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10:15 30.03.2016
Im Europakreisel von Aßlar steckt auch eine Fahne mit dem Wappen von Jüterbog (r.). Quelle: Stadt Aßlar
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Jüterbog

An den 30. März 1991 erinnert sich Bernd Rüdiger noch ganz genau: An jenem Ostersonnabend vor 25 Jahren knallten vor dem Jüterboger Rathaus die Sektkorken. Damals unterzeichneten er als Bürgermeister (1990-2011) und sein Amtskollege aus Aßlar, Werner Schäfer, in einem Festzelt auf dem Marktplatz den Partnerschaftsvertrag zwischen ihren beiden Städten.

Waldbröler Delegation als „Trauzeugen“

An die 60 Gäste waren aus der gut 500 Kilometer weit entfernten hessischen Stadt nahe Wetzlar angereist, um mit den Jüterbogern ihre neue Freundschaft zu feiern. Auch Vertreter aus dem nordrhein-westfälischen Waldbröl, mit dem Jüterbog bereits im Vorjahr einen Partnerschaftsvertrag geschlossen hatte, waren dabei – „als Trauzeugen“, wie Jüterbogs früherer Bürgermeister es ausdrückt. Kontakte zwischen beiden Städten, vor allem zwischen den Kirchenkreisen, bestanden bereits seit den 1970er Jahren. Partnerschaftliche Beziehungen zwischen BRD- und DDR-Kommunen waren jedoch erst mit der Lockerung des Eisernen Vorhangs ab Mitte der 1980er Jahre erlaubt.

Kommunale Kontakte

Jüterbog pflegt über Aßlar und Waldbröl Kontakte zu Witham in Großbritannien, Swiebodzice in Polen, Saint-Ambroix in Frankreich und Fossato di Vico in Italien. Der Jüterboger Ortsteil Neuheim unterhält seit 1991 eine Partnerschaft mit Neuheim in der Schweiz.

Trebbin hat bis heute enge Kontakte nach Weil am Rhein, der südwestlichsten Stad Deutschlands.

Luckenwalde schloss am 2. März 1990 eine Partnerschaft mit Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen).

Die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft wurde am 25. April 1986 in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) besiegelt, mit Saarlouis im Saarland. Vier Jahre später, am 2. März 1990, kam es in Jüterbog zum ersten Vertragsabschluss mit dem westdeutschen Waldbröl im Bergischen Land. Ein Jahr später folgte Aßlar in Hessen.

Volksfest zum Vertragsabschluss

Mit dem Volksfest anlässlich des zweiten Vertragsabschlusses zementierten die Jüterboger vor einem Vierteljahrhundert längst nicht nur den Zusammenhalt mit ihren westdeutschen Partnerinnen. „Es war ein internationales Fest“, sagt Rüdiger. So waren an Ostern 1991 ebenfalls Vertreter aus Saint-Ambroix, der französischen Partnerstadt von Aßlar, zu Gast in Jüterbog. Gemeinsam mit den russischen Soldaten, die noch bis Mitte der 1990er Jahre in der Region stationiert waren, beklatschten die französischen Gäste die neue Freundschaft mit Aßlar. Was damals auf dem Marktplatz zelebriert wurde, diente also nicht bloß der deutsch-deutschen Annäherung, sondern der Völkerverständigung insgesamt. Deutsche, Franzosen und Russen tranken gemeinsam auf das Ende des Ost-West-Konflikts.

Bodenplatte vor dem Jüterboger Kulturquartier Mönchenkloster. Quelle: Josefine Sack

„Es war das erste Mal, dass wir echte Franzosen trafen“, erinnert sich Jürgen Tolksdorf, der die Städtepartnerschaften als damaliger Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Anfang an begleitete. Seitdem sind Saint-Ambroix und seit 2002 die italienische Partnerstadt von Aßlar, Fossato di Vico, mit der Flämingstadt verschwägert. In der 3000-Einwohner-Stadt in Umbrien, 1500 Kilometer vom Fläming entfernt, gibt es heute sogar eine Straße, die nach Jüterbog benannt worden ist.

Bernd Rüdiger (l.) und Jürgen Tolksdorf. Quelle: Josefine Sack

Und was dachten die Freunde aus Westdeutschland, die zu Ostern 1991 erstmals mit dem sowjetischem Erbe im Süden Brandenburgs in Kontakt kamen? „Während der ersten Besuche konnten wir deutlich die Rückstände der russischen Besatzung in und um Jüterbog erkennen. Wir waren in der Garnison­stadt Jüterbog angekommen“, resümiert die Verwaltungsangestellte Ursula Wege aus Aßlar rückblickend die Eindrücke ihrer Amtsvorgänger. Die Besichtigung der Fuchsberge und des Stadtteils Jüterbog II hatte seinerzeit Spuren bei den Gästen aus Hessen hinterlassen. Ganz so schlimm fiel das Urteil dann allerdings doch nicht aus: Denn das mittelalterliche Flair der Stadt überraschte die Aßlarer. Besonders gut gefiel den Besuchern die Mönchenkirche, deren Umbau sie damals als gelungen empfanden.

Lob für Jüterbogs Stadtentwicklung

Seitdem hat sich viel getan: „Das äußerliche Bild der Stadt hat sich sehr positiv verändert. Jüterbog ist sehr viel heller und bunter geworden“, lobt Ursula Wege die Entwicklung Jüterbogs, stellvertretend für die Aßlarer.

Bis heute bestehen zwischen beiden Städten viele Freundschaften. Die Bürgermeister, Mitarbeiter der Stadt sowie Sportvereine, Chöre und Karnevalisten pflegen – unterschiedlich intensiv – die Kontakte und organisieren regelmäßige Besuche. Anfang Juni wollen beide Städte ihre 25-jährige Partnerschaft bei einem Festakt in Jüterbog erneuern. Den Gästen aus Hessen soll dann ein eigener Platz am Bahnhof gewidmet werden.

Von Josefine Sack

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