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Teltow-Fläming Julien Mueller zieht als Straßenmusikant um die Welt
Lokales Teltow-Fläming Julien Mueller zieht als Straßenmusikant um die Welt
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00:16 28.02.2017
Seit fünf Jahren mit Gitarre und Fahrrad am Strand von La Rochelle. Quelle: privat
Ludwigsfelde

Julien Mueller strahlt. Meistens jedenfalls. Auch wenn der 29-Jährige aus Ludwigsfelde gerade kämpft. Gemeinsam mit Bürgern, Fans und Kollegen will er, dass Straßenmusiker auch in diesem Sommer am Strand von La Rochelle (Golf von Biskaya in Frankreich) mit Verstärkern spielen dürfen. Das hatte der Bürgermeister plötzlich verboten. Warum, weiß keiner. „Beim Trubel an einem Sommerabend ist auf dieser beliebten und überlaufenen Promenade kaum jemand zu hören ohne Verstärker“, erklärt der langhaarige Musiker.

Unterwegs mit Fahrrad und Gitarre

Er nennt sich Voicycle – „fiel mir so ein aus Voice on a bicycle“ –, ist mit Fahrrad und Gitarre unterwegs, im Moment noch in Paris. Immer abends zieht er los. „Da nehmen sich die Leute mehr Zeit, kommen zur Ruhe und sind eher als in Tageshektik bereit, sich auf Dinge am Wege einzulassen“, erklärt er. Und erzählt, warum er sich umbenannte. Von Müller zu Mueller: „Mein Hauptpunkt ist die Welt. In vielen Sprachen funktioniert das Ü nicht. Aber so habe ich meinen Namen und die deutsche Wurzel ist erkennbar.“

Julien Mueller sucht jede Chance zu Musizieren. Er ging in Ludwigsfelde zur Musikschule, lernte bei Rainer Keck zu singen, trat in einer A-cappella-Gruppe auf, sang im Gospelchor, hatte Band-Projekte in Berlin und Potsdam und spielte mit Tim Schultheiß als JuT (Julien und Tim). Da kamen Schule und Abi fast ins Hintertreffen. Denn fast jeden Abend war irgendwo Probe. „Ich bin unserem Direktor Volker Freitag heute noch dankbar, dass er für uns kulturell engagierte Schüler bei mancher großen Klausur und Abschlussarbeit wunderbare Lösungen gefunden hat.“ Eine Erfahrung wurmte den damals großen Fan von Robbie Williams. Er zog aus, Sänger Müller zu werden. „Ich war wirklich so naiv, zu einer Berliner Big Band zu gehen und zu fragen, ob sie nicht einen Sänger brauchen.“

Karaoke und Inspiration

Doch ohne Referenz  – Fehlanzeige. Er stürzte sich auf Karaoke-Programme im Internet und eigene Inspirationen. Sein erstes Geld als Musiker verdiente er in Norddeutschland mit einer Solo-Stunde in einem Eiscafé. Es folgen Auftritte am Valentinstag im „Weißen Schwan“ in Zossen oder beim Philatelistenverband. Immer singt er das eigene Jazz-Programm.

Mit solchen Erfahrungen und dem Abi in der Tasche wollte er 2008 erst mal weg. Australien. Dort verdient er nach zwei Monaten Ausbildung sein erstes Geld als Barista, als Kaffeemacher. Kauft sich eine Gitarre davon. „Mit der spiele ich heute noch“, wieder lacht Julien. Am Bondi Beach von Sydney spielt ein Straßenmusikant mit Verstärker. „Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es sowas gibt“, sagt er. Probiert es und weiß: Das ist es. Am Valentinstag 2009 steht er im Frank-Sinatra-Kostüm selbst dort und singt. Spielt Gitarre, sieht Passanten in die Augen, lacht mit ihnen und bekommt 400 australische Dollar. Seither sagt er: „Das ist so real, ohne Rückzugsraum. Du machst dich emotional nackig. Bist du schlecht drauf, merken die Leute das sofort und gehen.“

Leben mit Überraschungen

Seither will er so leben: Mit Überraschungen, mit Fremden, die zufällig vorbeikommen, ihnen „eine kleine Zeitblase geben von allem, was in der Welt passiert, ob in der großen Politik oder privat“. Niemand erwarte doch, auf der Straße gute Musik zu hören. „Die Leute denken: Der spielt auf der Straße, der ist nicht gut genug für ein Ensemble.“

Wie lange er es ohne Musik aushält? „Äußerlich vielleicht ’ne Woche. Aber in meinem Kopf ist sie immer.“ Und mit diesen Tönen im Kopf von der Spannung zwischen Liebe, die er geben kann, und Rissen gescheiterter Beziehungen, vom Verlangen nach Reise und Abenteuer, plant er, Mitte September mit einem Lasten- oder einem Kreuzfahrtschiff via Südamerika zu starten. Über Chile und Feuerland will er nach Brasilien, Mexiko, die Ostküste Nordamerikas entlang bis Kanada.

Zur jüngsten Bundestagswahl 2013 hatte der Musikant seine Stimme noch in der Heimat abgegeben, gemeldet ist er jetzt in Deutschland nicht mehr.

Kandidat bei „Rising Star“

2014 war er Kandidat der RTL-Show „Rising Star“ und landete auf Platz vier. Im Januar spielte er zum Neujahrsempfang in Ludwigsfelde und gab ein Konzert in Berlin. Letzteres erlebte auch sein Lehrer Rainer Keck. Der sagt: „Ich freu’ mich sehr über Juliens Entwicklung. Auch, dass er an seiner Stimme weiter arbeitet.“ Dem Lehrer gefällt, dass Julien Mueller nicht nur Englisch singt, auch Deutsch. „Julien ist einer von denen, die noch auf der Straße handgemachte Musik anbieten können, das gelingt heute nicht mehr vielen.“ Ob es Julien Mueller gelingt, ab April wieder mit Verstärker am Strand von La Rochelle zu spielen, ist ungewiss. Damit aber seine Weltreise gelingt, startet er nächste Woche nach Teneriffa. „Dort drehe ich einen Film. Der soll dann in Orten, durch die ich komme, im Kino laufen und anschließend gebe ich kleine Konzerte. Mal sehen, ob’s klappt.“

Julien Mueller strahlt. Er freut sich auf seine Reise und alles, was kommt. Und er singt. Am Ende eines Straßenmusik-Abends am liebsten den Hauptsong seines Albums „A Minute After All“.

Von Jutta Abromeit

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