Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Jüterbog Kräftiger Wind hält 118 Feuerwehrleute in Atem
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Kräftiger Wind hält 118 Feuerwehrleute in Atem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 31.07.2018
Der Löschhubschrauber ist am Samstag fast ununterbrochen im Einsatz gegen die Flammen. Quelle: Stadt Jüterbog
Jüterbog

Der Brand auf dem ehemaligen Schießplatz bei Jüterbog hat sich am Samstag weiter ausgebreitet. Mehr als 250 Hektar auf dem einst militärisch genutzten Gelände sind inzwischen betroffen – doch die Feuerwehrleute scheinen, die Flammen im Griff zu haben. „Das Feuer wurde an den Wegen gehalten“, berichtet Jüterbogs Ordnungsamtsleiter und Vize-Bürgermeister Joachim Wasmansdorff, der seit dem Morgen vor Ort ist. „Es war wichtig, dass es nicht übergesprungen ist, auf eine Zone, wo es riesen Probleme gegeben hätte“, sagt er am Abend. Sonntag soll der Einsatz ab 7 Uhr fortgesetzt werden.

Seit Mittwoch brennt es auf dem alten Schießplatz Jüterbog. Das Feuer hat sich am Donnerstagnachmittag sprunghaft ausgedehnt. Einsatz-Impressionen.

Inzwischen sind fast 120 Feuerwehrleute an der Kreisgrenze zwischen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark im Einsatz. Seit dem Vormittag sind sie mit mehreren Tanklöschfahrzeugen damit beschäftigt, die Wege zu wässern. Um den Brand daran zu hindern, auf bisher nicht betroffene Gebiete überzugreifen, wurde eine sogenannte Riegelstellung aufgebaut. Sie ist aufwendig und mit großem Personal-, Löschmittel- und Materialaufwand verbunden, wird aber bereits seit mehreren Stunden gehalten. Auf diese Weise soll dem Feuer eine Grenze gesetzt werden. Am frühen Nachmittag zeigt sich: Der Plan geht auf. „Der Waldbrandschutzstreifen hält das Feuer offenkundig auf“, sagt Wasmansdorff, „darüber sind wir sehr froh.“

Brandschutzeinheit alarmiert, um Feuer massiv zu verdrängen

Nach 14 Uhr wurde von den Kräften vor Ort die Brandschutzeinheit des Kreises verständigt, darunter Wehren aus den Orten Ludwigsfelde, Dahlewitz und Zossen. Die anwesenden Feuerwehrleute sollen noch einmal erheblich verstärkt werden, „damit das Feuer massiv niedergedrückt wird“, erklärt Jüterbogs stellvertretender Bürgermeister.

50 Feuerwehrleute sind seit Samstagmorgen wieder gegen den Brand im Einsatz. Quelle: Stadt Jüterbog

Wie groß die vom Brand betroffene Fläche ist, können die Einsatzkräfte momentan nur schätzen. Sie haben sich in der Nähe des Dorfes Pechüle positioniert. Von dort aus ist eine erhebliche Rauchentwicklung zu beobachten. „Wir müssen inzwischen davon ausgehen, dass die neue Brandfläche mehr als 240 Hektar betrifft“, so Wasmansdorff.

Bürgermeister lobt Engagement freiwilliger Feuerwehrleute

Auch Bürgermeister Arne Raue (parteilos) war am Samstagnachmittag vor Ort. Er berichtet von einer Windlage, die den Einsatzkräften positiv bewerten. Derzeit weht es in Richtung Nordwesten vom Jüterboger Stadtgebiet weg. Ortslagen sind weiterhin nicht gefährdet.

Raue lobte am Rande des Brandes das Engagement der freiwilligen Brandschützer. „Einige unserer Kameraden sind seit vier Tagen nahezu im Dauereinsatz“, berichtet er, „diese ehrenamtliche Leistung verdient allerhöchsten Respekt.“ Ein Teil der Einsatzkräfte aus Jüterbog und den Ortsteil ist seit Mittwoch täglich mehrere Stunden bei dem Brand auf dem ehemaligen Schießplatz aktiv.

Mehr zum Thema

Tag 1: Am Mittwoch wurde der Brand auf 25 Hektar entdeckt

Tag 2: Wind hat gedreht: Feuer nähert sich Pechüle

Tag 3: Lösch-Hubschrauber bekämpft Großbrand

In der Nacht hatte sich die Lage halbwegs beruhigt gehabt. Weil es während der Dunkelheit vor Ort zu gefährlich ist, waren die Feuerwehrleute am Freitagabend erneut abgezogen. Gegen 23 Uhr beendeten sie den dritten Einsatztag infolge, ähnlich wie am Mittwoch und Donnerstag auch. „Wir gehen davon aus, dass uns der Brand noch das gesamte Wochenende über beschäftigen wird“, hatte Wasmansdorff am Freitagabend erklärt.

Hilfe aus der Luft: Ein Löschhubschrauber trägt erheblich zur Brandbekämpfung auf dem kontaminierten Truppenübungsplatz bei. Quelle: Stadt Jüterbog

Seit den Morgenstunden waren ständig mindestens 50 Einsatzkräfte aus Jüterbog, seinen Ortsteilen sowie der Gemeinde Niedergörsdorf und der angrenzenden Stadt Treuenbrietzen vor Ort. Mit acht Tanklöschfahrzeugen werden die Wege vorsorglich benetzt, um die Flammen zurückzuhalten. Wie bereits am Vortag unterstützen Landwirten die Brandschützer mit einem 18.000-Liter-Tank.

Auch Löschhubschrauber wieder im Einsatz

„Seit 8 Uhr ist auch der Löschhubschrauber wieder vor Ort“, berichtet Joachim Wasmansdorff. Alle sechs Minuten holt er frisches Wasser, um es über dem knapp zwei Kilometer entfernten Brand abzuschütten. Mehrmals am Tag muss die Besatzung wechseln. Die harte Arbeit sei den Kollegen im Flugzeug deutlich anzumerken, berichtet Jüterbogs stellvertretender Bürgermeister. Die Hilfe des Hubschraubers war für die Einsatzkräfte schon am Freitag deutlich zu spüren gewesen. „Der Erfolg ist sofort sichtbar, sobald das Wasser abgeschüttet wird“, sagt Wasmansdorff.

Das Feuer in der Nacht zum Samstag. Aufgenommen von MAZ-Leser Carsten Drohm auf dem Löwendorfer Turm. Eigentlich wollte er die Mondfinsternis beobachten. Quelle: Carsten Drohm

In der Nacht hatten zahlreiche Einwohner des Kreises den Brand aus der Ferne beobachten können. „Während ich mit gefühlt 200 anderen Menschen auf dem Löwendorfer Turm auf die Mondfinsternis wartete und sich der Mond noch hinter den Wolken versteckte, konnte ich südwestlich vom Turm ein schauriges Lichtspektakel der besonderen Art beobachten“, berichtet MAZ-Leser Carsten Drohm. Bei einbrechender Dunkelheit waren die Dimensionen des Waldbrandes bei Jüterbog deutlich erkennbar.

Von Victoria Barnack

Drei Wochen lang mussten sich die Erzieher vom Hort der Schollschule in Jüterbog ein Alternativprogramm überleben. Denn die Schule wurde renoviert.

28.07.2018

Der Großbrand auf dem alten Schießplatz Jüterbog ist unter Kontrolle. Der Einsatz des Löschhubschraubers war erfolgreich. Doch er muss übers Wochenende weiter gefährliche Einsätze fliegen.

30.07.2018

Dominik Wache aus Jüterbog hält Landesrekorde im 100- und im 200-Meter-Sprint seiner Altersklasse. Am Wochenende tritt er bei den Deutschen Meisterschaften in Rostock an.

27.07.2018