchschlagenden Durchbruch brachten. Schließlich wurde dem Superintendenten und Flach klar, dass der Oberleutnant nicht so sehr an der Verbesserung des Verhältnisses zwischen Schule und Kirche interessiert war, sondern vielmehr an Informationen aus dem Kirchenkreis. Da ordnete der Superintendent an, die Gespräche abzubrechen. Nach der Wende informierten der Superintendent und Flach den neugebildeten Kirchlichen Untersuchungsausschuss für Stasikontakte unter Vorsitz eines ordentlichen Richters über diese Gespräche. Nach gründlicher Untersuchung der Stasiakten kam der Überprüfungsausschuss zu dem Ergebnis, dass Flach unter Einbeziehung des zuständigen Superintendenten im Interesse und mit Wissen von betroffenen Gemeindegliedern Gespräche mit dem MfS geführt hätte.

Nur begrenzt ehrlich und zuverlässig

Dies heißt, dass Flach kein IM war, auch wenn Oberleutnant Peter Hube ihm hinter seinem Rücken ohne sein Wissen einen Decknamen und ein Losungswort verpasst hatte. Dies hat Hube in einem Dreiergespräch mit Behrendt und Flach nach der Wende, über das Behrendt ein Schreiben verfasst hat, ausdrücklich zugegeben. In einer Analyse vom 27. September 1988 schätzte Hube ein, dass Flach nur begrenzt ehrlich und zuverlässig und in der Zusammenarbeit entsprechend seiner Glaubensrichtung" gekennzeichnet sei.

Diese persönlichen Erfahrungen bestärkten Flach darin, sich offensiv mit den Machenschaften der Stasi in der Region auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund trat er mit Detlef Dreke dem „Forum zur kritischen Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte im Land Brandenburg e.V.“ bei. Zudem arbeitet er dem „Forschungsbund SED-Staat“ mit lokalen Beiträgen über die Kreisdienststelle Luckenwalde zu.

Von Margrit Hahn

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