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Schützengilde zu Jüterbog pflegt die Tradition

Jüterbog Schützengilde zu Jüterbog pflegt die Tradition

Die Schützengilde zu Jüterbog 1405 versteht sich auf Traditionspflege. MAZ-Autorin Angela Rändel sprach mit dem Vereinsvorsitzenden Wolfgang Gast über den Umgang mit Waffen in Zeiten von Terror und Amokläufen.

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Der Vorsitzende der Schützengilde zu Jüterbog 1405 Wolfgang Gast.

Quelle: Angela Rändel

Jüterbog. Federbausch auf Männerköpfen, Orden an stolzer Brust, militärische Befehle und Salutschüsse. Keine unauffällige Staffage, mit der am Sonnabend Jüterbogs neue Schützenmajestäten proklamiert wurden. Die „Schützengilde zu Jüterbog 1405“ zählt mit mehr als 600 Jahren zu den ältesten im Land. Ihr Vorsitzender Wolfgang Gast war auf dem Schützenfest für ein Gespräch bereit:

Sie sind seit 1994 in Jüterbogs Schützengilde. Welche Motive gab es für Sie, hier einzutreten?

Mein Großvater war schon dabei und seinerzeit Schützenkönig. Mir lag daran, die Feste unserer Vorfahren, Schützenfest und Schützenball, wiederzubeleben. Außerdem schieße ich gern.

Basiert die Freude am Schießen auch auf einer archaischen Lust zum Töten?

Nein, auf keinen Fall.

Sie sind versiert im Umgang mit Klein- und Großkalibergewehren, Schwarzpulverwaffen, Klein- und Großkaliberpistolen. Haben Sie die auch zu Hause?

Ja, aber sie sind gut verschlossen.

Gibt es in Ihrem Verein die üblichen Nachwuchsprobleme?

Seitdem wir auch Bogenschießen anbieten, verzeichnen wir einen Zulauf. Derzeit zählen wir 162 Mitglieder.

Für viele junge Menschen ist mediale Gewalt so selbstverständlich geworden wie Ego-Shooter und Kriegsspiele am PC. Sollte man sie auch mit echten Waffen spielen lassen?

Wenn jemand Mitglied wird, drücken wir ihm nicht gleich eine Waffe in die Hand. Er braucht ein Führungszeugnis, muss sich bei uns vorstellen und wird auf dem Schießplatz von einem erfahrenen Mitglied betreut. Ich bin seit zwölf2 Jahren Vorsitzender. Wenn jemand auffällig ist, würde ich das merken.

Das einzige Auffällige an Psychopathen ist allenfalls ihre Unauffälligkeit. Sie erinnern sich noch an den Erfurter Amokläufer?

Tja. Sicher kann man sich nie sein. Bei uns jedenfalls hat noch niemand frei gedreht. Und ich hoffe, dass dies auch so bleibt.

Aus der berechtigten Angst vor Terroranschlägen wurde der Ruf laut, Deutsche sollten zu ihrem Schutz eine Waffe bei sich tragen dürfen.

Davon rate ich dringend ab! Die Hemmschwelle, eine Waffe zu benutzen, wird bei einem Angreifer immer niedriger sein als beim Opfer.

Am Sonnabend legte Ihre Traditionskompanie Blumen am Denkmal in der Dennewitzer Straße ab, das die „im Kampfe für das Vaterland gefallenen Helden“ des Ersten Weltkriegs ehrt. Verneigen Sie sich auch vor den Opfern des Zweiten Weltkrieges?

Unbedingt. Unsere Gilde ist keine rechtsextreme Gruppierung. Der Nationalsozialismus brachte so viel Unheil, dass wir an den Folgen noch heute knabbern. Leider gibt es in Jüterbog kein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Was wünschen Sie Ihrer Gilde?

Mehr Anerkennung durch die Kommunalpolitik. Uns werden Steine in den Weg gelegt durch Genehmigungsverfahren, Gebühren und Begrenzung der Schusszahlen bei Ehrensalven. Dabei setzen wir uns für die Traditionspflege ebenso ein wie andere Vereine.

Von Anja Rändel

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