Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Jüterbog Brandsommer im Rückblick
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Brandsommer im Rückblick
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 31.08.2018
Mit dem Schaumlöscher wurden auf dem Keilberg die letzten Glutnester gelöscht. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Der Sommer dieses Jahres wird in die Geschichte der Feuerwehr als Brandsommer eingehen. Robert Preuß ist stellvertretender Ortswehrführer in Jüterbog, seit 2003 bei der aktiven Wehr dabei und zieht ein erstes Resümee.

Dass die zurückliegenden Wochen für die Kameraden der Wehr die strapaziösesten seit Jahren waren, weiß inzwischen wohl jeder. Lässt sich das auch in Zahlen belegen?

Robert Preuß: Der Vergleich zum Vorjahr zeigt das sehr eindrucksvoll. Im Juli und August 2017 wurden wir 40-mal zum Einsatz beordert, der überwiegende Teil lag dabei bei der technischen Hilfeleistung nach Unfällen. Im Gegensatz dazu waren wir seit Anfang Juli 80-mal im Brandeinsatz. Dazu kommt noch eine Hand voll Einsätze in anderen Kategorien. Insgesamt sind wir in diesem Jahr bereits 173-mal zur Hilfe gerufen worden.

Wie verkraftet man solch ein Pensum als freiwillige Feuerwehr-Einsatzkraft?

Schlecht. Wenn man um 3 Uhr früh aus dem Bett geworfen wird, bis 16 Uhr gegen das Feuer kämpft und danach gleich zum nächsten Einsatz fährt, geht das schon sehr an die körperliche Substanz. Wenn dann am nächsten Morgen schon wieder der Pieper geht, bleibt zum Erholen kein Platz. Das Witzeln der Kameraden „Am besten schlafen wir gleich auf der Wache.“ hat einen ernsten Hintergrund.

Die körperliche Herausforderung ist das Eine. Stecken Feuerwehrleute die seelische Belastung einfach weg?

Nein. Wer seine Familie ganze Tage lang kaum noch zu Gesicht bekommt, für das Wochenende geplante Aktivitäten mit Partner und Kind sausen lassen muss und auch noch den Spagat zu seiner beruflichen Tätigkeit bewältigen muss, steht unter Dauerstress. Dass einige Kameraden inzwischen am Ende eines Einsatzes sagen, dass sie am Sonntag den Pieper ausgeschaltet lassen, um den Tag mit der Familie zu verbringen, kann man gut verstehen. Dass das System Freiwillige Feuerwehr überhaupt noch funktioniert, ist dem großen Verständnis innerhalb der Familie zu verdanken.

Und die Arbeitgeber?

Auch das ist ein schwieriges Thema, das jeder Kamerad unterschiedlich löst. Wer selbstständig ist, kann seine Kunden nicht zwei Wochen lang immer wieder vertrösten und in einer Firma ist es schwierig. Wer morgens mit dem Firmentransporter seine Kollegen zur Baustelle bringen muss, kann nicht in der Nacht zum Einsatz fahren wenn er nicht weiß, ob er rechtzeitig zurück ist. Von der Übermüdung durch die Doppelbelastung gar nicht erst zu reden. Zum Glück haben die meisten Kameraden in den zurückliegenden Wochen Urlaub gehabt oder freie Tage genommen.

Mehrfach berichtet wurde auch über Gesten der Solidarität mit den Kameraden. Hat Ihnen das in dieser schwierigen Zeit geholfen?

Enorm. Wenn man mitten in der Nacht vom Einsatz kommt und vor der Wache ein Stapel Kisten mit Getränken steht und ein Zettel mit einem großen „Danke“ darauf liegt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl, das Kraft gibt für den nächsten Einsatz. Unglaublich berührend war, als beim Dachstuhlbrand in der Tauentzienstraße ein etwa 80-jähriger Mann mit einem Körbchen voller selbst geschmierter Brötchen und einer Kanne heißem Kaffee zu uns kam. Kinder haben für uns Bilder gemalt und sich auf diese Weise gedankt. Andere Leute brachten Kekse und Obst oder spendierten uns Gutscheine. Diese Gesten sind gerade in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Diese und auch die hervorragende Versorgung während der Einsätze durch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben uns durch die schwierige Zeit getragen. Dafür möchten sich alle Kameraden bei allen Bürgern und Unternehmen ausdrücklich bedanken.

Haben die Kameraden Wünsche für die Zukunft? Denn der Klimawandel wird uns Sommer dieser Art sicherlich noch häufiger bescheren.

Die Stimmung unter den Kameraden ist im Großen und Ganzen, trotz der Belastung, gut und die Kameradschaft funktioniert gerade in solchen Situationen. Die technische Ausstattung unserer Wehr ist gut, sodass es da keine Wünsche gibt. Natürlich wird am Rande auch mal über die Höhe der Aufwandsentschädigung gesprochen. Aber für das Engagement ist das nicht ausschlaggebend.

Von Uwe Klemens

Um die Erneuerung der zerschlissenen Tartanbahn im Rohrteichstadion wurde lange debattiert. Nun endlich haben die Bauleute auf dem 400-Meter-Oval die Regie übernommen.

31.08.2018

Alle guten Dinge sind vier, zumindest bei der Tassen-Serie des Jüterboger Händlerstammtischs. Seit Wochenbeginn ist das dritte Motiv erhältlich.

31.08.2018

Emam Ali Nazari lebt seit 2015 im Flüchtlingsheim in Altes Lager, tausende Kilometer von seiner Familie entfernt. Stück für Stück versucht er, sich nun ein geregeltes Leben aufzubauen

03.09.2018