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Jüterbog Angst um die eigenen vier Wände
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00:21 02.02.2019
Detlef Schinkel aus Jüterbog ist besorgt, um den Bestand seines Hauses. Quelle: Isabelle Richter
Jüterbog

Wackelnde Wände und die Angst um das eigene Haus begleiten den Jüterboger Musikschullehrer und Konzertgitarristen Detlef Schinkel fast täglich. Wegen der starken Erschütterung aufgrund von vorbeifahrenden Lkws sei sein Wohnhaus in der Jüterboger Schillerstraße – laut eigenen Angaben – einsturzgefährdet. Detlef Schinkel fordert deshalb schon seit Jahren eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Lkws auf Tempo 30 im Bereich zwischen der Kreuzung Wursthof und dem Zinnaer Tor. Da seine zwei bislang gestellten Anträge an die Stadt auf Ablehnung stießen, wandte er sich nun an den Jüterboger Verkehrsbeirat.

Unter dem Haus befand sich eine Moorgegend

Seit 1988 wohnt Detlef Schinkel mit seiner Frau Dorothea in der Jüterboger Schillerstraße. Zunächst noch im Besitz der Kirche, machten die Schinkels das Haus im Jahr 1995 für mehr als 100.000 Euro zu ihrem Eigentum. „Bis auf die Außenmauern und die Deckenbalken“, so Detlef Schinkel, „ist das Haus komplett saniert“. Ein grundlegendes Problem sei jedoch geblieben: Das um 1850 errichtete Haus auf Natursteinfundament hält dem Druck, der durch Erschütterung entsteht, nicht stand und gibt nach.

Ein weiterer Grund sei der Unterboden. Denn aus Gesprächen mit dem Heimatverein „Jüterboger Land“ weiß Detlef Schinkel inzwischen, dass sich unter dem Haus früher eine Moorgegend befand. Nicht gerade die besten Voraussetzungen. „Im schlimmsten Fall kann ich mein Haus abreißen“, sagt der 65-Jährige deshalb. Aus Angst davor habe Detlef Schinkel bereits ein Stützfundament aus Beton rund um das Haus errichtet.

Schornsteinfeger hatte Angst vor dem Einsturz

Laut Einschätzung eines befreundeten Statikers reicht dies aber nicht aus. Die einzige Möglichkeit für die Schinkels: Eine aufwendige Bohrmethode zur dauerhaften Stabilisierung des Fundamentes. Der Preis dafür liege allerdings im fünfstelligen Bereich.

Dabei könne man das Problem aus Sicht von Detlef Schinkel viel einfacher lösen – nämlich mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Um deutlich zu machen, welche extremen Auswirkungen es hat, wenn ein beladener Lkw mit 50 km/h oder schneller durch die teils mit Wellen belastete Straße prescht, gab Schinkel den Mitgliedern des Verkehrsbeirates ein Beispiel.

Demnach sei einmal ein Schornsteinfeger bei ihm im Haus gewesen, um in der oberen Etage eine Messung an der Gasheizung durchzuführen. „Als dann ein Lkw vorbeifuhr“, so Schinkel, „ist er sofort zur Treppe gerannt, weil er dachte, das Haus stürzt ein.“ Eine Angst, die der Eigentümer nur zu gut kennt. Damit sich die Beiratsmitglieder selbst von der Situation überzeugen können, lud Detlef Schinkel sie außerdem auf ein kühles Bier bei sich zu Hause ein. Bisher sei aber noch keiner auf das Angebot eingegangen.

„Die Beschilderung macht nicht die Stadt Jüterbog

Ebenfalls anwesend bei der Sitzung war auch Udo Reichert vom Bauamt Jüterbog. Er zeigte für Detlef Schinkels Forderung zwar Verständnis, erklärte aber auch: „Die Beschilderung macht nicht die Stadt Jüterbog.“ Über die Anordnung einer Tempo-30-Zone könne nur das Straßenverkehrsamt des Landkreises entscheiden. Dieses habe den Fall bereits in der Vergangenheit geprüft und sich nach einem Vor-Ort-Termin gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung entschieden.

Der Grund: Die während einer Verkehrszählung festgestellte Anzahl von Lkws und Bussen war nicht ausreichend. Zudem sei es wegen der vielen parkenden Autos in der Straße sowieso kaum möglich, schneller als 30 km/h zu fahren. Darüber hinaus erklärte Reichert, dass ein einsturzgefährdetes Privathaus erfahrungsgemäß nicht als Argument ausreiche.

Verkehrsbeirat empfiehlt neuen Antrag zu stellen

Nach einer kurzen Beratung kamen die Mitglieder des Verkehrsbeirates zu dem Schluss, einen erneuten Antrag für eine Tempo-30-Zone ab 7,5 Tonnen über die Jüterboger Verwaltung an den Landkreis zu stellen. Vorausgesetzt, der Jüterboger Bauausschuss stimmt dem Vorhaben zu. Ein Argument für die Anordnung soll unter anderem die ohnehin schon im Verkehrskonzept der Stadt Jüterbog geplante Tempo-30-Zone vom Oberhag über die gesamte Schillerstraße bis hin zur Schloßstraße sein.

Allerdings zeigten sich einige Beiratsmitglieder auch skeptisch gegenüber der Wirkung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Der Stadtverordnete Hendrik Papenroth etwa sagte: „Das Schild ist das eine, aber die Kontrolle fehlt.“ Er glaube nicht so recht daran, dass sich die Fahrer an die vorgegebene Geschwindigkeit halten. Schließlich sei das in anderen Teilen der Stadt auch nicht der Fall.

Schinkel rechnet damit, dass es wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung auch an der Kreuzung am Wursthof weniger Probleme geben wird. Er hofft deshalb auf eine Zustimmung seines Antrags. Andernfalls wolle er sich im nächsten Schritt noch einmal direkt an einzelne Stadtverordnete wenden.

Von Isabelle Richter

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