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Jüterbog: Kastrations-Pflicht für Katzen abgelehnt

Stadtverordnete sprechen sich gegen Zwang aus Jüterbog: Kastrations-Pflicht für Katzen abgelehnt

In Jüterbog wird es vorerst keine Kastrationspflicht für Katzne geben. Das haben jetzt die Stadtverordneten entschieden. Tierschützer und die Stadtverwaltung sind über diese Entscheidung nicht sehr froh. Über das Thema ist schon lange diskutiert worden.

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Jüterbog hat sich gegen Kastrationspflicht für Katzen entschieden.

Quelle: dpa

Jüterbog. Tierschützer fordern sie, die Verwaltung befürwortet sie, Kommunalpolitiker sind dagegen. Eine Kastrationspflicht für Katzen wird es deshalb in Jüterbog vorerst nicht geben. Die Stadtverordnetenversammlung hat am Mittwoch die „Ordnungsbehördliche Verordnung zur Kastrationspflicht von Katzen im gesamten Gebiet der Stadt Jüterbog mit Ortsteilen“ mehrheitlich abgelehnt.

Die Argumente waren bereits vorher ausgetauscht worden, unter anderem im Hauptausschuss. Eberhard Mertens (Bauernverband) nahm Stellung und bezog sich auf eine „Umfrage unter der Bevölkerung“, insbesondere in den Ortsteilen. Die Kastrationspflicht wäre für ihn Teil der „grenzenlosen Regulierungswut“ des Staates. „Wo hören wir auf – beim Wellensittich oder bei der Hausmaus?“, fragte er. Mit einer solchen Verordnung würden diejenigen bestraft, die verantwortungsbewusst mit Haustieren umgehen.

Ordnungsamt muss oft Katzen einfangen

Seiner Ansicht nach müsse derjenige be straft werden, der eine Katze in der Wohnung hält, denn dies sei nicht artgerecht. Vernünftige Tierhalter müssten, wenn sie sich an die Katzen-Kastrationspflicht halten, eine Ausnahmegenehmigung beantragen, falls sie Nachkommen ihrer Katze aufziehen möchten. „Das halte ich für dicke überzogen“, sagte Mertens. Ihm gefiel auch nicht der Standpunkt der Verwaltung, dass die soziale Kontrolle in der Nachbarschaft zur Durchsetzung der Kastrationspflicht in anderen Städten gut funktioniert. „Einer scheißt den andern an und dann kriegen wir das auch irgendwie hin“, sagte er. Auch im Hinblick auf die Kosten werde er nicht zustimmen.

Zum Hintergrund

Probleme mit herrenlosen Katzen sind neben der unkontrollierten Fortpflanzung Krankheiten und Verletzungen. Die Ordnungsämter schaffen es nicht, sich um alles zu kümmern.

Die Stadt Jüterbog wollte im Falle eines Beschlusses der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht (Mikrochip) 7000 Euro im Jahr bereitstellen, um Bedürftigen einen Teil der Kosten zu ersetzen.
In der Gemeinde Niedergörsdorf wurde die Kastrationspflicht bisher ebenfalls nicht eingeführt, weil eine Kontrolle von der Verwaltung nicht zu leisten wäre.

Das Netzwerk Katzenschutz in Jüterbog und Niedergörsdorf bemüht sich um ein Konzept für den Umgang mit herrenlosen Katzen. Ein nächstes Treffen ist für den 4. März, 17 Uhr, im „Haus“ Altes Lager geplant.

Eine Statistik oder einen Nachweis über die steigende Zahl wild lebender Katzen gibt es nicht, allerdings lässt sich dies an den steigenden Kosten ablesen, sagte Bürgermeister Arne Raue (parteilos) auf Nachfrage von Philip Petzhold (Linke). Eine Mitarbeiterin im Ordnungsamt sei hauptsächlich mit dem Einfangen von Katzen beschäftigt. Es gebe mehrere „Brennpunkte“, wo man „vor Katzen kaum laufen“ könne, sagte Raue. Die unkontrollierte Vermehrung sehe er als „ein größeres Problem“ als das bei „Hausmaus und Wellensittich“.

Pro Woche werden zehn Katzen eingefangen

Joachim Wasmansdorff bestätigte, dass die Anzahl wilder Katzen in der Stadt im Laufe der Jahre zugenommen hat. „In jeder Woche werden im Schnitt zehn Katzen eingefangen, teilweise verletzt oder krank“, sagte er und verwies auf die damit verbundenen – ebenfalls steigenden – Kosten. Mit der Kastrationspflicht sei man nicht darauf aus, alles zu kontrollieren. „Wir wollen es eindämmen, einen Anfang machen“, erklärte Wasmansdorff.

Er habe Verständnis für beide Seiten, sagte Marcel Krüger (SPD). „Wir schieben Verantwortlichkeiten für Menschenleben immer hin und her und hier beschäftigen wir uns mit Katzen. Ich weiß nicht, was wichtiger ist“, sagte er.

Von Martina Burghardt

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