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Teltow-Fläming Hausärzte gesucht
Lokales Teltow-Fläming Hausärzte gesucht
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12:18 10.11.2014
Egal, ob im Speckgürtel oder auf dem Land, viele Allgemeinärzte finden für ihre Praxen keine Nachfolger. Quelle: dpa

Die schlechteste hausärztliche Versorgung gibt es der Statistik zufolge im Einzugsbereich von Schönefeld-Wildau – der Versorgungsgrad liegt dort bei 81,2 Prozent. In Wildau praktiziert der Diplom-Mediziner Jürgen Koch bereits seit 25 Jahren. „Die Situation hat sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verschlechtert“, berichtet er. In den 1990er Jahren habe es noch sieben Allgemeinmediziner im Ort gegeben – und das bei deutlich weniger Einwohnern. Heute ist er der einzige niedergelassene Hausarzt in Wildau, daneben gibt es noch die angestellten Ärzte im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ).

Der Diplom-Mediziner wird dabei nicht nur mit stets steigenden Patientenzahlen konfrontiert. Er bekommt vor allem die Folgen des demografischen Wandels zu spüren. Rund 400 seiner Patienten sind älter als 80 Jahre, ein Viertel davon hat sogar den 90. Geburtstag hinter sich. Viele Patienten müssten daher im Rahmen der Hausbesuche behandelt werden, sagt Koch, „das kostet Zeit“.

Diese Entwicklung macht auch dem Landrat von Dahme-Spreewald Sorgen. „Wir haben heute rund 40.000 Rentner im Landkreis, 2030 sollen es 58.000 sein“, sagt Stephan Loge (SPD). „Es muss uns daher gelingen, etablierte Ärzte zu halten.“

Versorgungssituation in der Region

Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB) derzeit 95 Hausärzte – 24 davon im Bereich Schönefeld/Wildau, von denen acht Mediziner über 60 Jahre alt sind. Im Bereich Königs Wusterhausen sind es 38Mediziner, elf haben den 60.Geburtstag hinter sich.

Im Kreisgebiet Teltow-Fläming gibt es die meisten Hausärzte in Ludwigsfelde. Dort ist der Versorgungsgrad mit 89,2 Prozent dennoch am niedrigsten im ganzen Kreis. Drei der 30 Ludwigsfelder Medizinern sind dabei älter als 60 Jahre. Im Bereich Luckenwalde und Zossen sind jeweils 23 Hausärzte aktiv, in Jüterbog sind 18,5 Stellen von Allgemeinmedizinern besetzt. Dabei sind in Luckenwalde und Zossen jeweils drei, in Jüterbog acht Ärzte über 60 Jahre alt.

Nicht nur bei den Hausärzten, auch bei Fachärzten kommt es zu Versorgungsproblemen. Laut KVBB gibt es in der Region vor allem einen Mangel an Haut- und Augenärzten. In Teltow-Fläming gibt es sechs, in Dahme-Spreewald vier Dermatologen. In beiden Landkreisen arbeiten jeweils neun Augenärzte.

Bedarf an Fachärzten gibt es in Dahme-Spreewald auch im Bereich der Psychotherapie. Derzeit sind 19,5 Stellen besetzt, laut Bedarfsplanung reicht das nicht aus. Zudem sieht die KVBB in Dahme-Spreewald einen weiteren Bedarf an Frauenärzten – derzeit ist eine Zusatzstelle ausgeschrieben.

Laut einer Studie der Krankenkasse AOK-Nordost müssen 40 Prozent der Patienten in der Region Dahmeland-Fläming mehr als 28 Tage auf einen Termin beim Augenarzt warten. Durchschnittlich vergehen von der Überweisung bis zur Untersuchung in diesen Fällen 36 Tage. Nur ein Viertel der Versicherten wurde innerhalb von einer Woche behandelt.

Junge Ärzte lassen sich weniger nieder und sind lieber angestellt

Doch genau darin liegt ein Problem. Für viele Praxen finden sich keine Nachfolger mehr – und das nicht nur im Süden der beiden Landkreise. „In Wildau haben wir in den vergangenen Jahren drei Arztpraxen verloren, weil wir keine Nachfolger gefunden haben“, sagt Koch. Doch warum finden sich keine jungen Ärzte für den Hausarztberuf in der Region? Für Christian Wehry entspringt das einem bundesweiten Trend. Junge Ärzte streben lieber nach einem Angestelltenverhältnis. So müssen sie keine hohen Investitionen in Kauf nehmen, um eine Praxis einzurichten, sie tragen nicht das finanzielle Risiko und haben familienfreundlichere Arbeitsbedingungen.

Christoph Schulze: Finanzielle Anreize für Ärzte schaffen

„Nachfolger kriegt man nicht per Zeitungsanzeige“, sagt der Landtagsabgeordnete Christoph Schulze (Freie Wähler), der selbst Mediziner ist. Er kritisiert, dass Landes- und Bundesregierung nicht frühzeitig auf den Ärztemangel reagiert haben. „Das Problem ist bereits seit Ende der 90er Jahre bekannt.“ Um die Hausarzt-Situation zu verbessern sei es daher notwendig, finanzielle Anreize für Ärzte zu schaffen. Um die jungen Mediziner in die Praxen der Region zu locken, sieht er aber auch die Bürgermeister in der Pflicht. So sei ärztliche Versorgung auch ein Standortfaktor, den man ausbauen müsse. „Einige Kommunen machen das sehr vorbildlich – zum Beispiel Trebbin mit dem MVZ oder Luckenwalde mit dem DRK-Krankenhaus“, sagt Christoph Schulze.

Bedarf wird nach Anwohnerzahlen berechnet

„Ich habe es auch schon erlebt, dass kommunale Gebäude zu Arztpraxen umfunktioniert wurden“, sagt Landrat Loge. Auch er plädiert dafür, Ärzte bei der Immobilien-, Kita- und Schulplatzsuche zu unterstützen, um sie zu ermuntern, in der Region zu wirken. Zudem müsse die Verkehrsanbindung zu Praxen verbessert werden. Die Kreisverwaltung arbeitet daher gerade an einem Mobilitätskonzept. So könnten zum Beispiel Busfahrzeiten an Sprechstunden angepasst werden oder Fahrgemeinschaften gegründet werden.

Damit die Versorgung auch künftig gesichert werden kann, will die KVBB ihre Planung überarbeiten, sagt Pressesprecher Christian Wehry. Derzeit richtet sich diese nämlich nach den Bevölkerungszahlen im Landkreis – demnach ist für 1700 Menschen ein Allgemeinmediziner vorgesehen. Auch bei den Fachärzten wird der Bedarf anhand von Einwohnerzahlen berechnet. „Das bildet den Versorgungsstand aber überhaupt nicht ab“, kritisiert Wehry. Die KVBB würde die Mediziner lieber nach anderen Kriterien verteilen, den Bedarf in einem Gebiet anhand von Alter, Geschlecht und Mobilität der Patienten sowie häufigen Krankheitsbildern berechnen. Dieses so genannte Warenkorb-Modell hätte auch Vorteile, um junge Ärzte für die Arbeit in ländlichen Regionen zu begeistern, weil sie durch genaue Stellenbeschreibungen wüssten, worauf sie sich einlassen. „Für dieses Konzept gibt es aber nicht die politische Unterstützung, die wir uns wünschen“, sagt Christian Wehry.

Von Nadine Pensold

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