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Sündenfresser nimmt öffentlich Beichten ab

Mitten auf dem Jüterboger Marktplatz Sündenfresser nimmt öffentlich Beichten ab

In einem selbstgebauten Sündenfresser kann man auf dem Jüterboger Marktplatz seine Schandtaten preisgeben. Die Besucher reagierten verhalten – ihre Aufmerksamkeit hatte der Stuhl aber trotzdem. Schülerinnen der Evangelischen Grundschule Jüterbog und der Medienschule Babelsberg haben dabei ihre Finger im Spiel.

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Ab in den Sündenfresser: Den meisten Jüterbogern, die vorbeikamen, war gestern allerdings nicht nach beichten zumute. Sie hatten offenbar ein reines Gewissen.

Quelle: Isabelle Richter

Jüterbog. Claudia Hofrichter schaudert es vor dem Beichtstuhl. „Dort ist es ja schon ein bisschen gruselig“, findet die Passantin, die über den Jüterboger Markt schlendert. Zu beichten hat sie nichts. Trotzdem findet sie es gut, „dass die Jugendlichen sich damit beschäftigen“.

Der Sündenfresser entstand im Kunstunterricht

Es ist die Sünde, mit der sich die Wiesenschülerinnen des Kunstkurses von Kunstlehrerin Sarah Schulz beschäftigen. Neugierige Blicke aus der Ferne ernteten sie gestern Vormittag für ein ganz besonderes Stück, das sie vor dem Rathaus ausgestellt hatten: einen selbstgebastelten Beichtstuhl.

Der „Sündenfresser“, wie sie ihn selbst nennen, entstand im Rahmen ihres Kunstkurses und ist ein Beitrag zum Projekt „denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Kooperation mit der Evangelischen Grundschule Jüterbog und der Medienschule Babelsberg soll den Schülern die Themen Reformation, Religion und Denkmalschutz näher bringen. Darüber hinaus soll das Interesse für künstlerische Arbeit gefördert werden.

Über Himmel, Hölle und die sieben Todsünden

In diesem Schuljahr widmeten sich die Wiesenschüler deshalb denkmalgeschützten Sakralbauten im Land Brandenburg und setzten ihre Ideen um. Dazu beschäftigten sie sich nicht nur mit der Geschichte und Architektur, sondern auch mit Begriffen wie Himmel und Hölle sowie Sünde und Beichte.

„Früher hatten die Menschen ganz große Angst davor, was nach dem Tod passiert“, sagt Sarah Schultz. Ihnen war klar: Wer zu Lebzeiten eine der sieben Todsünden begangen hatte, muss zur Strafe für lange Zeit in der Hölle schmoren. Um das Schlimmste zu vermeiden, half damals nur der Gang zum Beichtstuhl.

An die letzte Sünde kann oder will sich kaum jemand erinnern

Obwohl die Oberschülerinnen sich einig sind, dass die Angst vor dem Tod und dem Danach heutzutage nicht mehr so präsent ist wie früher, finden sie doch, dass es der Seele guttue, sich durch eine Beichte von seinen Lasten zu befreien.

Doch die meisten Marktbesucher an diesem Tag haben offenbar ein reines Gewissen. An ihre letzte Sünde können sich die wenigsten erinnern. Vielleicht ist es der immer noch anhaltende Respekt vor diesem Thema, vielleicht auch die Frage: Wo fängt Sünde eigentlich an?

Die Definition einer Sünde fällt unterschiedlich aus

Kunstlehrerin Sarah Schultz sieht das eher pragmatisch: „Es ist doch wirklich schwer, nicht zu sündigen. Man isst ja öfter mal mehr als man muss.“ Joanna Antelmann dagegen glaubt, hinter einer Sünde stecke mehr als ein wenig Neid oder ein dicker Bauch.

„Für mich ist es eine Sünde, wenn man seine Freunde oder Familie betrogen hat“, sagt die Schülerin. Sie glaubt übrigens auch nicht an den Mythos, dass es für einen Teil der Menschheit nach dem Tod in die Hölle geht.

Demnächst auch in einer Sonderausstellung zu sehen

Wer den Beichtstuhl verpasst hat, muss sich nicht ärgern. Die nächste Möglichkeit, ihn zu nutzen, gibt es während der Sonderausstellung im September im Kulturquartier.

Von Isabelle Richter

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