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Jüterbog Wartehalle am Jüterboger Bahnhof schließt
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Wartehalle am Jüterboger Bahnhof schließt
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01:15 06.12.2018
Für das Empfangsgebäude des Jüterboger Bahnhofs hatte der neue Eigentümer Konrad Ertl große Pläne, die nun zu scheitern drohen. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Ab Mittwoch müssen Pendler in Jüterbog auf Vieles verzichten: ein warmer Warteplatz, Kaffee aus der Region, Toiletten. Die Wartehalle am Bahnhof schließt. „Wenngleich viele Tausende unsere treuen Kunden geworden sind, so haben uns seit fast einem Jahr die entscheidenden Stellen im Stich gelassen“, erklärt der Eigentümer des Gebäudes, Konrad Ertl. In einem offenen Brief kündigt er die Stilllegung des Angebotes an. Damit könnte auch der Traum von einer Sanierung des denkmalgeschützten Empfangsgebäudes platzen.

Seit knapp einem Jahr betreibt Ertl die Wartehalle am Jüterboger Bahnhof privat. Neben den Fahrkarten der Deutschen Bahn gibt es dort frische Snacks, regionale Produkte, Infos für Touristen und – von den Pendlern lang ersehnt – auch wieder zwei Toilettenräume.

Kamin, regionale Produkten, weihnachtlicher Deko: Im vergangenen Jahr machte sich Ertl alle Mühe, die Wartehalle einladend herzurichten. Quelle: Peter Degener

Mit mehreren Tausend Euro bezuschusst Ertl den Betrieb monatlich. Aus den Verkäufen lässt sich jedoch nicht genug Umsatz erzielen, um die laufenden Kosten und die Sanierung zu finanzieren. Denn der Ticketschalter steht in Konkurrenz zu einer zweiten Verkaufsstelle in einem Bahnhofs-Nebengebäude, die bereits seit 2009 die Lizenz der Deutschen Bahn zum Fahrkartenverkauf besitzt.

Streit mit der Deutschen Bahn

Der dortige Betreiber komme seinen Verpflichtungen zuverlässig und mit hochwertiger Beratung nach, erklärt ein Sprecher der DB auf MAZ-Anfrage, und sichere zudem zwei reguläre Arbeitsplätze in der Region.

Ertl kritisiert die Bahn allerdings und wirft ihr Unfairness vor. „Die DB verweigert uns eine Gleichstellung“, erklärt er. Mit dieser Einstufung würden höhere Provisionen einhergehen. Doch die Bahn wehrt sich: „Eine Anerkennung beider Agenturen mit Präsenzpflichtstatus ist nicht möglich“, so der Sprecher. Ertl sei darüber bereits vor Vertragsabschluss informiert worden; dennoch pocht er weiter auf die Gleichstellung. Erst wenn das geschehen sei, könne die Wartehalle wieder öffnen, so Ertl.

Warten auf die Baugenehmigung seit 2017

Unterdessen wartet Ertl auch auf eine Antwort vom Landkreis Teltow-Fläming. „Bereits im Februar 2017 haben wir einen Bauantrag beim Landkreis eingereicht“, berichtet er. Mit neuen Toiletten, Café, Restaurant und einem Fläming-Laden wollte er dem alten Bahnhof neues Leben einhauchen. Auch ein Hostel und ein Raum für Bürgerversammlungen waren geplant. Ertl musste seine Pläne beim Landkreis nacharbeiten und bereits Fördermittel für das Millionenprojekt in Aussicht. Die Baugenehmigung steht aber bis heute aus.

Bahnhofsbesitzer Konrad Ertl hat den Bauantrag zum Umbau des Bahnhofs bereits im Februar 2017 eingereicht. Damals war er guten Mutes. Quelle: Peter Degener

Konrad Ertl fehlt es aber auch an moralischer Unterstützung aus Jüterbog. „Seit Monaten stoßen unsere Anfragen und Bitten bei den Vertretern der Bürger auf taube Ohren oder gar Unwillen“, erklärt er. Mehrmals habe er sich an die Stadtverordneten, den Bürgermeister und verschiedene Landespolitiker gewandt, um ein Schreiben an die Bahn mit der Forderung um Gleichstellung der beiden Agenturen zu erwirken. Erreicht haben seine Bemühungen bisher nichts. Auch seine Bitte um Erlass der Grundsteuern für das Gelände am Bahnhof wurde kürzlich abgelehnt.

Stadt will sich nicht in freien Markt einmischen

Den Vorwurf, sich nicht ausreichend für die Entwicklung des Bahnhofs einzusetzen, will Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) nicht hinnehmen. In verschiedenen Belangen habe die Verwaltung Ertl bereits unterstützt. Aus dem Streit mit der Deutschen Bahn will sich der Bürgermeister aber heraushalten. „So sehr mir der Bahnhof als Eingangstor zur Stadt am Herzen liegt: Als Verwaltung kann ich nicht in den Markt und den Konkurrenzkampf zweier Unternehmen eingreifen“, sagte Raue auf MAZ-Anfrage.

Der Bahnhof auch war Thema in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten. Für seine Zurückhaltung beim Thema Verkaufsschalter am Bahnhof habe der Bürgermeister dort Zuspruch von allen Fraktionen erhalten, erklärt Raue.

Von Victoria Barnack

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