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Justizbeamte retten Knast-Brandstifter

Zellenbrand in JVA Heidering Justizbeamte retten Knast-Brandstifter

Gefängniswärter haben dem 27-Jährigen, der am Wochenende in seiner Zelle der Haftanstalt Heidering ein Feuer gelegt hat, mit ihrer Rettungsaktion vermutlich das Leben gerettet. Der Mann hatte sich angezündet und hat schwer verletzt überlebt. Kritik, dass in den Gefängniszellen keine Rauchmelder installiert sind, will man bei der JVA nicht gelten lassen. Dafür gibt es bestimmte Gründe.

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Telefon- und Alarmanlage auf einer der Etagen im Gefängnis Heidering.

Quelle: Hartmut F. Reck

Großbeeren. Die Justizbeamten haben ihm das Leben gerettet und mit ihrem Einsatz in der JVA Heidering womöglich Schlimmeres verhindert. Am Wochenende war ein Feuer in einer Zelle ausgebrochen. Der 27 Jahre alte Täter wollte sich wohl selbst umbringen. „Die Justizbeamten waren von einem Gefangenen über Brandgeruch informiert worden“, erklärt Claudia Engfeld, Justizsprecherin des Berliner Senats. „Sie stehen in solchen Fällen nach Situationseinschätzung immer vor der Entscheidung, die Feuerwehr zu alarmieren und warten zu müssen, bis sie kommt, oder einfach erst mal schnell die Zellentür zu öffnen“, erläutert Engfeld die Vorgehensweise der Beamten. In diesem Falle hätten sie sich für letzteres entschieden.

Häftling wäre im November frei gekommen

Der Mann, der das Feuer legte, ist Pole. „Er war wegen Diebstahls zu einer relativ geringen Haftstrafe verurteilt gewesen und wäre im November auf freiem Fuß gewesen“, sagt Engfeld. Außerdem sei er vermutlich drogenabhängig gewesen. Wie berichtet war in der Berliner Haftanstalt auf Brandenburger Boden am Samstagabend eine Zelle ausgebrannt, die beiden Insassen erlitten eine Rauchvergiftung, auch vier Beamte waren mit Verdacht auf leichte Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht worden.

Dass es in den zurückliegenden 18  Monaten in der Großbeerener Haftanstalt bereits das vierte Mal brannte, ist für die Berliner Justiz „angesichts von 7000 bis 8000 Häftlingen im Jahr, die durchweg Menschen mit schwierigen Biografien sind, nicht ungewöhnlich oft“, findet Claudia Engfeld.

Infos zum Gefängnis

Die Planung für den Bau der Justizvollzugsantalt (JVA) Heidering in Großbeeren hatte mehr als zehn Jahre gedauert. Anfang 2013 war das Berliner Gefängnis auf Brandenburger Boden im Gleisring des Ortsbereichs Neubeeren, auf ehemaligen Rieselfeld-Gelände, fertig.

Untergebracht sind dort bis zu 648 Männer im geschlossenen Vollzug. Sie verbüßen Haftstrafen von einem Jahr bis zu fünf Jahren. Rund 220 Mitarbeitern der Berliner Senatsverwaltung für Justiz arbeiten dort.

Geleitet wird die JVA Heidering von Anke Stein. In der auf einem ehemaligen Berliner Stadtgut errichteten Anstalt gelten das Vollzugs- und das Dienstrecht des Landes Berlin. Für die hoheitlich übertragene Aufgabe haben Berlin und Brandenburg seit 2011 einen Staatsvertrag.

Extrem verantwortungsloses Handeln

In den Berliner Vollzugsanstalten Moabit und Tegel hatte es dieses und voriges Jahr je einmal gebrannt und einmal auch in der Jugendstrafanstalt Plötzensee. Jeder Fall sei separat zu betrachten, in jedem Fall gebe es ganz spezielle Umstände, sagt die Sprecherin. Immer jedoch sei solches Handeln „extrem verantwortungslos, sowohl den Mitgefangenen gegenüber als auch gegenüber den Justizangestellten“. Aber weil jeder Fall anders liege, sei es auch kaum möglich, besondere Maßnahmen gegen solche Brände zu ergreifen. „Das Einzige, was natürlich gemacht wird, ist die Mitarbeiter so gut wie möglich zu schulen, um im Ernstfall routiniert handeln zu können.“

Sowohl die Zellen als auch die Flure von Haftanstalten haben keine Rauchmelder. „Zum einen wären sie sehr leicht zu manipulieren, was zu häufigen Fehlalarmen führen würde“, erklärt Engfeld. Zum anderen wären solche Melder „gute Verstecke für Feuerzeuge und Zigaretten. Sie müssten also permanent kontrolliert werden, und dafür hat niemand das Personal“. Die Justizbeamten hätten zudem ganz andere Aufgaben, als ausschließlich mögliche Verstecke zu kontrollieren. Es gehe bei ihrer Arbeit vor allem um Resozialisierung.

Kerzen dürften die Gefangenen nicht in den Zellen haben, so Engfeld. Das Rauchen hingegen sei jedoch nicht zu verbieten. Die Zelle sei ja auch ein Rückzugsraum.

Von Jutta Abromeit

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