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00:16 22.11.2016
Meis trägt ihren neuen Pullover. Quelle: Anja Meyer
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Ludwigsfelde

Rabiha schlägt die Mappe auf, die Mohammed ihr kopfschüttelnd in die Hand gedrückt hat. Das werden sie doch jetzt wohl irgendwie zusammen hinbekommen, scheint sie zu denken und liest langsam vor, was auf dem Blatt steht: „Schweißen mit Gleichstrom“, darunter ellenlange Sätze mit technischen Fachbegriffen, die nicht mal Muttersprachler verstehen. Mohammed lacht und schüttelt den Kopf.

Diese Mappe ist für ihn eine Farce. Er hat sie zum Abschluss seiner Fortbildung beim Zentrum für Aus- und Weiterbildung Luckenwalde-Ludwigsfelde (ZAL) bekommen. Zum Lernen. In ein bis zwei Wochen soll er dort seine Abschlussprüfung schreiben. „Ich weiß alles übers Schweißen“, sagt er auf Englisch. Aber wenn er die Fragen nicht versteht, weiß er nichts. Rabiha ist immer noch am Vorlesen, langsam merkt sie, dass sie diese Lernblätter wohl auch zusammen nicht verstehen werden. Dennoch lässt sie erst davon ab, als ihre kleine Tochter Meis unentwegt „Mama“ ruft.

„Papa“, „Mama“, „Hala“

Meis fängt jetzt an, zu sprechen. Sagt mit großen, erwartungsvollen Augen die Namen ihrer vier Familienmitglieder: „Papa“, „Mama“, „Hala“. Nur Rabi kann sie noch nicht so gut aussprechen. Mit ihm hat sie in den vergangenen Wochen viel Zeit verbracht, wegen seines gebrochenen Beines konnte er nicht in die Schule gehen. Seit Montag ist er in seiner Klasse zurück – und merkt, dass er einiges verpasst hat. „Die Schule ist sehr schwer“, sagt er. Dann schaut er wieder zu Meis, die immer noch stolz alle Namen nacheinander sagt.

Die Kleine trägt einen neuen Pullover, Rabiha hat ihn für sie gestrickt. Gut fünf Wochen saß sie daran. Natürlich nicht die ganze Zeit, dann wäre sie früher fertig geworden. Sie konnte immer nur dann weitermachen, wenn die Kinder schon im Bett waren und der Haushalt erledigt war. „Ich habe hier und da mal eine Viertelstunde gestrickt“, erzählt Rabiha. „Aber als es jetzt so kalt wurde, musste ich mich beeilen.“ Denn gerade Meis muss warm eingepackt sein. Sie erkältet sich schnell – und oft so heftig, dass sie mit ihrem Husten schon mehrere Male ins Krankenhaus musste.

Harter europäischer Winter

Der europäische Winter macht den Yassins schon ein bisschen zu schaffen. Kennengelernt hatten sie ihn im vergangenen Jahr, als sie zunächst in Dortmund, dann in Belgien und später in Eisenhüttenstadt unterkamen – bis sie in Ludwigsfelde untergebracht wurden. Ein starker Kontrast zu den milden Temperaturen in der Türkei und in Syrien, auch wenn es dort in den Bergen sogar schneien kann.

In den Bergen rund um ihre Heimatstadt Latakia lag in jedem Winter Schnee. Um das zu sehen, reisten viele Syrer aus dem gesamten Land an. Die verschneiten Berge waren einst Touristenmagnete, jetzt sind sie dagegen Stützpunkte von Kriegsparteien. Vor ihnen musste die Familie fliehen.

Aus dem vergangenen Winter haben die Yassins noch einige gespendete Schals, Mützen und Handschuhe. Hala findet ihre Mütze so cool, dass sie damit sogar in der Wohnung herumläuft. In dieser Woche brachte ein Freund noch zwei neue Schals und eine weitere Mütze vorbei. Die Yassins werden sie brauchen können, der Winter ist noch lang genug.

Die Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen: www.maz-online.de/ Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Anja Meyer

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