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Teltow-Fläming Jüterboger Mimen proben fürs „Wunder“
Lokales Teltow-Fläming Jüterboger Mimen proben fürs „Wunder“
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18:10 07.05.2016
Das Ensemble vom Jüterboger Theater der Werktätigen. Quelle: Matthias Butsch
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Jüterbog

Schallendes Lachen erfüllt den Raum. Die Leute, die mit ihren Textbüchern in der Hand um den Tisch herum sitzen, wollen eigentlich lesen. Aber in dem Text jagt ein Gag den nächsten und das Lachen unterbricht ständig den Lesefluss. Komik pur ist das Stück „Das gewöhnliche Wunder“ von Jewgeni Schwarz, das sich das Theater der Werktätigen Jüterbog für dieses Jahr vorgenommen hat. Die Premiere ist für Ende des Jahres geplant.

Lese-Probe für das neue Stück. Quelle: Matthias Butsch

Das Stück ist ein philosophisches Märchen für Erwachsene, eine typische Verwechslungs- und Missverständnis-Komödie. Am Anfang der Arbeit stehen jetzt im Frühjahr die Lese- und ersten Stellproben, die bei den Laienschauspielern für unüberhörbar fröhliche Hochstimmung sorgen. Und das, obwohl gleichzeitig noch sehr ernste und schwere Theaterkost auf dem Programm steht und der Kontrast zu der „Komödie in Probe“ nicht größer sein könnte.

Zweimal noch, am 13. und am 14. Mai, zeigt das Theater der Werktätigen Jüterbog das berühmte und aktuell brisante Drama „Andorra“ von Max Frisch – ein Stück, bei dem einem das Lachen selbst bei der ein oder anderen komischen Szene eher im Halse stecken bleibt, ein Stück ohne Stammtisch-Witzelei und ohne Happy-End.

Theaterleiter Ernst Werner. Quelle: Matthias Butsch

Viermal ist „Andorra“ Ende des vorigen Jahres über die Bühne im Jüterboger Kulturquartier Mönchenkloster gegangen. „Die Aufführungen fanden ein sehr großes Interesse und sorgten wegen der Aktualität des Stoffes für heftige Diskussionen“, erzählt Regisseur und Theaterleiter Ernst Werner, „zuletzt auch bei den Amateurtheatertagen in Bernburg Ende Februar, an denen unsere Truppe seit Jahren schon teilnimmt.“ Das Drama thematisiert am Beispiel des Antisemitismus die Auswirkungen von Vorurteilen und die Frage nach der Identität eines Menschen gegenüber dem Bild, das sich andere von ihm machen.

Das Ensemble hatte sich Anfang 2015 für dieses Stück entschieden, als die Flüchtlingsdebatte im Lande gerade in Gang kam. „Dass es die richtige Entscheidung war“, sagt die Schauspielerin und Vorsitzende des Theatervereins Lena Hornitsch, „erwies sich am Tag der Premiere auf fast dramatische Weise.“ Während der Aufführung am 20. November zog hundert Meter weiter eine sehr laute Demonstration, organisiert von einem NPD-Funktionär, vorüber, in dessen Folge es zum Anschlag auf eine kirchliche Jugend- und Flüchtlingsbegegnungsstätte kam.

„Andorra“ wird noch zweimal gezeigt. Quelle: Hartmut F. Reck

Hauptdarsteller Christoph Kreibich sagt: „Jeder ist schon einmal mit Vorurteilen belastet worden oder hat selbst Vorurteile. Welche Auswirkungen Vorurteile haben können, sieht man an Andri ziemlich stark.“ Andri, das ist in dem Stück „Andorra“ das angeblich aus dem judenfeindlichen Nachbarland gerettete Judenkind, das die Bewohner Andorras gern bei sich dulden, um sich dem übermächtigen Nachbarn moralisch überlegen zu fühlen.

Historischer Hintergrund

1949 gegründet, ist das Theater der Werktätigen Jüterbog das älteste Amateurtheater im Land Brandenburg.

Anliegen des Theaters ist es, klassische und moderne dramatische Kunst zu pflegen. Jährlich wird ein neues Stück geprobt und aufgeführt.

20 Mitglieder zählt die Truppe derzeit – Laienschauspieler sowie Ton- und Beleuchtungstechniker.

Die Inszenierung, „Andorra“ von Max Frisch wird am 13. und 14. Mai jeweils um 19.30 Uhr im Kulturquartier Mönchenkloster in Jüterbog nochmals aufgeführt. Karten: Tel.  0 33 72/40 21 17.

Doch zugleich versuchen die Andorraner, ihn mit ihren antisemitischen Vorurteilen klein zu halten, ihm vermeintlich judentypische Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften zu unterstellen, bis er diese „Andersartigkeit“ annimmt und auch dann nicht ablegt, als herauskommt, dass er gar kein Jude ist. Trotzdem oder gerade deshalb wird er nach der Eroberung Andorras als Jude identifiziert und muss sterben, was die Andorraner ohne jedes Schuldbewusstsein hinnehmen.

Im dem neuen Stück, der Komödie, soll Christoph Kreibich einen Mann spielen, der in einen Bären verwandelt wird. Auch die anderen Laienschauspieler werden in recht komische bis schrullige Rollen schlüpfen. Sie sind nicht nur Werktätige, sondern auch Schüler, Studenten und Rentner im Alter zwischen 17 und 76 Jahren.

Von Matthias Butsch

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