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Jüterbog So könnte die Militärstadt bei Jüterbog bald aussehen
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog So könnte die Militärstadt bei Jüterbog bald aussehen
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12:09 13.07.2018
Ein Architektenbüro aus Leipzig hat erste Entwürfe für Jüterbogs Nordwesten vorgestellt. Quelle: Mann & Schott Architekten
Jüterbog

Vier Wohnblöcke stehen in der Straße Am Schießplatz in Jüterbog (Teltow-Fläming). Die Gegend gilt als sozialer Brennpunkt der 10.000-Einwohnerstadt. Die Mieten sind günstig. Für unter 400 Euro bekommt man hier eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Balkon – warm. Genauso einfach kommt man an Drogen.

Ganz in der Nähe der DDR-Bauten gibt es einen Schrottplatz, mehrere Biogasanlagen und ein großes Solarenergiefeld. Wer mit dem Auto hier durchfährt und sich nicht auskennt, hat sich wahrscheinlich verfahren und weiß nicht, dass das Areal jahrzehntelang als Schieß- und Übungsplatz für deutsche, später sowjetische Soldaten diente.

Die Kaiserkaserne entstand als Teil des Schießplatzes bei Jüterbog (Teltow-Fläming) bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Die Kasernen wurden später von der Sowjetarmee genutzt und liegen seit der Wende brach.

In vielen Teilen Brandenburgs sieht es so aus wie in diesem Stadtteil von Jüterbog. Der Boden ist kontaminiert, die Gebäude oft denkmalgeschützt und in schlechtem Zustand. Wohl fühlen sich hier nur die Fotografen und Abenteurer, die immer neue „Lost Places“ – verlorene Orte – suchen.

Rund 235.000 Hektar überließen die sowjetischen Truppen und die bewaffneten Organe der DDR nach der Wende ihrem Schicksal. Für die Brandenburgische Bodengesellschaft (BBG) sind die Konversionsflächen, so der offizielle Begriff, eine Herausforderung. Sie verwaltet, entwickelt und vermarktet seit 1994 treuhändisch die militärisch belasteten Areale im Auftrag des Landes.

Viele Konversionsflächen sind bis heute nicht verkauft

Fast 20 Prozent der Flächen in Brandenburg befinden sich im Kreis Teltow-Fläming. „Noch immer konnten nicht alle ehemaligen Militärflächen einer zivilen Nutzung zugeführt werden“, erklärt Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) zum Auftakt des diesjährigen Konversionssommers. Die Veranstaltungsreihe will dem Engagement für frühere Militärflächen eine öffentliche Bühne bieten.

Einige der ehemaligen Kasernen in Forst Zinna wurden bereits abgerissen. Viele Gebäude stehen aber auch heute noch auf dem kontaminierten Gelände. Quelle: Martina Burghardt

Viele dieser Areale sind bis heute weder dekontaminiert noch verkauft worden. Forst Zinna zum Beispiel zwischen Jüterbog und Luckenwalde, unweit der Flächen in der Straße Am Schießplatz. In den 1930er-Jahren entstand dort das „Adolf-Hitler-Lager“, wo erst die SS, später verschiedene Beobachtungsabteilungen untergebracht waren. Ganze Dörfer mussten für den Übungsplatz weichen, es entstand ein Bahnhof samt Kleinbahn. Heute liegt die Fläche brach, die Kasernen sind einsturzgefährdet.

Großinvestor kauft Flächen in Jüterbog

„Gerade in jüngster Zeit erzielte Erfolge sind aber weiterhin Ansporn“, sagt Gerber. Jüngste Erfolge. Das sind die neue ILB in Potsdam, ein ganzes Wohngebiet in Eberswalde und die Waldstadt Wünsdorf. So ähnlich wie in der ehemaligen Garnisonstadt bei Zossen, wo Wohnungen mit Einkaufsmöglichkeiten und Schulen sowie Kitas im Ort entstanden sind, könnte es bald auch in Jüterbog rund um die Straße Am Schießplatz aussehen. Der Immobilienentwickler Dolphin Trust aus Hannover hat die 31 Hektar rund um die alte Kaiserkaserne gekauft und einen finanzschweren, asiatischen Großinvestor mitgebracht.

Symbolischer Spatenstich im Saal der Kaiserkaserne: Bürgermeister Arne Raue (2.v.r.) hofft auf gute Zusammenarbeit mit Dolphin Trust und der koreanischen Shinhan Investment Corp. Quelle: Victoria Barnack

Ausschlaggebend für den Standort seien die Verbindung zu Berlin und positive Erfahrungen aus ähnlichen Projekten gewesen. Der Kaufvertrag für ein altes Lazarett ganz in der Nähe wurden bereits eingereicht. Auch am über 80 Hektar großen Forst Zinna zeigt Dolphin Trust Interesse. Dennoch: „Solche Flächen bergen immer ein Risiko“, sagt Geschäftsführer Charles Smethurst. „Bei Magdeburg haben wir ein Areal umgesetzt, auf dem ebenfalls die russische Armee war“, berichtet er, „die Kosten für die Dekontaminierung waren immens.“

Dekontaminierung wird mindestens eine Million Euro kosten

Laut Plänen des Landkreises sind knapp ein Viertel der nun verkauften Flächen im Norden Jüterbogs kontaminiert. Ein altes Gutachten sieht einen sechsstelligen Betrag für die Beräumung vor. „Dabei wird es aber nicht bleiben“, weiß der Geschäftsführer, „wir waren mit Fachleuten auf dem Areal und erwarten wesentlich höhere Kosten.“

Die Investoren aus Hannover und Südkorea vor der Kaiserkaserne. Hier finden bereits bauvorbereitende Maßnahmen statt. Quelle: Victoria Barnack

Während Bauarbeiter die denkmalgeschützten Gebäude sichern, haben sich die Eigentümer aus Hannover mit ihren Großinvestoren von der Shinhan Investment Corp. getroffen, eines der größten und ältesten Geldinstitute in Südkorea. Über Kaufpreise und Baukosten wurde bei dem Meeting vor Ort nicht gesprochen. Stattdessen wurden die ersten Entwürfe für die künftige Nutzung präsentiert. Eine Animation zeigt, was alles möglich wäre: Wohnungen, eine Einfamilienhaussiedlung, Kita, Schule und Waldbad.

Ein erster Entwurf für den neuen Stadtteil sieht neben Schule, Kita und Markthalle auch ein Waldbad vor. Quelle: Mann & Schott Architekten

„Was der Standort dringend braucht, ist eine eigene Identität“, sagt Architekt Kai-Uwe Schott. Er stellt sich dafür eine „Neue Mitte“ im Quartier vor. Nicht nur das Waldbad im äußersten Norden würde sich dafür anbieten. Ein Teil der Konversionsfläche ist bereits verpachtet. Eine Eventfirma aus Nauen will aus den alten Kasernen einen Actionpark machen. Der Plan: Scharf schießen auf vier Schießanlagen mit bis zu 1000 Meter Länge, ein digitales Schießkino, Teilbereiche für Paintball und Softair. Wer wolle, könne das Gelände für eigene Veranstaltungen mieten und sich individuelle Szenen aus den vorhandenen Utensilien zusammenstellen, schreibt die Eventfirma im Internet.

Bürgermeister: „Es muss auch über die Infrastruktur gesprochen werden“

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) zeigt sich nach dem Treffen samt Besichtigungstour durch seine Stadt vorsichtig optimistisch. Er weiß: Damit das große Konversionsprojekt am Ende von Erfolg gekrönt ist, wird mehr nötig sein als ein Actionpark mit guter Anbindung nach Berlin.

„Wenn wir jetzt in die konkrete Planungsphase gehen, muss gleichzeitig mit der Stadt über die Infrastruktur gesprochen werden“, sagt Raue. Eine neue Schule wolle gut geplant sein. Auch eine neue Verkehrsachse ist im ersten Entwurf vorgesehen. Der Flächennutzungsplan für das Gebiet müssen grundlegend verändert werden.

Der Stadtteil-Entwurf von oben: Hier könnten weitere Wohnblöcke entstehen aber auch ein Neubaugebiet für Einfamilienhäuser. Quelle: Mann & Schott Architekten

Bis aus dem sozialen Brennpunkt im Norden von Jüterbog ein pulsierender, neuer Stadtteil geworden ist, wird es noch viele Jahre dauern. „Momentan betreiben wir bauvorbereitende Maßnahmen“, sagt Dolphin Trust-Sprecherin Ulrike Wiedemann. Am Ende will der Immobilienentwickler aus Hannover die Flächen komplett veräußert haben, selbstverständlich gewinnbringend. Wenn sich Eigentümer, Stadt und Landkreis als Denkmalschutzträger schnell einig werden, könnte es 2040 soweit sein.

Von Victoria Barnack

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