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Jüterbog Kurioses zum Jubiläum
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09:54 22.10.2013
Markus Schulze zeigt in einer Sonderausstellung die Tüftelarbeiten seines Großvaters. Quelle: KATHRIN BURGHARDT
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Jüterbog

Der Enkel des Tüftlers, Markus Schulze, erklärt die Raritäten den Besuchern und zeigt, wie sie funktionieren. „Mein Großvater war ein leidenschaftlicher Bastler. Ich kenne ihn eigentlich immer nur, wie er im blauen Kittel in seiner Werkstatt sitzt und an irgendetwas bastelt oder schraubt“, erinnert er sich. Alfred Schulze hätte stets selbst hergestellt, was er im Alltag braucht. „Seine Feuerzeuge waren zum Beispiel immer alle. Weil er gerne Pfeife rauchte, hat er dieses Kurbelfeuerzeug erfunden“, erläutert Schulze die eigenartige Maschine.

Der gelernte Mechaniker Alfred Schulze gründete im Oktober 1928 sein Geschäft. Dort reparierte er nicht nur motorisierte Zweiräder, sondern produzierte auch Kinder-Holzroller. Denen gab er den Namen „Sausewind“. Noch heute trägt die Firma diesen Namen. „Die Kindertretroller waren der Renner. Leider musste mein Großvater irgendwann in den Krieg ziehen, so endete das mit dem Rollergeschäft. Für einen Fernsehfilm haben wir jedoch vor ein paar Jahren einen dieser Roller nachgebaut. Der blieb jedoch als Requisite bei der Produktionsfirma. Wir haben aber schon häufiger überlegt, ob wir die Sausewind-Roller demnächst wieder herstellen sollten“, verrät Markus Schulze.

Aus der Rollerwerkstatt von einst wurde nach dem Krieg einer der bekanntesten Zweiradhändler der DDR. Ein paar Jahre später galt „Sausewind“ als der bedeutendste Ersatzteilhändler. „Egal was du brauchst, du bekommst es bei Sausewind in Jüterbog, war ein Satz, der in der gesamten DDR gesagt wurde“, ist Markus Schulze stolz auf seinen Familienbetrieb.

„Jeden Monat verlassen etwas mehr als 2000 Pakete unser Lager. Wir verschicken sogar schon Ersatzteile nach England, Russland oder in die Schweiz“, zählt Schulze auf. Ein Lager mit mehr als 5000 original verpackten Einzelteilen macht das möglich. „Mein Vater hat dafür gesorgt. Er hat schon zu DDR-Zeiten dieses unglaubliche Großlager aufgebaut.“ Engpässe gibt es nur bei wenigen Sonderbauteilen. „Also ein Cabrio-Verdeck für einen Trabant zu bekommen, das ist auch für uns extrem schwierig. Alles andere haben wir auf Vorrat da.“ Was dennoch einmal fehlen sollte, wird spezial gefertigt.

In diesem Jahr eröffnete „Sausewind“ eine Werkstatt, die auf DDR-Fahrzeuge spezialisiert ist. „Egal, ob am Moped etwas kaputt ist oder man einen alten B1000 wieder aufbauen möchte, das geht bei uns in der Werkstatt. Die Nachfrage wird immer größer“, sagt Markus Schulze. So groß, dass das Unternehmen auch zwei Lehrlinge einstellen möchte, die sich neben modernen Fahrzeugen auch für DDR-Gefährte begeistern können. „Geeignete Auszubildende dafür zu finden, ist uns bislang noch nicht gelungen. Eine sichere Arbeit hätte der Lehrling aber“, wirbt Markus Schulze. Am liebsten wäre ihm natürlich, einen kreativen Kopf für diesen Posten zu finden. So einen, wie es einst sein Großvater war.

Von Kathrin Burghardt

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