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Teltow-Fläming Kandidaten auf Kuschelkurs
Lokales Teltow-Fläming Kandidaten auf Kuschelkurs
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20:14 16.09.2015
Linken-Kandidatin Cormelia Hafenmayer (M.) wird von MAZ-Redakteurin Jutta Abromeit und MAZ-Redaktionsleiter und Regionalverlags-Geschäftsführer Lothar Mahrla interviewt.
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Ludwigsfelde

Der Bürgermeisterstuhl im Ludwigsfelder Rathaus ist nicht irgendein Posten. Wer dort sitzt, darf sich als Verwaltungschef der wichtigsten Stadt in Teltow-Fläming fühlen, die in wenigen Wochen die 25 000 Einwohner-Schwelle überspringt und deren wirtschaftliche Stärke ins gesamte Land Brandenburg strahlt. Um an so ein wichtiges Amt zu kommen, tun Kandidaten alles, sollte man annehmen – doch weit gefehlt. Die Bewerber für die Bürgermeisterwahl am Sonntag gaben sich auf dem MAZ-Wahlforum am Dienstag im Ludwigsfelder Klubhaus wie eine Vierer-Kuschelkoalition. Keine Spur von Angriff, stattdessen zeugte man einander Respekt, lobte die bisherige Arbeit der Amtsvorgänger und versprach den Anwesenden mehr als 250 Gästen, im Prinzip alles so zu machen wie in der Vergangenheit.

Das Publikum hörte interessiert zu. Quelle: Gerlinde Irmscher

Detlef Helgert (CDU), Cornelia Hafenmayer (Linke), der von BVB/Freie Wähler unterstützte Einzelbewerber Jens Wylegalla und Andreas Igel (SPD) gaben sich reichlich Mühe, sich nicht zu streiten, was Lothar Mahrla, MAZ-Redaktionsleiter und Geschäftsführer des MAZ-Regionalverlags, der zusammen mit Redakteurin Jutta Abromeit moderierte, zu der Bemerkung veranlasste: „Sie müssen nicht mit Wattebäuschen aufeinander werfen.“

Die Kandidaten durften sich zudem von ihrer menschlichen Seite zeigen. Detlef Helgert lässt sich die karierten Hemden, die er auf den Wahlplakaten trägt, von seiner Frau kaufen. Statt Klamotten zu shoppen würde er viel lieber seine Zeit in einem Modelleisenbahngeschäft verbringen. „Das fehlt leider in Ludwigsfelde“, sagte er. Cornelia Hafermeyer ist zwar seit vielen Jahren verheiratet, sie wünscht sich trotzdem ein Brautmodengeschäft in Ludwigsfelde. Das letzte Buch, das sie gelesen hat, war die

Andreas Igel gewinnt Saalwahl

Nach zwei Stunden Wahlforum mit den vier Ludwigsfelder Bürgermeister-Kandidaten gaben 135 Gäste am Ausgang ihre Stimme ab.

Nach Auszählen der Stimmanteile hätte es bei dieser Saalwahl eine Stichwahl gegeben – keiner der vier Kandidaten konnte die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen.

Von den abgegebenen Stimmen waren zehn ungültig, es waren entweder alle vier Namen oder gar keiner angekreuzt.

Einzelbewerber Jens Wylegalla erhielt 15 Stimmen. Damit kam der 37 Jahre alte Unternehmer auf 11,11 Prozent der abgegebenen Stimmen.

17,04 Prozent der Stimmen entfielen auf CDU-Mann Detlef Helgert (52). Für den Stadtverordneten und Leitstand-Fahrer beim Energieversorger Enro stimmten 23 Gäste des Forums.


34 Stimmen verbuchte mit Cornelia Hafenmayer (57/Linke) die einzige Frau in der Runde am Ende des Abends für sich. Damit hätte sie bei 25,18 Prozent Stimmanteil das zweitbeste Ergebnis und eine Stichwahl geschafft.

Sieger der Saalwahl ist SPD-Mann Andreas Igel. Seine 53 erreichten Stimmen bedeuten 39,26 Prozent für den 45 Jahre alten IT-Manager und Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung.

Gemeindeordnung, gab sie zu. „Hoffentlich stehe ich jetzt nicht als Streber da.“ Mit ihrem CDU-Konkurrenten teilt sie die Liebe zu gutem Essen und bekannte: „Ich leide am Jojo-Effekt.“ Gewichtsprobleme hat Jens Wylegalla nicht. Sein Laster sind die selbstgedrehten Zigaretten. Der frühere Musiker in einer Punkband, Dudelsackspieler und begeisterte Sportler gab sich betont erdig. „Ich vermisse einen Fleischer. Überhaupt gibt es zu wenige Fachgeschäfte in der Stadt“, sagte er und drohte sogar MAZ-Redakteurin Jutta Abromeit in seine Regierung zu berufen, falls er die Wahl gewinnt.

Die Bürger hatten Gelegenheit, ihre Fragen loszuwerden. Quelle: Gerlinde Irmscher

Andreas Igel möchte einen Schornsteinfeger in seinem Team haben. Der soll das Glück beim Regieren bringen. Nach seinen Schwächen befragt, gab er zu, dass er dazu neigt, zu schnell zu sprechen. In Ludwigsfelde gebe es die Legende, dass er das Wort „Stadtverordnetenversammlung“ in eine Silbe verpacken kann.

Nach dem Privaten wurde es politisch. Die Bewerber durften ein paar Dinge nennen, die ihnen wichtig sind. Während Andreas Igel seine Arbeit vor allem darin sieht, die Mitarbeiter im Rathaus zu motivieren und sich für neue Arbeitsplätze in der Industrie einzusetzen, möchte Cornelia Hafenmeyer die Information der Bürger über Beschlüsse aus dem Stadtrat verbessern. Detlef Helgert hat sich vorgenommen, vieles von dem Geschaffenen zu erhalten. Vielleicht ein paar zusätzliche Radwege und ein neuer Rathausplatz. Jens Wylegalla wurde bei der Frage nach dem wichtigsten Projekt grundsätzlicher. Er hat sich dem Kampf gegen den Lärm verschrieben und der kommt in Ludwigsfelde von allen Seiten. Bahn, Straße und Flugzeuge nehmen die Stadt in die Zange. Mit anderen Gemeinden möchte er deshalb den Nachtflug am BER bekämpfen und den Verkehr auf der Erde langsamer und somit leiser machen.

SPD-Kandidat Andreas Igel Quelle: Irmscher

Die Auswirkungen einer erfolgreichen Industriestadt auf Mensch und Umwelt gehörten dann auch zu den wichtigsten Fragen der Bürger. Andreas Igel rechtfertigte die Pläne der Stadt, an der Eichspitze ein neues 70 Hektar großes Industriegebiet zu schaffen. „Zusammenhängende Flächen in der Größe gibt es in Deutschland kaum noch.“ Für Eingriffe in die Natur werde man Ersatz leisten. Cornelia Hafenmeyer appellierte an die Bürger, selbst den Lärm zu minimieren. „Man muss nicht zu jedem Geburtstag Böller zünden.“

Auf das Problem der zunehmenden Wohnungsknappheit angesprochen vermieden alle Kanidaten das Versprechen, neue Sozialwohnungen zu bauen. Weil es dafür keine Subventionen von Land und Bund gibt, wäre das „eine unredliche Forderung“, sagte Andreas Igel. Jens Wylegalla setzte auf seinen Bonus als unabhängiger Bewerber. „Wir sollten die Parteienperspektive verlassen und die Bürger als Mitmenschen betrachten.“ Das Wort Dialog gehörte zu den häufigsten Vokabeln aus seinem Mund an diesem Abend.

Einzelbewerbwer Jens Wylegalla Quelle: Irmscher

Unabhängig davon, ob die Kandidaten brave Parteisoldaten sind oder sich gerne mit dem Rest anlegen, waren sie sich in einer Sache ganz besonders einig. Der Bahnhof soll auch in Zukunft Museum bleiben, auch wenn ein Bürger dies beklagte und dort lieber einen Wartesaal mit Bistro und Fahrkartenschalter hätte. „Wir sind glücklich über unser Museum“, sagte Detlef Helgert. Cornelia Hafenmeyer räumte ein, dass vor allem im Winter ein warmer Unterstand schön wäre. Jens Wylegalla wäre eine bessere Verbindung der Ortsteile zum Bahnhof wichtiger und

CDU-Kandidat Detlef Helgert Quelle: Irmscher

Andreas Igel sieht eher einen Bedarf für neue Park-and-Ride-Plätze. So viel Einmütigkeit war charakteristisch für den Abend, den Lothar Mahrla als „harmonischsten Wahlkampf des Jahrhunderts“ bezeichnete.

Von Christian Zielke

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