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Teltow-Fläming Kahlschlag am Kiefernwäldchen
Lokales Teltow-Fläming Kahlschlag am Kiefernwäldchen
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00:18 13.10.2017
Blick auf das kahle Baugrundstück. Hier sollen aus den ehemaligen Kasernen bezahlbare Wohnungen werden. Quelle: foto: Frank Pechhold
Wünsdorf

Warum wurde auf einem Grundstück am Wünsdorfer Kiefernwäldchen rigoros gerodet? Diese Frage beschäftigt MAZ-Leser Mathias Tauchnitz sowie Mitglieder und Gäste des Zossener Hauptausschusses.

„Auf dem Gelände entstehen Wohnungen zu bezahlbaren Mieten“, sagte Carsten Kühnast der MAZ. Der Berliner Planer begleitet das Vorhaben im Auftrag des Grundstückseigentümers und Bauherren WM BER Real Estate GmbH. „Wir hätten uns die Rodung aus Umwelt- und Kostengründen gern erspart“, so Kühnast. Rodung und auferlegte Ersatzmaßnahmen verursachten Kosten im sechsstelligen Euro-Bereich. „Schuld“ daran sei die Brandenburger Bauordnung.

Sehr schönen, wenn auch ungepflegten Altbaumbestand verloren

Für Tauchnitz hingegen ist die Fällaktion „purer Raubbau“. Hier reize man sämtliche gesetzlichen Möglichkeiten bis zur Unerträglichkeitsgrenze aus. In Wünsdorf würden etliche alte Kasernen zu Wohnungen umgebaut. Das könne man entweder so wie am Glashüttenring oder an der ehemaligen Infanterieschießschule mit Blick fürs Ganze machen. „Oder man kann das wie am Kiefernwälchen ohne jegliches Gefühl für den Standort, die Umgebung, die Natur und die künftigen Mieter tun“, so Tauchnitz. Hier habe man zunächst ohne Genehmigung mitten in der Vegetationsperiode, während der Brutzeit Bäume und Sträucher für einen Bauzaun gefällt. Schließlich hätten sämtliche Bäume und Sträucher auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Grundstück daran glauben müsse. Damit habe Wünsdorf einen sehr schönen, wenn auch ungepflegten Altbaumbestand verloren.

„Für das Abholzen ist die Stadt nicht verantwortlich“, reagierte Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) im Hauptausschuss auf Anfragen zum Kahlschlag am Kiefernwäldchen. Auf der Fläche sei ein Investor zu Gange, der noch keine Pläne vorgelegt habe. „Wieso kann er dann schon in Größenordnungen abholzen?“, wollte Petra Miersch (Freie Wähler) wissen. „Was passiert da genau?“, hakte der Wünsdorfer Ortsvorsteher Rolf Freiherr von Lützow (VUB) nach.

Bauherr entschloss sich aus zwingenden Gründen zum Einzäunen

Planer Carsten Kühnast zufolge hat sich der Bauherr entschlossen, wesentliche Teile des Grundstücks einzuzäunen. Anwohner hätten wiederholt einen Bauzaun gefordert. Zudem sei immer wieder illegal Müll abgelagert worden. Der Versuch, im Mai einzuzäunen, sei wegen des Einspruchs der Forst unterbrochen worden. „Nach einer ersten Anzeige von Herrn Tauchnitz wurden wegen des Bauzauns begonnene Fällarbeiten von der Unteren Forstbehörde unterbunden“, erläutert Martina Glasmacher, Pressesprecherin der Kreisverwaltung Teltow-Fläming.

Gerodet wurde erst später im August. „Wir waren dazu gezwungen, um den Zaun ziehen zu dürfen“, so Carsten Kühnast. Laut Brandenburger Bauordnung dürfe man eine als Wald eingestufte Fläche nicht einzäunen. Weiter schreibt die Bauordnung jedem Investor den Nachweis ausreichender Pkw-Stellplätze für geplanten Wohnungen vor. Eine solche Menge an Stellplätzen – neben geforderten Müll-, Fahrradabstell- und Spielplatzflächen sowie Fahrwegen für die Feuerwehrrettung – könne man ohne eine grundlegende Neuplanung der Außenflächen nicht nachweisen, so Kühnast. Selbstverständlich sei man bei der Rodung allen amtlichen Auflagen nachgekommen.

Forst stimmte Umwandlung von Wald in Wohnbaufläche zu

„Die Untere Forstbehörde hat einer Änderung der Nutzungsart Wald in Wohnbaufläche mit Auflagen im Rahmen der Baugenehmigung zugestimmt“, so Heiko Kiwitt vom Landesbetrieb Forst Brandenburg. Unter anderem müsse eine gleich große Waldfläche neu angelegt werden. „Bei den zu fällenden Bäumen handelte es sich bis auf eine Platane, die noch steht, um Wald im Sinne des Brandenburger Waldgesetzes“, so Kreissprecherin Martina Glasmacher.

Von Frank Pechhold

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