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Jüterbog Warum der Schornstein in Jüterbog nicht fallen wollte
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01:16 07.12.2018
Harter Brocken: Auf dem ehemaligen Militärgelände wurde einst für die Ewigkeit gebaut. Viel Eisen sorgte dafür, dass der Schornstein nach der Sprengung nicht umfiel. Quelle: Victoria Barnack
Jüterbog

Der Schornstein auf dem alten Militärgelände Jüterbog-Damm war Nummer 433 für Daniel Maul und seine Kollegen. Seit 1990 sprengt das Unternehmern jede Woche mehrere Bauwerke in ganz Deutschland. „Aber Jüterbog wird mir besonders in Erinnerung bleiben“, sagt Sprengingenieur Maul. Denn der Schornstein, der einst neben dem Heizhaus auf dem Damm-Gelände stand, wollte am Dienstag einfach nicht fallen.

Mehrere Anläufe brauchte das Sprengunternehmen aus Thüringen, um den Schornstein auf der einstigen Militärfläche zum Fall zu bringen. Dank schwerer Technik gab der Turm nach mehr als einer Stunde schließlich nach.

„Die DDR hat sich bei den Fundamenten nicht lumpen lassen“, berichtet Daniel Maul über den Hintergrund und Erfahrungen von ähnlichen Gebäuden. Mit einer Höhe von knapp 40 Metern und einer stabilen Stahlbetonkonstruktion war der Schornstein in Jüterbog eigentlich kein außergewöhnlicher Bau.

Der Plan des Sprengunternehmens aus Thüringen war deshalb simpel: Mehrere Löcher wurden am Fuß des Turms gebohrt; darin der Sprengstoff Eurodyn 2000 verstaut und mit 14 Zündern versehen. Knapp 3,5 Kilogramm Sprengstoff sollten den Schornstein auf diese Weise zum Umkippen in Richtung Süden bringen.

„Ein Drittel mehr Eisen als erwartet“

„Weil wir wissen, dass die Eisendichte bei solchen Bauten sehr hoch ist – das heißt sehr viel sehr starkes Eisen in kurzen Abständen verbaut wurde – berechnen wir die entsprechende Menge im Vorfeld“, erklärt Sprengingenieur Maul. Doch der Plan scheiterte. Nach dem Knall gegen 14.30 Uhr wackelte der Turm kurz und der Sprengstoff wirbelte viel Staub auf, doch der Schornstein fiel nicht. „Hier war ein Drittel mehr Eisen drin als wir nach unseren Berechnungen erwartet hatten“, erzählt Daniel Maul im Nachhinein. „Dieses Drittel sorgte dafür, dass der Turm stehen blieb.“

Circa 3,5 Kilogramm Sprengstoff wurden am Turmfuß angebracht. Quelle: Victoria Barnack

Bei den Einsatzkräften der Stadt, der Feuerwehr und den anwesenden Mitarbeitern herrschte Ratlosigkeit. „Wir arbeiten an einer Lösung“, gab das Sprengteam per Funk durch. Der Waldauer Weg, der für die Sprengung gesperrt worden war, wurde während der Bedenkzeit wieder freigegeben. Auch einige Schaulustige versammelten sich auf dem nahen Friedhof und am Straßenrand.

Doch das Vorhaben war nach dem Fehlversuch riskanter als zuvor. Der 40 Meter hohe Turm befand sich lediglich 42 Meter von der Straße entfernt und hätte nach der ersten Sprengung jederzeit umstürzen können. „Denn der Turm ist dadurch baufällig geworden“, erklärte Jüterbogs Bauamtsleiter Joachim Wasmansdorff. „Theoretisch hätte er nun in jede Richtung fallen können – eine sehr gefährliche Situation, mit der wir im Vorfeld nicht gerechnet haben.“ Tatsächlich laufen mehr als 90 Prozent aller vergleichbaren Abbruchsprengungen problemlos ab, berichtet Sprengingenieur Daniel Maul.

Mit dem Bagger zu Fall gebracht

Eine halbe Stunde später startete das Team aus Thüringen schließlich den nächsten Versuch. Nicht Sprengstoff, sondern ein Bagger sollte die Erlösung bringen, indem am unteren Turmende gezogen wurde. „Das ist eine bewährte Methode in solchen Fällen“, erklärt Maul, „aber vor allem ist es die sicherste Vorgehensweise, wenn das Bauwerk nach einer Sprengung so labil ist.“

Doch auch mit dem Bagger scheiterte der erste Versuch: Das gespannte Seil riss. Erst kurz nach 15.30 Uhr ertönte das erlösende Signal: Mit dem dritten Ansetzen des Baggers gab die Stahlbetonkonstruktion endlich nach und fiel mit lautem Knall zu Boden.

Dank schwerer Technik kippte die stabile Stahlbetonkonstruktion nach mehreren Stunden der Vorbereitung schließlich um. Quelle: Victoria Barnack

Während die Arbeit in Jüterbog für Daniel Maul und das Thüringer Sprengunternehmen damit beendet ist, herrscht auf der ehemaligen Damm-Kaserne noch lange keine Ruhe. Seit November sind die Abrissarbeiten dort in vollem Gange. Die Brandenburgische Boden, die das Areal in den 1990er Jahren als Konversionsfläche übernommen hatte, baut das einstige Militärgelände derzeit Schritt für Schritt zurück.

„Mit dem Baufeld Nummer 3, auf dem sich unter anderen der Schornstein und das Heizhaus befanden, werden wir wahrscheinlich im Februar fertig sein“, berichtet Bauüberwacherin Marion Espe.

Rückbau auf dem Gelände seit 2015

Auf dem mehr als 5000 Quadratmeter großen Teilstück wurden bereits mehrere Gebäude abgerissen. Nur ein altes Wohnhaus und eine versiegelte Fläche müssen noch beseitigt und die Abfälle entsorgt werden. Zahlreiche andere Gebäude auf dem Kasernengelände bleiben wegen des Denkmalschutzes vorerst bestehen, erklärt die Bauüberwacherin.

Wie es mit dem Gelände in den nächsten Jahren weitergeht, ist bisher unklar. Noch sei kein Auftrag für Bauarbeiten auf einem weiteren Abschnitt ausgelöst worden, berichtet Espe. Seit 2015 finden der Rückbau und die Entsiegelung des Kasernengeländes Jüterbog-Damm statt.

Von Victoria Barnack

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