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Jüterboger Wolfsrudel ist umgezogen

Tiere haben Spuren hinterlassen Jüterboger Wolfsrudel ist umgezogen

Seit 2009 streunern die Wölfe in Jüterbog über den ehemaligen Schießplatz. Zu Gesicht bekommt sie kaum einer. Aber die Tiere hinterlassen Spuren. Jetzt sind einige Tiere offensichtlich umgezogen. Ein Wolf wurde dabei von einer Kamera abgelichtet.

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Die Wildkamera, von der diese Aufnahme eines Jüterboger Wolfes stammt, gehört der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Die Kameras dienen der wissenschaftlichen Untersuchung und sind mit einem speziellen Code geschützt.

Quelle: MAZ

Jüterbog. Nur wenige Menschen haben bisher einen der Wölfe, die in der Nähe von Jüterbog heimisch geworden sind, zu Gesicht bekommen. Sogar Andreas Hauffe, der sich von Berufs wegen öfter als jeder andere mit den Tieren beschäftigt, hat nur wenige Male ein Tier mit eigenen Augen gesehen. Das soll auch so bleiben, denn der Wolf ist streng geschützt und Andreas Hauffe passt auf, dass die Regeln eingehalten werden. Er ist bei der Stiftung Naturlandschaften beschäftigt und darüber hinaus ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter.

Dieses Amt hat er inne, seit 2009 der erste Wolf auf dem ehemaligen Schießplatz im Westen von Jüterbog, den heutigen Stiftungsflächen, auftauchte. „2011 konnten wir zum ersten Mal Nachwuchs belegen, es waren sechs Welpen“, berichtet Hauffe. „Seitdem kann man von einem Wolfsrudel sprechen.“ Und das lebt auf den beiden großen, längst verlassenen Truppenübungsplätzen in Jüterbog-West und in Jüterbog-Ost, auch bekannt als Heidehof. Seit dem Sommer hinterlässt das Rudel, zu dem mittlerweile sieben Tiere zählen, fast ausschließlich auf dem Heidehof, also im Osten, seine Spuren. Das Rudel ist also offenbar umgezogen. Gut dokumentiert ist der Ausflug eines einzelnen Wolfes. Der hat die noch nicht bepflanzte Grünbrücke über die B101 und die Bahnstrecke benutzt und sich von einer der Überwachungskameras ablichten lassen.

Namen haben die Naturschützer den Wölfen hier nicht gegeben. Andreas Hauffe winkt entgeistert ab. Es seien ja wilde Tiere und man wisse nie, ob sie bleiben oder weiterziehen. Dabei hatte der erste, mit einem GPS-Sender gekennzeichnete Streuner, der 2009 von Sachsen aus das Nachbarland Brandenburg besuchte, sehr wohl einen Namen. Von „Karl“ spricht Andreas Hauffe noch immer voller Hochachtung, weil der in einer einzigen Nacht 55 Kilometer gelaufen war: vom Truppenübungsplatz Jüterbog nach Luckau.

Das ist es nämlich, was die Wölfe brauchen, um heimisch zu werden: viel Platz und viel Ruhe. Hauffe kennt die Stellen, wo sich die Tiere aufhalten, wo sich deren „Familienleben“ abspielt. Im weichen Sand der Schießplätze sind die Fährten leicht auszumachen.

Im vergangenen Jahr war dort ein toter Wolf gefunden worden, eine Fähe, also ein weibliches Tier, das an einer Krankheit verendet war. Es ist nun im Naturkundemuseum in Potsdam ausgestellt. Die Spuren belegen, das mittlerweile wieder eine Fähe die Mutterrolle im Rudel übernommen hat. Ob erneut mit Nachwuchs zu rechnen ist? Das wäre reine Spekulation, sagt Hauffe, so nah will man den Tieren gar nicht kommen.

Die Sorge um die Nutztiere, die dem Hunger der Wölfe zum Opfer fallen könnten, ist bislang unbegründet. „Auf unseren Stiftungsflächen Jüterbog und Heidehof und im direkten Umfeld gab es bislang glücklicherweise noch keine Schäden“, sagt Andreas Hauffe. Er selbst hat eine Wolfsfährte direkt neben einer Schafherde fotografiert. Es gibt mittlerweile eine Arbeitsgemeinschaft Herdenschutz. Das Umweltministerium plant die Einrichtung einer Herdenschutzstelle, die die Zucht und Ausbildung von Hunden in Brandenburg koordinieren soll.

Verunsicherung oder Angst vor dem Wolf – die sind kleiner, als man meint. „Die Nachfragen zeigen eher, dass die Menschen neugierig auf dieses besondere Wildtier sind und seine Rückkehr als Bereicherung erleben“, sagt Andreas Hauffe. Die von der Stiftung Naturlandschaften angebotenen Wolfsexkursionen sind regelmäßig ausgebucht. „Die Menschen freuen sich, wenn sie Wolfsspuren oder Hinterlassenschaften finden“, so Hauffe. Aufklärungsbedarf, so meint aber auch er, gibt es noch genügend.

Als Wolfsbeauftrager ist Hauffe dafür prädestiniert. Das Beobachten der Wölfe ist nämlich nur die eine Seite seiner Tätigkeit. Information, Beratung und Vermittlung zwischen Bevölkerung, Tierhaltern und Behörden gehört dazu.

Das Jüterboger Rudel

Im Kreis Teltow-Fläming leben zurzeit zwei Wolfsrudel, das eine bei Jüterbog, das andere bei Sperenberg.

Die Zahl der erwachsenen Wölfe schwankt, manchmal bleibt auch die Nachkommenschaft aus.

Ältere Jungtiere wandern meist mit zwei Jahren aus dem Rudel ab.

Bei ihren Wanderungen überqueren Wölfe Straßen, dabei werden sie auch Opfer von Verkehrsunfällen.

Einzeln wandernde Wölfe können auch am Rande von Siedlungen entlanglaufen, dabei bekommt sie meist niemand zu Gesicht.

Anfang dieses Jahres hat das Brandenburger Umweltministerium einen Wolfsmanagementplan bis 2017 verabschiedet. Darin stehen „Maßnahmen zu Schadensbegrenzung und Konfliktbewältigung“.

Es soll unter anderem das Netz der ehrenamtliche Wolfsbeauftragten weiter ausgebaut werden.

Andreas Hauffe nimmt Hinweise zu Beobachtungen im Zusammenhang mit Wölfen entgegen: Sein Büro in Jüterbog, Mönchenstraße 47, ist Donnerstagvormittag besetzt, Tel. 0160/94714845.

Von Martina Burghardt

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In der Lausitz hat sich der Wolf schon wieder niedergelassen. Bis ins Dahmeland wagte er sich bisher aber noch nicht. „Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass er da gesehen wurde“, sagt Markus Bathen, Leiter des Nabu-Wolf-Büros in der Lausitz.

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