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Jüterbog Wind hat gedreht: Feuer nähert sich Pechüle
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Wind hat gedreht: Feuer nähert sich Pechüle
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20:24 26.07.2018
Waldbrand auf dem Schießplatz Jüterbog lodert seit zwei Tagen. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Keine Hoffnung auf ein baldiges Ende des Waldbrandes auf dem ehemaligen Schießplatz bei Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming). Nach einer Beruhigung am Vormittag, brachen sich die Flammen am Nachmittag wieder einen Weg durchs Gehölz der munitionsverseuchten Fläche. Bis zum Donnerstagabend waren es 150 Hektar.

Dass sich das Feuer ausbreiten würde, zeichnete sich schon mittags ab. Da überwanden die Flammen eine wichtige Markierung. Sie übersprangen einen Weg, den die Feuerwehr halten wollte.

Seit Mittwoch brennt es auf dem alten Schießplatz Jüterbog. Das Feuer hat sich am Donnerstagnachmittag sprunghaft ausgedehnt. Einsatz-Impressionen.

Kurz nach 13 Uhr wurden die umliegenden Wehren alarmiert. Acht weitere Tanklöschfahrzeuge wurden angefordert, um die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen. Ziel war, die Flammen auf der neuen Fläche einzudämmen.

Vize-Bürgermeister: „Ende ist nicht absehbar.“

Doch der auffrischende Wind machte die Bemühungen der Feuerwehren aus der Umgebung – inzwischen auch aus Luckenwalde – zunichte. Bis zu 80 Einsatzkräfte waren am Nachmittag vor Ort, berichtet Jüterbogs stellvertretende Bürgermeister, Joachim Wasmansdorff, gegenüber der MAZ: „Ein Ende des Brandes ist nicht absehbar.“

Auch Raimund Engel, Waldbrandbeauftragter der Landesforst, ist pessimistisch. „Ich wage keine Prognose“, sagt er, „wir hoffen, dass der Wind abflaut und die Luftfeuchtigkeit der Nacht das Feuer etwas herunterdrückt.“ Die Feuerwehr rückte am Donnerstagabend mit Einbruch der Nacht wieder ab. Nur ein Beobachterposten blieb.

Vormittags noch Hoffnung auf ein Niederbrennen des Feuers

Noch am Morgen hatte Engel gehofft, das Feuer sei unter Kontrolle. Am Donnerstag um 8 Uhr hatte sich die Feuerwehr zur Lagebesprechung getroffen, nachdem sie abends um 22 Uhr abgerückt war, und anschließend wurde das Areal abgefahren. Zehn Einsatzkräfte waren vormittags vor Ort, um das Brandgeschehen im Blick zu behalten.

Inzwischen hat sich auch der Wind gedreht: Der Brand kommt nun doch wieder in westlicher Richtung voran. Tagsüber ging es nur nach Norden. Zwar ist bislang nur flach bewachsene, heideähnliche Landschaft betroffen – die Fläche hatte früher bereits gebrannt –, aber weiter westliche stehen hohe Wälder und dahinter liegt der Treuenbrietzener Ortsteil Pechüle. Auch Bardenitz und Klausdorf liegen in dieser Richtung.

Vor vielen Jahren wurde schon einmal eine Evakuierung wegen eines Brandes erwogen. Unklar ist ob ein Waldbrandschutzstreifen bereits vom Feuer überwunden wurde. Die Nervosität bei Forst und Einsatzkräften wächst.

Waldbrandschutzkonzept sieht kontrolliertes Abbrennen vor

Bislang war man trotz der Größe des Feuers noch vergleichsweise gelassen. Für das Naturschutzgebiet „Forst Zinna –Jüterbog –Keilberg“ gibt es ein Waldbrandschutzkonzept, das ein kontrolliertes Abbrennen vorsieht.

Die Stiftung Naturlandschaften als Eigentümerin der Flächen hat es erstellt und in den vergangenen Jahren umgesetzt. „Wir sind schon sehr weit gekommen“, sagt Geschäftsführer Andreas Meißner. Erst im vorigen Jahr wurden vier Löschwasserbrunnen angelegt. Außerdem gibt es in bestimmten Bereichen breite Brandschutzschneisen, um ein Feuer am Ausbreiten zu hindern.

Waldbrand Schießplatz Keilberg Jüterbog Quelle: Uwe Klemens

Gelöscht werden kann ohnehin auf den meisten Flächen nicht. Der ehemalige Übungsplatz der Artillerie mit 160 Jahren alten Munitionsresten kontaminiert ist. Einsatzkräfte bekamen am Mittwoch auch eine Detonation mit. Das Feuer war am Mittwochmittag ausgebrochen. Mehrere Feuerwehren machten sich auf dem Weg zum Brandort.

Landwirt hilft Feuerwehr bei der Löschwasser-Versorgung

Auch die Forst, die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg als Flächeneigentümerin und die Stadt Jüterbog sind mit Vertretern vor Ort. Außerdem hilft die Agrargenossenschaft Felgentreu der Feuerwehr. Sie hat einen Traktor und einen 18.000-Liter-Tank zur Verfügung gestellt. Damit wird Wasser aus einem Brunnen im Treuenbrietzener Ortsteil Pechüle geholt, um einen Löschteich im Einsatzgebiet aufzufüllen. Aus diesem bedienen sich die Einsatzkräfte. Sie benässen Randbereiche und Wege.

Waldbrand Schießplatz Keilberg Jüterbog Quelle: Uwe Klemens

In der Region gilt wegen der aktuellen Hitze und Trockenheit die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5. In Brandenburg war es zuletzt mehrfach zu Bränden auf früheren Truppenübungsplätzen gekommen.

Militärische Prägung einer ganzen Region

Die militärische Geschichte hat die Region rings um Jüterbog geprägt. Der Konversionssommer beschäftigt sich mit der Nachnutzung der riesigen Areale und einzelner historischer Bauwerke. Zudem gibt es für die Kasernenstadt Jüterbog II neue, weitreichende Pläne für eine Wohnlandschaft und einen Action-Park. Auch Wissenschaftler haben sich mit der Historie des Jüterboger Landes befasst. Jüterbogs Bahnhof gehört zu ältesten erhaltenen Bahnhöfen Brandenburgs.

Von Alexander Engels und Uwe Klemens

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