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Nach 43 Jahren Lehrerzeit ist jetzt Schluss

Werbig verabschiedet Christiane Faehse Nach 43 Jahren Lehrerzeit ist jetzt Schluss

Lehrerin, das wollte sie schon mit zehn werden. Und es macht ihr noch immer Spaß. Trotzdem ist jetzt Schluss für die Schulleiterin der Grundschule Werbig. Nach 43 Jahren geht Christiane Faehse in den Ruhestand.

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Am Mittwoch hat Schulleiterin Christiane Faehse ihren letzten Schultag.

Quelle: Uwe Klemens

Werbig. Lehrerin zu werden, stand für Christiane Faehse schon fest, als sie noch selbst zur Schule geht. Heute packt die 63-jährige Welsickendorferin zum letzten Mal ihren Schulranzen.Nach 43 Jahren Lehrer-Dasein und 14 Jahren Schulleiter-Dienst geht die Pädagogin mit Beginn der Sommerferien in den Ruhestand.

Den Funken, der die Zehnjährige für den Lehrer-Beruf entfachte, hat Faehse, die damals noch Wenzel hieß, einer ihrer Unterstufenlehrerinnen zu verdanken. „Ich war begeistert von der Art, wie Frau Bressel uns Schülern den Stoff vermittelte“ erinnert sich Christiane Faehse. Stück für Stück übernahm sie kleinere, pädagogische Aufgaben, half jüngeren Schülern beim Lernen und bei den Hausaufgaben und stand später bei den so genannten Ferienspielen und im Schwimmlager als Helferin zu Verfügung.

Die Eltern waren zunächst nicht begeistert

„Als meine Eltern, die Bauern waren, von meinem Berufswunsch erfuhren, gab es zwar etwas Kummer, aber zum Glück nicht lange, weil mein Vater erkannte, dass ich für die Landwirtschaft wirklich ziemlich ungeeignet war und nicht mal Roggen von Weizen unterscheiden konnte“, blickt sie zurück. Der Weg in den Beruf, der sie bis heute mit Herzblut erfüllt, war frei.

Am Potsdamer Institut für Lehrerbildung absolvierte sie ihre Ausbildung zur Unterstufenlehrerin für die Fächer Deutsch, Mathematik und Sport und kehrte als frischgebackene Pädagogin 1974 dorthin zurück, wo sie selbst einst zur Schule ging: An die Polytechnische Oberschule Hohenahlsdorf, wo sie eine sechste Klasse als Klassenlehrerin übernahm. Ihr noch aus Schülertagen vertrauter Direktor Hans-Jürgen Bogula wurde nun ihr Chef und nahm sie stolz unter seine Fittiche. „Als Junglehrerin im Lehrerkollektiv von Anfang an akzeptiert zu werden, war damals völlig normal“, erinnert sie sich. „Uns einte schließlich das selbe Bemühen: Mit Fleiß daran zu arbeiten, dass aus den Kindern was wird.“

Mit ihrem Moped war sie bald bei den Schülern bekannt

Im Laufe weniger Jahren kannte sie alle Schulen in den Dörfern ringsum. Wenn ihr Moped in Zellendorf, Bochow oder anderswo auf das Schulgelände knatterte, wussten die Schüler, dass die Vertretungslehrerin wieder da war, die inzwischen auch in Biologie und Russisch unterrichtete. Zusammen mit Schülern und Lehrern bezog sie 1979 die neugebaute Schule in Werbig, der sie bis heute die Treue hielt.

Mit einer Spur Wehmut blickt sie heute auf die Achtung zurück, die man „damals“ vor dem Lehrerberuf besaß. „Bei Gesprächen in den Elternhäusern war der Tisch immer gedeckt, fast so, als wenn der Pfarrer gekommen wäre. Das Essen war nicht das Wichtige, sondern der Respekt, der aus dieser Geste sprach. Ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern aufzubauen, ist heute viel schwieriger. Auch der Blick der Schüler auf den Lehrer hat sich gewandelt. Fiel mir früher am Lehrerpult etwas herunter, sprang die halbe Klasse, um es aufzuheben. Heute melden sich drei Schüler ‚Frau Faehse, ihnen ist was runtergefallen.“ Auch hier ist es die Geste, die für Christiane Faehse zählt, nicht die Mühe, sich selbst zu bücken.

Nach der Wende übernahm sie die Leitung der Grundschule

1995 wurde sie stellvertretende Leiterin der inzwischen von der einstigen POS abgetrennten Grundschule, 2003 übernahm sie gänzlich deren Leitung. Die seither erfolgten Kurswechsel in der Schulpolitik zu zählen, hat sie nie versucht, nicht alle davon sieht sie im Rückblick mit Begeisterung. „Aber in Werbig zu unterrichten macht immer noch Spaß. Dass Kollegen aus anderen Schulen, die zum Hospitieren oder als Vertretung kommen, immer wieder von der Atmosphäre in der Ludwig-von-Arnim-Schule schwärmen, erfüllt sie mit Stolz.

Auf ihren Ruhestand freut sich die zweifache Mutter und fünffache Oma schon sehr. Die persönliche Projektliste ist lang und reicht von Familienurlauben an der Ostsee über Radtouren entlang der Elbe bis zur Anschaffung eines Hundes, für den sie bislang nicht genügend Zeit gehabt hätte. Vor allem auf die gemeinsam mit ihren Enkeln verbrachte Zeit freut sich Christiane Faehse sehr. Wenn die beiden Jüngsten im nächsten Jahr eingeschult werden, wird ihre Oma die Einschulungsfeier besonders genießen. Als die drei Älteren in die Schule kamen, war ihr das nicht vergönnt, da sie in „ihrer“ Schule die Festrede hielt.

Von Uwe Klemens

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