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Teltow-Fläming Kanadischer Pastor kehrt Fläming den Rücken
Lokales Teltow-Fläming Kanadischer Pastor kehrt Fläming den Rücken
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09:39 08.03.2016
Das Gemeindehaus der Mennoniten in Altes Lager – dort wird nun ein neuer Pastor gesucht. Quelle: Josefine Sack
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Altes Lager

Henry Kliewers Amtszeit neigt sich dem Ende entgegen. Seit gut eineinhalb Jahren predigt der Mennonitenpastor in der christlichen Glaubensgemeinschaft in Altes Lager.

Eher zufällig verschlug es den 1946 in Winnipeg geborenen Kanadier und seine Frau Nellie Ende 2014 in den Fläming: Ein gutes Jahr war die Pfarrstelle in Altes Lager zuvor unbesetzt gewesen. Seit dem Weggang des paraguayanischen Pastors Reinaldo Dyck fühlten sich die Gläubigen, der Großteil von ihnen deutschstämmige Spätaussiedler aus ehemaligen Sowjetrepubliken, allein gelassen. Der Wunsch nach einem neuen Pastor drang bis nach Wolfsburg, wo die gut vernetzte Verbandsgemeinde ihren Sitz hat. Der dortige Pastor suchte weltweit nach einem Pfarrer für die Mennoniten in Niedergörsdorf – und fand Henry und Nellie Kliewer, die auf Anhieb zusagten. Denn die Abenteuerlust liegt dem Paar im Blut: Schon als frisch verheiratetes Paar trampten die Kliewers durch Deutschland.

Im November kehrt Henry Kliewer nach Kanada zurück. Quelle: Josefine Sack

Nachdem er seinen Beruf als Maschinenbauingenieur aufgegeben hatte, um Pfarrer zu werden, zogen sie für den vierjährigen Missionarsdienst nach Japan. Bevor es 2014 nach Deutschland ging, lebte das Paar viele Jahre in Kanada. Obwohl die beiden dort geboren wurden, sprechen sie nahezu perfekt Deutsch. Ihre Eltern waren Einwanderer einer deutschen Gemeinschaft aus Russland.

Nach mehr als einem Jahr in Altes Lager hat sich das Pastorenpaar gut eingelebt. „Wir wurden überall mit großer Herzlichkeit empfangen“, erinnert sich Henry Kliewer an seinen ersten Gottesdienst für die nur 26 Mitglieder zählende Gemeinde. Neben den sonntäglichen Andachten lädt der Endsechziger jeden Mittwochnachmittag zur Bibelstunde ins Gemeindehaus im Birkenweg.

Als Seelsorger macht er Hausbesuche bei den Gläubigen, bei Bedarf steht er den Jugendlichen im Mehrgenerationenhaus „Jump“ zur Seite. Zudem engagiert sich Kliewer im „Welcome-Team“ für die Flüchtlinge in Niedergörsdorf. Einige der Bewohner aus dem Übergangswohnheim in Altes Lager nehmen seit November 2015 regelmäßig an seinen Gottesdiensten teil. Das Büro des Pfarrers hat sich seither in ein Spielzimmer mit bunten Kissen, Kinderbüchern und Plüschtieren verwandelt.

Im ersten Jahr sei es ihm zunächst darum gegangen, seine Gemeinde „kennen- und liebenzulernen“, so Kliewer. „Um Vertrauen aufzubauen, braucht es Zeit – und das hat erstaunlich gut geklappt“, zieht der Pastor Bilanz. Zwei erwachsene Gläubige hat er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2014 getauft. Die letzte Taufe fand am 1. Advent 2015 statt.

Für die verbleibende Zeit in Altes Lager hat sich Henry Kliewer vorgenommen, andere Kulturen noch besser in seine Gemeinde zu integrieren – auch um den Austausch der Alteingesessenen mit den Neuankömmlingen weiter voranzutreiben.

Im November beenden die Kliewers ihren Dienst im Fläming und kehren zurück ins kanadische Winnipeg. Dort leben ihre zwei Kinder, die mittlerweile selbst Eltern sind. Im Frühjahr werden Henry und Nellie Kliewer zum zweiten Mal Großeltern. Zudem wartet in Kanada der 93-jährige Schwiegervater: „Wir haben eine gewisse Verantwortung“, begründet Henry Kliewer die geplante Rückkehr zum Jahresende.

Bis es so weit ist, hat der Pastor aber noch einiges vor: Derzeit unterrichtet er einen Bibelschüler, der die christliche Glaubensgemeinde nach seinem Weggang einmal übernehmen könnte. Zum Abschied wartet dann ein großes Fest auf den Kanadier und seine Frau: Denn im Oktober feiert die evangelisch-mennonitische Freikirche in Altes Lager ihr 20-jähriges Bestehen.

Von Josefine Sack

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