Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Jüterbog Ärger um obdachlose Flüchtlinge
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Ärger um obdachlose Flüchtlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 13.10.2018
In einem Mehrfamilienhaus im Norden Jüterbogs hat die Stadt zwei Wohnungen zur Unterbringungen von Obdachlosen angemietet. Quelle: Peter Degener
Jüterbog

In Jüterbog werden zum ersten Mal seit vielen Jahren die Notunterkünfte für Obdachlose knapp. Das erklärte Bürgermeister Arne Raue (parteilos) kürzlich. Der Grund für die gestiegene Nachfrage seien anerkannte Flüchtlinge, die keine Wohnungen in der Region finden.

„Wenn die Neuankömmlinge nach sechs Monaten aus den Händen des Landkreises entlassen werden, haben sie offenbar erhebliche Probleme auf dem Wohnungsmarkt“, sagte Raue. Von den verfügbaren Plätzen für Obdachlose in der Stadt sei derzeit die Hälfte mit Flüchtlingen belegt. „Damit haben wir erstmals das Problem, dass es in den Notunterkünften eng wird.“

Zwei Wohnungen für Obdachlose angemietet

Die Stadt Jüterbog betreibt insgesamt zwei Wohnungen in der Neuen Wohnstadt als Notunterkünfte, die sie von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) angemietet hat. Eng sei es vor allem bei den Männern, so Raue. 100 Euro kostet es die Stadt jeden Monat einen der Plätze vorzuhalten, so der Bürgermeister.

Auch in den regulären Mietswohnungen der WBG könnten Flüchtlinge unterkommen, so Raue, dort allerdings mit den gleichen Chancen wie jeder andere Bürger auch. Wegen mangelnder Sprachkenntnisse und geringem Einkommen haben es die Flüchtlinge dort allerdings oft schwer.

In einem Mehrfamilienhaus im Norden Jüterbogs hat die Stadt zwei Wohnungen zur Unterbringungen von Obdachlosen angemietet. Quelle: Peter Degener

Eine gesetzliche Regelung, dass Flüchtlinge die Übergangswohnheime maximal sechs Monate nach der Anerkennung ihres Asylstatus verlassen müssen – wie Raue unterstellt – existiert allerdings nicht. Das Landesamt für Soziales und Versorgung in Brandenburg empfiehlt diese Frist den Trägern lediglich. Können Flüchtlinge sie nicht einhalten, erörtern Sozialarbeiter der Übergangswohnheime und Sachbearbeiter der zuständigen Leistungsbehörden zunächst die Gründe dafür und vermitteln Hilfsangebote.

Raue: „Keine Aufgabe der Kommunen“

Raue hat auf das Problem in Jüterbog nun mit einem Schreiben an Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) reagiert. „Sie sollte diese Sache im Auge behalten“, erklärte er, „denn das ist keine Aufgabe der Kommunen. Wir können das schlichtweg nicht dauerhaft leisten.“ Er fordert, dass die obdachlosen Flüchtlinge in die Asylunterkünfte zurückkehren können, sofern sich herausstellt, dass sie auf dem Wohnungsmarkt chancenlos sind.

Asylheime in und um Jüterbog

In Jüterbog werden derzeit zwei Übergangswohnheime für Asylbewerber betrieben. Sie haben zusammen eine Kapazität für 175 Personen.

Im Übergangswohnheim im Waldauer Weg können 125 Menschen unterkommen. Im September waren dort 14 Plätze frei.

In der Großen Straße stehen 50 Plätze zur Verfügung, von denen zuletzt 41 belegt waren. Sie werden nicht mehr neu vergeben, da das Übergangswohnheim zum Jahresende geschlossen wird.

In Niedergörsdorf sind außerdem Flüchtlinge in Verbundwohnungen untergebracht. Von den 60 Plätzen waren im September insgesamt 48 belegt.

Im Kreis kennt man die Problematik. Dezernatsleiterin Kirsten Gurske teilt auf MAZ-Anfrage mit, dass die Verwaltung die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche durchaus unterstützt, beispielsweise mit Fachberatungen. „Kann ein Flüchtling auf Grund der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt letztlich keine Wohnung finden, so wird er aufgefordert sich dennoch weiterhin darum zu bemühen und dies nachzuweisen“, erklärt sie. Während dieser Zeit sei ein Verbleib im Übergangswohnheim möglich.

Keine Hausverweise für Flüchtlinge in Jüterbog

Problematisch werde es erst, wenn ein anerkannter Flüchtling das Heim bereits einmal verlassen musste, beispielsweise weil er „mehrfach angemessenen Wohnraum abgelehnt oder aber wiederholt gegen die Hausordnung verstoßen“ hat. Solche Verweise kämen nach Abmahnungen und als letzte Konsequenz „gelegentlich, wenn auch selten“ vor, so Gurske. In Jüterbog sei es im vergangenen Jahr jedoch nicht dazu gekommen, dass Verweise ausgesprochen werden mussten.

Sollte es doch einmal dazu kommen, gibt es vom Kreis allerdings klare Regelungen: „In diesem Fall wird das örtliche Ordnungsamt rechtzeitig darüber unterrichtet“, erklärt Gurske. Mit allen Beteiligten, darunter auch die Bürgermeister der Kommunen, sei diese Vorgehensweise abgesprochen. Seit mehr als eineinhalb Jahren findet sie bereits Anwendung in Teltow-Fläming – bisher ohne größeres Aufsehen zu erregen.

Von Victoria Barnack

Das Bürgermeisterhaus in Jüterbog ist nicht nur in baulicher Hinsicht ein Problemfall. Seit Jahren gibt es zwischen Besitzer und Denkmalpflege unterschiedliche Auffassungen zur Zukunft des Hauses.

13.10.2018

Ab Montag wird am Landgericht Potsdam über den Fall eines offenbar verwirrten Syrers verhandelt, der im April nackt mit einer Eisenstange in Jüterbog auf Autos losgegangen war. Der Fall sorgte für Aufsehen.

12.10.2018

Jüterboger Karneval ohne Prinzenpaar? Genau das droht der Kleinstadt nun zum ersten Mal seit 40 Jahren. Aber was muss so ein Prinzenpaar eigentlich können? Prinzessin Carolin und ihr Prinz Christoph berichten.

15.10.2018