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Jüterbog Neuanfang ohne Terror
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00:21 03.09.2018
Emam Ali Nazari nach dem Feierabend am Jüterboger Bahnhof. Quelle: Isabelle Richter
Jüterbog

Emam Ali Nazari wurde vor 22 Jahren in der afghanischen Stadt Baglan geboren. Nach einer anstrengenden Reise über unzählige Länder ist sein zu Hause seit September 2015 in Deutschland. Als Jugendlichen wollte man ihn zwingen, für eine terroristische Organisation zu arbeiten, erzählt er. Da sah er keine Perspektive mehr in seiner Heimat Afghanistan.

Emam Ali Nazari wollte ganz normal zur Schule gehen und einen Beruf lernen. „Mein Vater hat mir gesagt, dass ein anderes Land besser für mich ist“, erinnert sich der junge Afghane. Bis auf einen kurzen Zwischenstopp in Eisenhüttenstadt, lebt er seitdem im Flüchtlingsheim in Altes Lager.

Lernbereitschaft von Anfang da

Natürlich vermisst Emam Ali Nazari seine Familie. Er hat nur telefonischen Kontakt. Doch in seiner neuen Heimat hat er inzwischen Anschluss gefunden. Nadine Fischer sei für den 22-Jährigen wie eine Mutter, erklärt er. Die Heimleiterin in Altes Lager und Jüterboger Flüchtlingshelferin half ihm dabei, sich in Deutschland ein stabiles Leben aufzubauen.

Zunächst besuchte Emam Ali Nazari Deutschkurse, um sich besser verständigen zu können. „Er ist immer in die Schule gegangen und man hat einfach gemerkt: Er will deutsch lernen“, berichtet Nadine Fischer. Für sie ist der junge Afghane ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration in der Region.

Hoffnung auf eine eigene Wohnung

Seit neun Monaten fährt Emam Ali Nazari fast täglich um 5 Uhr morgens zur Arbeit und kommt erst am späten Nachmittag zurück – selbst am Wochenende muss er ran. Den sechs Kilometer langen Weg von Altes Lager bis zum Jüterboger Bahnhof fährt er mit Fahrrad. Von dort aus geht es mit dem Zug nach Trebbin zu seinem Arbeitsplatz in einer Metallbaufirma in Lüdersdorf.

Für Emam Ali Nazari bedeutet der Job Lebensqualität. „Ich habe mich gelangweilt“, erklärt er rückblickend auf die Zeit, in der er nicht arbeiten durfte. Zudem sei die neue Arbeitsstelle ein guter Start in die Zukunft. Der 22-Jährige möchte unbedingt den Führerschein machen und eine eigene Wohnung haben.

Sehnsucht nach Ruhe und Privatsphäre

Eine Anmeldung bei der Fahrschule hat er bereits – eine Wohnung allerdings noch nicht. Aus Sicht von Betreuerin Nadine Fischer ist es in den vergangenen drei Jahren immer schwieriger geworden, in Jüterbog und Umgebung eine Wohnung zu finden. „Ich glaube, dass viele nicht mehr an Flüchtlinge vermieten wollen. Wenn ich anrufe, sind die Wohnungen noch frei. Wenn ich aber sage für wen die Wohnung eigentlich ist, gibt es sie auf einmal nicht mehr“, berichtet sie. Für die Betreuerin sei das frustrierend – vor allem aber für Menschen wie Emam Ali Nazari.

Flüchtlingswelle: Ereignisse in Jüterbog

September 2014: Die Jüterboger Flüchtlingshilfe wird gegründet, um Bewohner des Heims im Waldauer Weg beim Zurechtfinden in der fremden Umgebung zu unterstützen.

November 2014: Der „Runde Tisch Asyl“ wird gegründet. Alle sechs Wochen treffen sich die Akteure zum Austausch über Hilfsangebote.

November 2015: Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) warnt in einem heftig diskutierten Facebook-Post vor gesundheitlichen Risiken beim Kontakt mit Asylbewerbern.

20. November 2015: Asylgegner ziehen beim „Abendspaziergang“ durch Jüterbog. Am Markt ist eine Gegendemonstration. Knapp eine Stunde nach Demo-Ende wird auf den kirchlichen Jugendtreff Turmstube, der als Flüchtlingstreff genutzt worden war, ein Brandanschlag verübt.

Januar 2016: Die Flüchtlingshilfe zieht ins neue Domizil „Treffpunkt Arche“ in der Großen Straße. Gemeinsames Singen, Spielen oder Hausaufgabenhilfe sind die ersten Angebote. Mit der Zeit etablieren sich regelmäßige Angebote, wie die wöchentliche Teestube.

1. Oktober 2016: Auf die Asylunterkunft für minderjährige Flüchtlinge in der Badergasse wird ein Brandanschlag verübt. Die zwei Täter und ihr Anstifter wurden verurteilt.

August 2017: Der Bund fördert drei Integrationskonzepte der Flüchtlingshilfe. Innerhalb der Projekte wird gemeinsam mit Deutschen und Geflüchteten gekocht, es werden Ausflüge durchgeführt und es man baut Blumenbänke und stellt sie in der Stadt auf.

März 2018: Raban von Studnitz, bis dahin Flüchtlingshilfe-Mitglied, wirft seinen Mitstreitern vor, Straftaten zu verheimlichen. Das Thema schlägt hohe Wellen. Er verlässt die Flüchtlingshilfe.

16. April 2018: Aus Protest gegen Anfeindungen ihrer Pfarrerin sperrt die evangelische Kirchengemeinde Jüterbog die Aussichtstürme der Nikolaikirche für die Öffentlichkeit. Nach einem Krisengespräch zwischen Bürgermeister und Kirchenvertretern werden die Türme ein paar Tage später wieder geöffnet.

Der junge Afghane wohnt mit drei weiteren Flüchtlingen in einem Zimmer. Ruhe zum Lernen oder Privatsphäre hat er dort nicht. Auch wenn er Kommentare wie „Scheiß Flüchtlinge!“ schon öfter auf der Straße zu hören bekommen hat, sagt er dennoch: „Das größte Problem ist für mich ist das Heim. Ich kann nicht lernen. Ich störe andere und andere stören mich.“

Aktuell sind Nadine Fischer und der 22-Jährige noch auf der Suche. Erst am Donnerstag gab es eine erneute Besichtigung. „Ich würde für ihn meine Hand ins Feuer legen und auch für ihn bürgen“, sagt Nadine Fischer.

Von Isabelle Richter

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