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Kämpfer für die kleinen Leute – Erich Ertl ist tot

Ludwigsfelde Kämpfer für die kleinen Leute – Erich Ertl ist tot

Der Gründer der Ludwigsfelder Bürgerküche, Erich Ertl, ist tot. Ertl, der auch Stadtverordneter der Fraktion VFW war, starb bereits in der vergangenen Woche, wie die MAZ erst jetzt erfuhr. Er wurde 67 Jahre alt. Er sei immer ein ehrlicher und unbequemer Kämpfer für die kleinen Leute gewesen, sagen Mitstreiter.

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Erich Ertl und Helfer widmeten sich der Aufgabe, Lebensmittel an Bedürftige auszugeben.

Quelle: Gudrun Ott

Ludwigsfelde. Der Ludwigsfelder Stadtverordnete Erich Ertl kann nicht mehr erleben, was aus „seinem“ Verein Bürgerküche wird. Er starb in der vergangenen Woche im Alter von 67 Jahren.

Langjähriger Stadtverordneter

Erich Ertl saß seit vielen Legislaturperioden in der Stadtverordnetenversammlung, zuletzt in der zweiköpfigen Fraktion Vereinte – Freie Wähler (VFW). Mit den Kommunalwahlen 2014 war Erich Ertl auch Mitglied des Kreistags Teltow-Fläming geworden, dort leitete er die vierköpfige Fraktion Freie Wähler/BVB.

Geboren wurde Erich Ertl 1948, in Ludwigsfelde lebte er seit 1974. Nach dem Schulbesuch hatte er mehrere Ausbildungen abgeschlossen, er wurde Bergmann, Maler und absolvierte außerdem ein Meisterstudium im Ausbaugewerk. Später machte er sich als Koch mit eigener Gastronomie selbstständig. Er wurde in Ludwigsfelde stadtbekannt mit seinem „Imbiss an der Schwimmhalle“. Deshalb hieß er bei vielen seiner Kunden auch „Würstchen“-Ertl.

Engagement für Bedürftige seit 2003

Diese Berufung, das leibliche Wohlergehen, trieb ihn weiter um. 2003, ein Jahr nach der Euro-Umstellung, gab er den Imbiss auf und engagierte sich seither für Bedürftige. Zuerst war er für die Zossener Tafel unterwegs, später gründeten er, Bürgermeister Heinrich Scholl (SPD) und Hans-Erwin Baltrusch (damals auch SPD und Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung), den Verein Bürgerküche Ludwigsfelde. Mit privaten Fahrzeugen fuhren Ertl und seine Mitstreiter zu Lebensmittelhändlern, um Obst und Gemüse, Backwaren, Fleisch und Wurst einzusammeln, die kurz vor dem Verfall waren und ansonsten unweigerlich im Abfall gelandet wären.

Mit dem Anliegen, auch den Ärmsten in der Stadt und ihren Kindern trotz der Geldknappheit ordentliche Mahlzeiten zu ermöglichen, kämpfte Erich Ertl für eine vereinseigene Küche, um preiswert warmes Essen anbieten zu können. Das war ihm im Seitenflügel des Klubhauses nur wenige Jahre vergönnt, mit der Sanierung ab 2011 musste auch die Bürgerküche ausziehen. Wie sehr sein Anliegen von vielen Seiten unterstützt wurde, zeigten MAZ-Leser der ganzen Region, als sie mit ihren Spenden zur Weihnachtsaktion 2007 viel mehr als die avisierte Kippspüle ermöglichten, sowie etliche Benefizkonzerte zugunsten der Bürgerküche.

Peter Dunkel: Erich Ertl war nicht immer bequem

Einer der kommunalpolitischen Mitstreiter, die Ertl am längsten kannten, ist neben VFW-Fraktionschef Baltrusch Peter Dunkel, Fraktionsvorsitzender Die Linke/Filu. Er sagte gestern: „Ich verliere mit Erich Ertl einen alten Kumpel, der immer zu seinem Wort stand.“ Er sei nicht immer bequem gewesen, so Dunkel, der mit Ertl auch im Kreistag saß. „Erich hat stets gesagt, wo der Hase lang läuft, er hat sich nicht verbogen.“

Dem Verstorbenen sei es immer um die Sache gegangen, er habe für viele der kleinen Leute gekämpft, sagt Dunkel. Im Namen der Fraktion Die Linke/Filu erklärt er: „Wir verlieren mit ihm einen aufrichtigen und ehrlichen Mitstreiter.“

Von Jutta Abromeit

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