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Jüterbog Ruinen verschandeln sanierte Altstadt
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19:19 14.03.2019
Die „Schlossbuden“ in der Schlossstraße gehören zu den besonders auffälligen Problemimmobilien in Jüterbog. Quelle: Hartmut F. Reck
Jüterbog

Schrottimmobilien“ ist ein böses Wort. Deshalb hat man sich offiziell auf den Begriff „Problemimmobilien“ geeinigt, selbst wenn man weiterhin der Überzeugung ist, dass sie „Schrott“, also nicht mehr zu gebrauchen, zu bewohnen, zu reparieren sind. Ob sie nun aber schrottig, oder ob sie vielleicht doch nicht in einem ganz so schlimmen Zustand sind, ändert nichts daran, dass sie in der weitgehend sanierten Innenstadt von Jüterbog ein Problem darstellen.

Erfolgreiche aber nicht vollständige Sanierung

„Die Sanierung der Innenstadt ist ein Riesenerfolg“, sagte Eberhard Mertens (Bauernverband) bei der Sitzung des Bau- und Sanierungsausschusses, dessen Vorsitzender er ist, am Mittwochabend. Umso weniger sei es einzusehen, warum so viele heruntergekommene Häuser, die nicht mehr sanierbar seien, unter Denkmalschutz stehen. Anstatt diese abreißen und an ihrer Stelle neue Häuser bauen zu dürfen, wie es auch in anderen historischen Altstädten wie etwa Lübeck möglich sei, bestehe die Denkmalschutzbehörde darauf, dass auch Ruinen Denkmäler seien.

Selbstverwaltung wird zur Farce

„Da aber weder die Landrätin noch das Land die Befugnis haben, auf die Denkmalschützer Einfluss zu nehmen“, schimpfte Mertens, „lassen wir es zu, dass die Stadt immer mehr verschandelt wird.“ So werde kommunale Selbstverwaltung zur Farce, wenn man doch nichts zu sagen habe, meinte der Ausschussvorsitzende.

Das Planungsbüro hat 46 leerstehende Immobilien in der Jüterboger Altstadt, in der Wallanlage und in den mittelalterlichen Vorstädten untersucht. Davon würden sich nur bei zweien eine Sanierung lohnen, 25 wären nur mit großem Aufwand marktgängig und 19 reine Problem- beziehungsweise Schrottimmobilien. Eine Auswahl in Bildern:

Damit leitete er den Tagesordnungspunkt ein, wie man mit solchen Problemimmobilien umgehen könne. Dazu hielt Anja Bruckbauer vom Sanierungsträger und Jüterboger Planungsbüro Bruckbauer und Hennen einen Vortrag, wie ihr Büro bestehende Leerstandsimmobilien kategorisiert und „potenzielle Schrottimmobilien“ identifiziert hat. So habe man etwa 50 Leerstandsimmobilen einer Bewertungsmatrix unterzogen, bei der Punkte vergeben wurden für den Zustand der Dächer, der Tür-, Tor- und Fensteröffnungen, der Fassaden, des ordnungsrechtlichen Sicherungsbedarfs, des Leerstands und der möglichen Nachnutzbarkeit.

Drei Kategorien

Die Einteilung erfolgte in folgende Kategorien: Grün: noch marktgängige Leerstandsimmobilien, bei denen die Bausubstanz noch gut genug ist, um sie auf dem freien Markt anbieten zu können; Gelb: eingeschränkt marktgängige Immobilien, die sich nur noch mit gezielten Instandsetzungsarbeiten vermarkten lassen, und Rot: potenzielle Schrottimmobilien, die so gut wie nicht mehr nutzbar gemacht werden können.

Denkmalschutz besteht auf Ensemble-Charakter

In der Altstadt machte das Planungsbüro neun rote, 19 gelbe und nur zwei grüne Problemimmobilien aus. In den mittelalterlichen Vorstädten und der Wallanlage zählte es zehn rote, sechs gelbe und keine einzige grüne bauliche Hinterlassenschaft. Dieses Ergebnis habe man schon vor einem Jahr der Denkmalschutzbehörde vorgelegt. Diese beharre aber darauf, dass der Ensemble-Charakter erhalten bleibe. So komme ein Rückbau nicht in Frage. So wurde die Stadt damit beauftragt, sieben Gebäude in der Altstadt und acht in den Vorstädten zu sichern, womit man demnächst beginnen werde, so Bruckbauer.

Von Hartmut F. Reck

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