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Jüterbog Kampf gegen die letzten Glutnester
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Kampf gegen die letzten Glutnester
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19:00 30.07.2018
Mit Löschschaum gehen die Kameraden der Jüterboger Wehr auch einen Tag nach dem „Feuer-aus“ Signal gegen die verbliebenen Glutnester vor. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Mindestens 250 Hektar Waldfläche sind dem jüngsten Brand auf dem ehemaligen Schießplatz Jüterbog zum Opfer gefallen – so die traurige Bilanz. Dass das Ausbreiten des Feuers über das angelegte Netz an Brandschutzstreifen hinaus verhindert werden konnte, ist dem engagierten Einsatz der Helfer zu verdanken. Bis zu 120 Feuerwehrleute gleichzeitig waren fünf Tage lang unter Einsatz ihres Lebens im Einsatz, die Mitarbeiter der Forst, der Stiftung Naturlandschaften, des DRK, der Polizei, der Agrargenossenschaft und der Stadtverwaltung noch nicht einmal mitgerechnet, die alle ihren Beitrag leisteten, um den reibungslosen Ablauf der Brandbekämpfung zu gewährleisten.

Glutnester noch am „Tag danach“ in Schach gehalten

Für Jüterbogs stellvertretenden Stadtwehrführer Michael Rinderle, der den Einsatz leitete, und die Besatzung eines Tanklöschfahrzeuges gab es auch nach der offiziellen „Feuer aus“-Entwarnung am Sonntagmittag noch keinen Feierabend. Am Montag patrouillierten die Kameraden entlang des von Altmunition beräumten Brandstreifens um qualmende Glutnester mit Wasser und Löschschaum in Schach zu halten. Auch in den nächsten Tagen werden die Kontrollfahrten fortgesetzt.

Zu den glücklichen Umständen, dass das Feuer am fünften Tag des Einsatzes besiegt werden konnte, gehört der etwa halbstündige Regen am Samstagabend und die erst in diesem Jahr mit der Scheibenegge auf Vordermann gebrachten Schutzstreifen. „Knapp 20.000 Euro hat uns diese Maßnahme auf all unseren Flächen gekostet“, sagt Liegenschaftsverwalter Andreas Schulze von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, der das Gelände gehört. Mit 7100 Hektar ist der Jüterboger Schießplatz mit Abstand das größte Areal. Zusammen mit dem nahegelegenen Schießplatz Heidehof, sowie weiteren Flächen in Lieberose und Tangersdorf beträgt die gesamte Stiftungsfläche 13.600 Hektar.

Scharfe Granate fast zu spät bemerkt

Wie richtig die Entscheidung Rinderles war, die Einsatzkräfte aus Sicherheitsgründen über Nacht abzuziehen, hatte sich bereits am Donnerstag gezeigt. Stiftungsgeschäftsführer Andreas Meißner sah auf einem als beräumt geltenden Waldweg eine scharfe Granate aus dem Boden ragen. Diese wurde während der Löscharbeiten vom Munitionsbergungsdienst beräumt. Bereits mehrere Einsatzfahrzeuge waren zuvor über die Granate gefahren.

„Kameraden warten auf ein Signal“

Die Hoffnung, dass Land oder Bund die Kosten für die Entsorgung der militärischen Altlasten übernehmen, hegt in Jüterbog schon lange niemand mehr. Doch das mangelnde Interesse für die Sorgen der Feuerwehrleute treibt nicht nur Bürgermeister Arne Raue (parteilos) Zornesfalten auf die Stirn. „Die Feuerwehren im ganzen Land sterben langsam vor sich hin, aber die Kameraden hoffen seit langem vergeblich auf ein Signal von der Politik, dass man die Sorgen ernst nimmt. Ich persönlich schäme mich dafür, die von irgendeinem Minister aus Potsdam geschickten Blechorden den Kameraden, die für uns ihr Leben riskieren, an die Brust zu heften“, empörte sich Raue gestern am Einsatzort. „Wir als Stadt werden uns noch etwas Würdiges Einfallen lassen, um allen hier beteiligten Kameraden ,Danke’ zu sagen.“

Von Uwe Klemens

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