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Jüterbog Friedlicher Protest gegen Rechten-Demo
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02:21 19.04.2018
Demonstrationszug gegen die Aktion von „Zukunft Heimat“ in Jüterbog. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Zwei Protestaktionen trafen am Freitagabend in Jüterbog aufeinander: eine rechtsnationale Kundgebung auf dem Markt und ein Gegenprotestzug vom Bahnhof in die Stadtmitte. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt. Über die genaue Einsatzstärke verriet sie aus Sicherheitsgründen nichts.

Die Veranstaltungen verliefen nach bisherigen Erkenntnissen friedlich. Allerdings musste die Polizei gegen zwei Männer vorgehen, die die „Zukunft Heimat“-Kundgebung besuchen wollten. Die Männer (30 und 43 Jahre alt) versuchten, mit Eisenstangen auf den Markt zu gelangen. Der 43-Jährige brüllte rechte Parolen und wehrte sich gegen die Polizisten. Der Mann wurde auf eine Polizeiwache gebracht. Gegen den Jüngeren sprachen die Polizisten einen Platzverweis aus. Die MAZ hatte den Abend mit einem Live-Ticker begleitet.

Rund 300 Menschen haben am Freitagabend in Jüterbog friedlich gegen eine Kundgebung des rechtsnationalen Vereins „Zukunft Heimat“ demonstriert. Deren Kundgebung hat etwa 100 Menschen angezogen.

Demo auf dem Markt und Gegendemo am Bahnhof

Der Verein „Zukunft Heimat“ hatte zu einer Kundgebung auf dem Markt aufgerufen und erwartete 100 bis 200 Teilnehmer. Als Reaktion darauf hatten die Emanzipatorische Antifa Potsdam sowie das Bündnis „NoPegida Brandenburg“ zur Gegendemonstration aufgerufen, die am Bahnhof startete.

Kirche lud zum „Politischen Abendgebet“

In der Nikolaikirche fand zudem ein „Politisches Abendgebet“ als friedliche Alternativ-Veranstaltung der Kirchgemeinde statt. Generalsuperintendent Martin Herche, Superintendentin Katharina Furian und der katholische Priester Pater Anselm kamen als Gastredner. „Nicht dem Hass mit Hass begegnen, sondern den Hassenden den Raum nehmen“, sagte Furian. Bischof Markus Dröge und Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe schickten Grußworte an die Versammlung. Etwa 150 Teilnehmer kamen in die Nikolaikirche.

„Zukunft Heimat“-Demo vor dem Jüterboger Rathaus. Quelle: Uwe Klemens

Gegen 18 Uhr versammelten sich die ersten Gegendemonstranten am Bahnhof. Auf dem Markt wurde derweil eine mobile Bühne hergerichtet, von der unter anderem die AfD-Politikerin Birgit Bessin und Siegfried Däbritz von der Dresdner Pegida auftraten.

Nur 50 Meter trennten die beiden Lager

Der Antifa-Zug mit 120 Marschierern zog etwa eine Stunde lang friedlich bis in die Innenstadt. Gegen 19.30 Uhr kam er am Markt an, wo kurz zuvor auch „Zukunft Heimat“ mit der Kundgebung vor etwa 100 Teilnehmern begonnen hatte. Knapp 50 Meter trennten die beiden Lager, die versuchten, sich akustisch gegenseitig zu übertrumpfen.

Bessin machte bei ihrer Ansprache einen Rundumschlag gegen alle Parteien. „Eines ist sicher: Merkel muss weg!“, sagte sie und ergänzte: „Wir sind der Alptraum der Altparteien.“ Außerdem nahm sie für sich Meinungsfreiheit in Anspruch und kritisierte die Kirche als „Politikbüro“. Von ihren Anhängern erntete sie Beifall, von der Gegendemo: „Halt die Fresse!“

Gegen 20 Uhr lösten sich die Veranstaltungen auf

Als weiteres Thema wurden die Vorwürfe gegen die Jüterboger Flüchtlingshilfe aufgegriffen. Angeblich sollen Mitglieder Straftaten von Flüchtlingen nicht angezeigt haben. Die Ehrenamtler haben dem stets widersprochen. Trotzdem wärmten AfD- und Pegida-Sprecher das Thema auf.

„Politisches Abendgebet" in der Nikolaikirche. Quelle: Uwe Klemens

Gegen 20 Uhr zog die Antifa wieder zurück in Richtung Bahnhof. Sie hatte keine Kundgebung veranstaltet, sondern auf laute Musik und Zwischenrufe gesetzt. Damit störte sie die „Zukunft Heimat“-Kundgebung ein wenig. Diese wurde mit weiteren Rednern auf dem Markt noch ein wenig länger fortgesetzt, bis sich die Teilnehmer zerstreuten.

Vertreter von SPD und Jusos blieben länger am Markt stehen. Bis zum frühen Abend blieb alles ruhig in der Stadt.

Von Alexander Engels

Wenn am Freitag „Zukunft Heimat“ auf dem Jüterboger Markt und die Antifa am Bahnhof demonstrieren, gibt es in der Nikolaikirche ein „Politisches Abendgebet“ mit Bischof Markus Dröge.

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