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Jüterboger Postzusteller im Elektroauto

Elektromobilität Jüterboger Postzusteller im Elektroauto

Summend statt tuckernd und ohne Abgase – auf dem Hof der Jüterboger Postzusteller hat die Zukunft Einzug gehalten. Vier E-Fahrzeuge sind dort seit Anfang Mai im Einsatz. Weitere sollen folgen.

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Nicole Kohl (l.) und Silvia Böttcher vor ihren gelben Postflitzern, die nach neun Stunden Ladezeit wieder fit für 80 Kilometer sind.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Wie falsch der Name „Schneckenpost“ ist, zeigt sich im Jüterboger Stadtbild seit wenigen Wochen. Denn vier, natürlich leuchtend gelbe, elektrobetriebene Zustellfahrzeuge beweisen, dass man im fusionierten Unternehmen Deutsche Post DHL Group nicht nur mit der Zeit geht, sondern ihr in diesem Fall sogar ein bisschen voraus ist.

Touren sind 35 Kilometer lang

Nicole Kohl und Silvia Böttcher gehören zu den vier Testpilotinnen des Jüterboger Zustellstützpunktes und absolvieren seit Anfang Mai ihre im Durchschnitt 35 Kilometer langen Tagestouren ausschließlich im Elektroflitzer. Die Auswahl, welcher Zusteller seinen tuckernden Diesel gegen das summende Gefährt eintauscht, hatten sie nicht selbst, sondern sie wurde anhand der Tourlänge getroffen.

Gemeinschaftsprojekt

Die Entwicklung des Streetscooters ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Post DHL Group, Streetscooter GmbH und der Technischen Hochschule Aachen.

Das Elektrofahrzeug ist für die Zustellung in kleinen und mittleren Zustellbezirken ausgelegt und hat eine nutzungsabhängige Reichweite zwischen 50 und 80 Kilometern.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 Stundenkilometern, die Nutzlast bei 650 Kilogramm.

Kloster, Werder, Neuheim und Grüna werden nun elektrobetrieben angesteuert. Für weiter entfernt liegende Orte reicht der Aktionsradius des eigens für das Unternehmen entwickelten Streetscooters nicht aus. „80 Kilometer maximal sind drin“, sagt Pressesprecherin Tina Birka bei der Vorstellung der Fahrzeuge. Da das natürlich für Hin- und Rückweg reichen muss und ein kleiner Sicherheitspuffer nötig ist, sind Orte wie Wiepersdorf, Hohenseefeld oder Schlenzer derzeit noch nicht gut erreichbar.

Einsatz nicht im Stadtgebiet

Weil die Fahrzeuggröße so konzipiert ist, dass Brief- und Paketsendungen gemeinsam auf Reise gehen können, erfolgt im Jüterboger Stadtgebiet noch keine Zustellung im E-Modus. Hier gehen Briefe und Pakete wegen der vielen Mehrfamilienhäuser noch getrennte Wege.

„Vorbehalte gegen die Zustellung mit dem E-Auto hatte von uns Zustellern vorab niemand“, sagt Nicole Kohl. „Im Gegenteil, wir waren eigentlich alle offen und sogar ziemlich neugierig.“ „Außerdem kannten wir die Details zu den Autos schon aus unserer Dienstzeitung und konnten uns im Vorfeld damit beschäftigen“, ergänzt Silvia Böttcher.

Ausnahmslos positive Erfahrungen

Müssten sich die beiden jetzt zwischen Diesel- und Stromfahrzeug entscheiden, fiele die Wahl eindeutig zugunsten des Fortschritts aus. „Wir haben ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht“, sagt Nicole Kohl. „Den deutlichsten Unterschied merkt man erst dann, wenn man nach der Tour den Betriebshof ansteuert und zwischen den Dieselfahrzeugen steht: Kein oller Dieselgestank und keine Abgase mehr, die man sonst den ganzen Tag in der Nase hatte.“

Auch in Sachen Handhabung und Komfort haben die beiden Zustellerinnen nichts auszusetzen. „Das Fahren ist einfacher als beim herkömmlichen Auto, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat. Nur das Rückwärtsfahren mit der Heckkamera ist schwieriger. Da hätte man vielleicht noch ein akustisches Signal mit einbauen können, wie wir es bisher gewohnt waren.“ Die Erreichbarkeit der Kästen mit der vorsortierten Briefpost, die statt einem Sitz auf der Beifahrerseite angebracht sind, ist einfacher denn je und erspart dem Zusteller, ständig mit krummem Rücken nach der Post zu langen. Eine automatische LED-Lichtanlage im Laderaum gehört zu den weiteren Vorzügen.

Viele Kunden sind neugierig

„Auch die Kunden finden es prima, dass die Post jetzt so umweltfreundlich zu ihnen kommt“, erzählt Silvia Böttcher. „Viele sind neugierig und wollen ganz genau über die Fahrzeuge Bescheid wissen.“ „Der einzige Beschwerdegrund einiger Kunden war, dass sie jetzt nicht mehr hören, wenn das Postauto kommt“ ergänzt Nicole Kohl augenzwinkernd.

Ihr Fazit: „Der Streetscooter ist ein solides Fahrzeug, das einfach zu handhaben ist und als Zustellauto taugt. Als Privatauto würde es für mich aber erst interessant werden, wenn die Reichweite größer wäre.“ Für ihre Kollegin ist auch die Privatnutzung eine Option. „Für die meisten Privattouren wäre es sicher ausreichend.“

Nach derart positivem Testlauf steht der schrittweisen Umstellung der Jüterboger Zustellflotte nichts mehr im Wege. Nach den Sommerferien sollen weitere knallgelbe Streetscooter auf dem Jüterboger Posthof stehen. Etwa zehn Stück sollen es dann insgesamt sein.

Von Uwe Klemens

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