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Teltow-Fläming Jüterboger Flüchtlingsheim ist geräumt
Lokales Teltow-Fläming Jüterboger Flüchtlingsheim ist geräumt
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20:36 16.02.2016
Abschied vom Quellenhof: Die letzten Bewohner wurden am Mittwoch nach Hennickendorf gebracht. Quelle: Hartmut F. Reck
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Jüterbog/Hennickendorf

Die Flüchtlinge vom Übergangswohnheim Quellenhof bei Jüterbog haben sich ihrem Schicksal ergeben. Am Dienstag wurden die restlichen Bewohner mit Sack und Pack von Kleinbussen des Landkreises abgeholt und in ihre neuen Unterkünfte gebracht. Sie wurden auf die Heime im Waldauer Weg und in der Großen Straße in Jüterbog beziehungsweise auf die Unterkunft in Hennickendorf (Nuthe-Urstromtal) verteilt. Wegen baulicher Mängel und fehlendem Brandschutz hatte die Kreisverwaltung den Quellenhof räumen lassen.

Flüchtlings-Familien dürfen Wohnungen beziehen

Die völlig überraschten Flüchtlinge waren am Montag entsetzt. Wie berichtet, kehrten die bereits nach Hennickendorf gebrachten Bewohner zunächst zum Quellenhof zurück, weil sie lieber in den dortigen schäbigen Räumen bleiben wollten, als in dem Containerbau mitten im Wald. Die zurückgekehrten jungen Männer drohten, sich in ihren Zimmern einzuschließen und sich einer Räumung zu widersetzen. Diese brenzlige Situation wurde von Sozialamtsleiter Guido Kohl am Montagabend entschärft. Er sagte zu, dass es syrischen Familien mit schulpflichtigen Kindern gestattet werde, auch ohne Aufenthaltstitel eine Wohnung in Jüterbog nehmen zu dürfen, sofern sie eine fänden. Darum will sich jetzt die Flüchtlingshilfe kümmern und nach geeigneten Wohnungen suchen.

Betreiber

Die Campanet GmbH mit Sitz in Freiberg (Sachsen) betreibt unter anderem auch Übergangswohnheime im Waldauer Weg in Jüterbog und in Massow im Landkreis Dahme-Spreewald.

Die Flüchtlingshilfe wirft Campanet vor, zur Renovierung des Quellenhofs statt eines Bauunternehmens Flüchtlinge aus Massow eingesetzt zu haben.

Das Unternehmen war gestern nicht in der Lage zu einer Stellungnahme.

Denn am meisten haben die schulpflichtigen Kinder unter dem plötzlichen Umzug zu leiden. So waren Deshin (8) und Nushin (11) ganz traurig, nicht mehr in ihre Klassen in der Jüterboger Lindenschule gehen zu können, wo die beiden Schwestern aus Syrien schon einige Freunde gewonnen haben. Jetzt müssen sie sich an neue Klassenkameraden gewöhnen, denn ab heute werden sie an der Grundschule in Zülichendorf unterrichtet. Doch der Weg durch den Wald von ihrer neuen Unterkunft bis zur Haltestelle in Hennickendorf wird ihnen erleichtert. „Wir sorgen dafür, dass die Schulkinder zur Bushaltestelle gefahren werden“, versprach Guido Kohl.

Morgens geweint, abends getanzt

Die Umzugsaktion am Dienstag zog sich über mehrere Stunden hin. Die Bewohner des Quellenhofs störte das kaum. Denn auch wenn sie sonst so gut wie nichts haben, Zeit haben sie mehr als genug. Und so hatten sie auch noch etwas Zeit für- und miteinander. „Wir waren hier wie eine große Familie“, berichtet Sherin Raji aus Syrien. Neben ihren Landsleuten lebten dort noch Afghanen, Iraner, Palästinenser, Tschetschenen und Ghanaer friedlich zusammen, verstanden sich gut und wurden freundschaftlich von der Jüterboger Flüchtlingshilfe betreut. „Am Montagnachmittag haben wir noch alle geweint, weil wir auseinandergerissen werden sollen, am Abend haben wir aber dann alle miteinander getanzt“, berichtete Sherin Raji.

Mit dieser spontanen Abschiedsfeier besiegten sie ihre Traurigkeit. Auch am nächsten Morgen war diese melancholische Stimmung noch zu spüren. Lächelnd ließen sich Bewohner und Helfer von der sechsjährigen Raha mit Fingerfarbe die Gesichter bemalen. Man umarmte sich, klopfte sich auf die Schultern und wünschte sich alles Gute.

Unterkunft in erbärmlichem Zustand

Die Trauer über die Trennung steckt tiefer als die über den Auszug aus dem Quellenhof. Die leergezogenen Räume zeigen sich in einem erbärmlichen Zustand. Stellenweise strotzt es vor Schimmel. Im winzigen Waschmaschinenraum steht das Wasser. „Zwei Waschmaschinen für 55 Leute“, sagte Sophie Szalek von der Flüchtlingshilfe, „und davon ist eine seit Wochen kaputt!“ Sie und ihre Mitstreiterin Angela Preuß versuchen, Trost zu spenden und versprechen den Bewohnern zum Abschied, sie auch in Hennickendorf zu besuchen. „Nur nicht so oft wie bisher“, sagte Preuß.

„Die ganze Aktion ist nicht besonders glücklich verlaufen“, räumt Guido Kohl vom Sozialamt gegenüber der MAZ ein. Auch er weiß: „Die Menschen sind an ihrer Lage nicht schuld.“ Aber nicht nur in diesem Falle gehe Sicherheit vor Integration. Und diese Sicherheit sei im Quellenhof nicht mehr gewährleistet.

Von Hartmut F. Reck

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